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Schauspieler Axel Prahl begeisterte mit sehnsuchtsvollen Texten und seiner Inselband

Kultur
Der singende Kommissar

Kann auch singen: TV-Kommissar Axel Prahl trat mit seiner Inselband im Kleist Forum auf.
Kann auch singen: TV-Kommissar Axel Prahl trat mit seiner Inselband im Kleist Forum auf. © Foto: Rene Matschkowiak
Silvia Fichtner / 12.01.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 14.01.2019, 17:17
Frankfurt Volles Haus Donnerstagabend im Kleist Forum. Auf der Bühne stehen Axel Prahl und das Inselorchester. Der Schauspieler als Sänger. Zu Beginn des vergangenen Novembers hat er seine zweite CD in den Ring geworfen: „Mehr“.

„Heute fang ich an / heut werd‘ ich‘s versuchen / heute mach ich den ersten Schritt / und nehme mir Zeit für mich. / Morgen seh’n wir dann / was hat sich verändert / was ich wirklich bewegen kann / und was unverrückbar bleibt“. Immer, wenn AxelPrahlkein „Seemannsgarn spinnt“, sondern Blicke ins Leben gewährt, in den Alltag, ist er unglaublich gut – und man begreift, warum ihn seine Zuhörer so mögen. Und seit Andreas Dresens wunderbarer Tragikomödie „Halbe Treppe“, in Frankfurt gedreht, hat er sowieso seinen Platz in den Herzen des hiesigen Publikums. Das merkt man von der ersten Minute an, da er den gut gefüllten Saal des Kleist Forums betritt.

Das Inselorchester, neun handverlesene Musiker, spielt die Ouvertüre. Aha, der Star lässt auf sich warten… Denkste! Prahl, dessen Silhouette mit Hut erscheint, als er zunächst die falsche Tür zum Saal öffnet, kommt aus dem Publikum auf die Bühne. Da ist er, der Thiel-Prahl aus dem oft amüsanten TV-Tatort Münster, und schmettert den Shanty „Heute versauf ich die Heuer“. Zum Glück kommt das Seemannslied härter rüber, nicht so schunkelig wie auf der neuen Platte. Das Publikum johlt wie auf Captain Smolletts „Hispaniola“ sofort erfassend: das wird ein toller Abend mit Captain Prahl und seiner Crew. Und das ist dann auch so, trotz kleiner Patzer, in denen Prahl mal den Text vergisst oder zu zeitig einsetzt. Trotz des musikalisch sehr dick aufgetragenen Liedes über den Tod „Zuhause“. Geschenkt. Das Leben kennt selten wirklich perfekte Momente. Prahl singt davon, weiß aus eigenem Erleben darum. Sein Opener ist ja „eigentlich ein Lied vom Weglaufen“, wie der Vater von vier Kindern, der zum dritten Mal die Ehe probiert, hinterher selber fast beiläufig einstreut. Denkt er an andere Zusammenhänge dabei?

Bei Schauspielern weiß man ja nie, wenn sie das freundlich sagen, aber Prahl nimmt man sofort ab, dass er sich wohl fühlt in Frankfurt. Er erinnert an die drei Monate, die er mit „Halbe Treppe“ an der Oder verbracht hat, und sucht den Imbissbesitzer von damals im Publikum. Vergebens.

Und dann flicht er nobel seinem Produzenten Danny Dziuk den Lorbeerkranz des Mitkomponisten und Arrangeurs, denn die Prahl-Texte seien ganz wesentlichen durch Dziuk zu eben jenen Liedern geworden, die Donnerstagabend zu hören sind: Songs seines vor sieben Jahren veröffentlichten Debüt-Albums „Blick aufs Meer“ und Songs der brandneuen Scheibe „Mehr“. Prahl ist keiner, der sich mit fremden Federn schmückt. Auch deshalb feiert er selber seine Inselorchester-Mitstreitermehrfach und zu recht an diesem Abend: Sylvia Eulitz (Cello), Christiane Silber (Bratsche) Rainer Korf (Violine), Nicolai Ziel (Drums) Johannes Feige (Gitarren) Tom Baumgarte (Bässe) Thomas Keller (Sax, Klarinette) Jörg Mischke (Keyb, Akk), Danny Dziuk (Keyb, voc, Arrangements, Co-Komponist, musikal. Leitung). Allesamt auffallend, bravourös, was sich noch einmal am Schluss in den Zugaben zeigt.

Axel Prahl schafft es in der Tat, nicht nur als Schauspieler unverwechselbar zu sein, sondern auch als Texter und Musiker. Das Bodenständige seiner Figuren findet sich in seinen Texten wieder.Sie sind nicht so leuchtend, sowortgeschliffenwie die des Songpoeten Hans-Eckardt Wenzel, wenn der Vergleich überhaupt erlaubt ist. „Ich bin nun mal so wie ich bin“, singt Prahl nicht von ungefähr. Prahl, mit Vorliebe Biertrinker und (schon mal unerlaubt, aber wohlwollend geduldet) Sekundenraucher (weil er’s ohne Zigarette nicht aushält?) auch auf der Bühne, liebt das Meer, weiß man, seine Kindheit und Jugend verknüpfen sich damit. Man glaubt zu spüren, wie er dort sitzt und sich einen Reim auf sein Leben, auf das von Mitmenschen macht.

Und so entstehen Prahl-Lieder - wundervoll wie der Zungenbrecher „Wilde Welle“, wie „Wieso bist Du immer noch da“, „Blick aufs Meer“, „Scherben“ (ein exzellentes Duett mit Uschi Brüning, das im Kleist Forum nicht zu hören ist, dafür aber auf der neuen Platte zum Mit-nach-Hause-nehmen), wie das auffordernd-kesse „Besinn Dich“, wie das Chanson„Da brennt noch Licht“, „Herr Neugier und Madame Moral“, eine Moritat – heute selten zu hören, und wie das Palmenstrand beschwingte Stück „Lass uns flieh’n“. In diesen Liedern ist er weit weg von Thiel, in diesen Minuten ist er unverkennbar Axel Prahl. Das muss erst mal geschafft werden und gelingt nicht so vielen seiner Schauspielkollegen,die auch singen, obwohl ja letztlich alles Geschmackssache ist.

Sehr wohl verdienter Applaus – von den Meisten stehend –am Ende. Das Publikum im Kleist Forum mag sich nicht trennen von ihm und dem Inselorchester. „Heute fang ich an“, singt er. Es ist also von ihm noch etwas zu erwarten. „Mehr“ gibt es schon. „Wie soll’s weitergeh’n?“, fragt sich Prahl in einem seiner Lieder. Und antwortet auch: „Komm, lass Dich treiben /denk nicht so viel nach. / Es wird weitergehen / Tag für Tag… Hör auf Deine Sehnsucht“. Und nicht ständig wieder die Heuer versaufen!

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