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Baumschäden
Der Biber beißt sich durch

Janet Neiser / 17.01.2019, 17:53 Uhr
Ziltendorf. (MOZ) Biber sind nicht nur die größten Nagetiere Europas und geniale Baumeister. Sie verschlingen im Gegenzug auch Tausende von Euro. Denn für die Schäden, die sie an Straßen, Gräben und Dämmen verursachen, muss immer die öffentliche Hand zahlen.

„Wir haben am Mittwoch eine Straße in der Ziltendorfer Niederung sperren müssen“, heißt es am Donnerstag aus der Amtsverwaltung Brieskow-Finkenheerd. Die Rede ist vom Fürstenwalder Hauptweg. Da sei ein Stück bereits abgesackt. Warum? Der Biber hat die Straße unterhöhlt. Wenn die Kommune nicht gehandelt und mit der Sperrung einen größeren Schaden verhindert hätte, wären sofort 10.000.Euro fällig gewesen. Allein in diesem Jahr seien aufgrund von Biberschäden bereits fast 15.000.Euro aufgelaufen, heißt es aus der Amtsverwaltung.

Danny Langhagel, Bürgermeister von Ziltendorf, überrascht der jüngste Schaden am Fürstenwalder Hauptweg nicht. „Die Verbindung ist gut frequentiert“, sagt er zu der Straße, die unter anderem von der Bauerngesellschaft, Aurithern und Kleingärtnern genutzt wird. Über Biber könnte Langhagel stundenlang reden. Er kennt auch die Stellen, an denen sie Probleme machen. An der sogenannten Schlucht zwischen dem alten Sportplatz und der Bahnstrecke beispielsweise. Da hat der Nager ein wahres Paradies gefunden. Überall stehen abgenagte Baumstümpfe und drohen weitere Bäume abzuknicken. Aus einem Rinnsal ist ein kleiner See geworden, den man nicht mal eben überspringen kann wie noch vor ein paar Jahren. Selbst ein Biberbeauftragter sei schon da gewesen, weiß Langhagel. Aber der meinte nur, das sei Natur und der Biber werde schon dafür sorgen, dass alles funktioniert. Langhagel schüttelt den Kopf, zumal anliegende Bewohner offenbar Probleme mit dem gestiegenen Wasserspiegel haben.

Als nächstes Beispiel zeigt er die Milchbahn, an der sich seit Jahren Biber tummeln. An einer Stelle ist aus einem Meliorationsgraben ein Teich geworden. Der Biber hat ganze Arbeit geleistet und das Wasser angestaut. „Wie soll denn der Landwirt da noch was machen?“, fragt Danny Langhagel und zeigt auf die riesigen Pfützen auf dem Feld. Nun kann man fast schon darauf warten, dass auch dort die Straße absackt.– wieder mal. „Wissen Sie, ich bin wirklich ein Naturfreund und der Biber soll auch seinen Lebensraum haben, aber das Miteinander muss funktionieren. Der Biber kann doch nicht die Infrastruktur, die mit viel Geld errichtet wurde, wieder zerstören.“ Zumal die Reparatur die Gemeinden jedes Mal richtig Geld kostet.

Auch Brieskow-Finkenheerds Amtsdirektor Danny Busse sieht das so. „Und ob der Biber ausgerechnet in einem Hochwasser gefährdeten Gebiet beheimatet sein sollte?“, fragt er skeptisch. Vor allem Biberschäden am Deich machen Busse Sorgen, auch wenn die Deiche nicht in seinem Verantwortungsgebiet liegen. „Was ist denn, wenn die Pegelstände wieder steigen?“ Unbefriedigend ist die Situation, wie sie derzeit ist, für ihn auf jeden Fall. Sicherlich würde der finanzielle Druck etwas leichter, wenn das Land noch mehr Gelder für Biberprävention bereitstellen würde, unter anderem für Biberschutzmatten, sagt er.

„Aber wenn die da sind, dann sucht sich der Biber eben eine andere Stelle und buddelt dort weiter.“ Zudem würde eine exorbitante Summe zusammenkommen, wenn man diese Matten entlang aller Gräben und Deiche verlegen würde.

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