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Gute Chancen
1200 neue Jobs in Frankfurt seit 2013

Thomas Gutke / 18.01.2019, 18:32 Uhr - Aktualisiert 19.01.2019, 09:48
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vor einer Woche kündigte Astronergy an, die Produktion von Solarmodulen in Frankfurt einzustellen. Doch die Agentur für Arbeit sieht für die 200 von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter gute Chancen, schnell eine neue Anstellung zu finden.

Es ist der größte Stellenabbau in Frankfurt seit 2012 First Solar seine Werke schloss. Damals verloren 1 200 Menschen ihren Job. Doch auch wenn es diesmal um weitaus weniger Arbeitsplätze geht, „stehen viele Einzelschicksale dahinter. Schließlich sind 200 Familien betroffen“, sagt Mathias Lemcke, einer von drei Geschäftsführern der Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder). Andererseits gebe es mit Blick auf den Arbeitsmarkt „keinen Grund, mutlos zu sein“. Der Aufschwung halte an, Beschäftigung baue sich weiter auf. „Das sehen wir auch an den vielen offenen Stellen, die wir führen. Wir haben ein vielfältiges Angebot.“

Statistiken bestätigen die gute konjunkturelle Lage. In den vergangenen sechs Jahren entstanden im Agenturbezirk (Frankfurt, Oder-Spree und Märkisch-Oderland) mehr als 10 000 neue Jobs. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von 125 217 (Juni 2013) auf 134 587 (Juni 2018). Die Zahlen für Frankfurt zeigen den gleichen Verlauf. Zwischen 2013 und 2018 kamen 1 200 Arbeitnehmer dazu. Und die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt soll anhalten. Das gilt durchaus auch für produzierende Unternehmen, deren Beschäftigte statistisch vor allem in den Wirtschaftszweigen verarbeitendes Gewerbe und Fertigungstechnische Berufe erfasst werden. 35 000 Menschen verdienen damit im Agenturbezirk ihren Lebensunterhalt, in Frankfurt sind es zirka 4000 (siehe Grafik). Und es könnten noch mehr sein. 2018 gab es in den genannten Wirtschaftszweigen agenturbezirksweit dreimal so viele offene Stellen (996) als noch vor sechs Jahren (412) .

„Hier gibt es in der gesamten Region Arbeitgeber, die Personal suchen, zum Beispiel Maschinen- und Anlagenführer“, sagt der Geschäftsführer operativ. Als Frankfurter müsse man allerdings auch über die Stadtgrenze hinaus gucken – oder sich beruflich flexibel zeigen. „Dann gibt es jede Menge Möglichkeiten. Von Logistik über Kraftfahrer bis hin zum Pflegebereich“, berichtet Lemcke. Die Arbeitsagentur arbeite zudem eng mit Zeitarbeitsfirmen zusammen, denen zu Unrecht ein schlechtes Image anhafte. „Inzwischen führt der Weg oft über Zeitarbeit in eine Festanstellung der Firma, die Zeitarbeiter angefordert hat.“

Ältere hätten es ehrlicherweise nach wie vor schwerer auf dem Arbeitsmarkt, räumt Lemcke ein. Aussichtslos jedoch sei die Situation keineswegs. Der Anteil älterer Arbeitnehmer steige. „Auch hier können wir den Betroffenen viele Angebote unterbreiten. Es lohnt sich, Ältere einzustellen. Die Erfahrung zeigt, dass sie oft weniger Ausfallzeiten haben und zugleich viel Routine und Erfahrung mitbringen.“

Am Montag ist die Arbeitsagentur zu ersten Gesprächen mit Astronergy verabredet. Den Verhandlungen der Geschäftsführung mit dem Betriebsrat über einen sozial verträglichen Unternehmensumbau wolle er nicht vorgreifen, so Mathias Lemcke. Dennoch habe sich die Installation einer Transfergesellschaft in der Vergangenheit oft als gutes Instrument zur Abwicklung von Geschäftszweigen oder ganzen Unternehmen erwiesen, zum Beispiel bei First Solar. „Der Vorteil ist, dass eine sofortige Arbeitslosigkeit vermieden wird und die Mitarbeiter für andere Beschäftigungsfelder qualifiziert werden.“ Das Credo laute: Aus der Arbeit in die Arbeit. Die Arbeitsagentur zahle Transferkurzarbeitergeld. Die Kosten für Qualifizierungsmaßnahmen teilen sich Arbeitgeber und Behörde.

Konkret angeboten habe man der Astronergy-Geschäftsführung bereits die Einrichtung eines Büros als Anlaufstelle für die Belegschaft vor Ort. Lemcke: „Wir tun unser Bestmöglichstes, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden.“

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