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Laubenpieper
Bei Hochwasser saufen Gärten ab

Patrizia Czajor / 11.01.2019, 06:00 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Seit vielen Jahren macht der Biber den Kleingärtnern das Leben schwer. Gerade ältere Besitzer, die ihre Lauben nicht mehr bewirtschaften können, finden zudem keinen Nachfolger. Für Verunsicherung sorgen auch noch die Pläne des Umweltministeriums.

Wenn Kleingartenbesitzer versuchen, Gemüse anzubauen und dann mit der Hand in die nasse Erde greifen, dann kann das laut Manfred-Jürgen Köhler durchaus demotivieren. So wundert es den Vorsitzenden der Sparte Neuzeller Grund, zu der 56 Kleingärten in der Neuzeller Niederung gehören, nicht, dass viele Laubenbesitzer ihre Grundstücke nicht mehr bewirtschaften. Schuld ist der Biber, der Bäume zum Umstürzen bringt sowie die Entwässerungskanäle mit seinen Bauten verstopft. Es ist kein neues Problem und bei weitem nicht das einzige, mit dem die Eigentümer zu kämpfen haben.

Im Stadtgebiet, etwa am Neuzeller Landweg, am alten Kraftwerk sowie am Schwimmbad in Eisenhüttenstadt, steht fast jede zehnte Laube leer. Grund dafür ist laut Josef Hofmann, dem Vorsitzenden des Verbands der Gartenfreunde, vor allem die Altersstruktur. „Es fehlt der Nachwuchs.“ Die nicht gezahlten Pachtzahlungen gleicht der Verband, in dem die einzelnen Gartensparten in Eisenhüttenstadt, Neuzelle, Lawitz, Vogelsang, Ziltendorf, Wiesenau und Müllrose organisiert sind, derzeit mithilfe der Vereinsumlage sowie mit Unterstützung der Stadt aus, die dem Verband ein Cent pro Quadratmeter erlässt. „Doch wie lange geht das so noch weiter?“, fragt sich Hofmann.

Denn gerade in der Neuzeller Niederung, wo 200 von 1100 Kleingärten laut Hofmann „fast nicht mehr vermittelbar“ sind, beunruhigt die Eigentümer nicht nur der Biber, sondern auch die Pläne des Landesumweltministeriums. „Sie sind wie ein Blitz eingeschlagen“, sagt Manfred-Jürgen Köhler. Gemeint sind die Planungen für den Flutungspolder. Bei Extremhochwasser soll der Bereich zwischen Bahnübergang und Oder, in dem auch die Kleingärten liegen, nämlich geflutet werden. Auf einer Fläche von 1900 Hektar können so 43 Millionen Kubikmeter aus der Oder abgeleitet werden, um diese zu entlasten. Zwar hätten die Kleingartenbesitzer eine Zusage auf Entschädigung. „Aber die ist nur mündlich“, meint Josef Hofmann, der nichts gegen ein Hochwasserschutzprogramm hat, sich aber eine bessere Informationspolitik seitens der Landesregierung wünscht.

Kurt Augustin vom Landesumweltministerium verweist darauf, dass sich das Vorhaben noch im Anfangsstadium befindet. Zurzeit laufe, so erläutert der Leiter der Abteilung Wasser, eine Machbarkeitsstudie, bei der unterschiedliche Varianten durchgespielt würden. Erst dann folgt eine Entwurfsplanung sowie die Eröffnung eines Planfeststellungsverfahrens. „Dann werden alle Betroffenen die Gelegenheit haben, Einwände vorzubringen.“ Auch eine Entschädigungsregelung ist in Vorbereitung, die sowohl die Landwirtschaftsverbände als auch die Eigentümer von Kleingärten miteinbezieht, wie Augustin darlegt.

Für Erleichterung sorgt das bei den Betroffenen indes nicht. Fest steht mittlerweile auch, dass die Eigentümer für das Treiben des Bibers nicht entschädigt werden. Jedoch hat Josef Hofmann beim Land einen Antrag zur Förderung von Präventionsmaßnahmen gestellt. Falls dieser bewilligt wird, könnten damit etwa die Zäune so ausgebessert werden, dass sie dem Nagetier das Eindringen erschweren. Der 70-Jährige bezweifelt jedoch, dass er damit Erfolg hat.

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