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Begegnung mit Flüchtlingen
Auf einen Kaffee mit syrischem Nachbarn

Wollen Austausch fördern: Sven Meisel von der Volkssolidarität sowie Gadir Abas, Farah Abbadi, Rana Saad und Alasemi Amany.
Wollen Austausch fördern: Sven Meisel von der Volkssolidarität sowie Gadir Abas, Farah Abbadi, Rana Saad und Alasemi Amany. © Foto: Patrizia Czajor
Patrizia Czajor / 22.02.2019, 08:15 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Sie wollen klein anfangen, sagte Heike Gunkel von der Volkssolidarität. Die Einladung zum Arabischen Café, zu dem der Verband am Donnerstag erstmals eingeladen hat, ist in ihren Augen ein erster Schritt, ein Beitrag zur Integration Geflüchteter in der Stadt. Denn in den Augen der ehrenamtlichen Mitarbeitern fehlt die Kommunikation. „Man geht aneinander vorbei, aber man redet nicht.“

So erging es auch Adelheid Bigesse, die regelmäßig ihrer syrischen Nachbarin über den Weg gelaufen, aber nie mit ihr gesprochen hat. „Sie hat aber immer freundlich gegrüßt.“ An diesem Nachmittag sitzt die junge Syrerin ihr gegenüber. Ihr Name ist Farah Abbadi und sie freut sich darüber, endlich mehr als nur ein „Hallo“ mit der Dame zu wechseln. Der Austausch ist der 23-Jährigen wichtig. „Egal, ob mit Jung oder Alt.“ Menschen gleicher Kultur sollen nicht nur unter sich bleiben, findet sie.

Um auch ihre deutschen Nachbarn besser kennenzulernen, hat die junge Frau gemeinsam mit drei anderen Syrerinnen sowie der Volkssolidarität das Arabische Café initiiert. Das Gespräch bei Kaffee und syrischen Speisen, zu denen etwa syrischer Kuchen (Harissa), Tahini-Sauce und Falafel gehörten, war offen und direkt. Gesprochen wurde über das Kopftuch, Religion und Krieg. Eine Frau wollte von den Syrerinnen wissen, warum die Familien nie gemeinsam das Land verließen. Daraufhin erläuterte Farah Abbadi ihre eigene Situation. Vor drei Jahren ist sie zusammen mit ihrem Bruder und Vater aus ihrem Heimatland geflohen, wie sie sagt. Doch auch die Schwester und Mutter blieben nicht im Kriegsgebiet, kamen hingegen nicht direkt bis nach Europa mit. Letztlich landeten sie in Griechenland und mussten lange dort bleiben. „Ich habe meine Mutter drei Jahre lang nicht gesehen.“

Bis es letztlich zu einer Familienzusammenführung gekommen ist, hat sie jedoch viel Unterstützung von den anderen syrischen Frauen hier erfahren. Gadir Abas, die neben ihr sitzt, lernte sie bei der Überfahrt nach Europa kennen, kam mit ihr in eine Flüchtlingsunterkunft in Fürstenwalde und schließlich nach Eisenhüttenstadt. „Sie ist wie Familie für mich.“ Auch die Eisenhüttenstädter empfindet die 23-Jährige als sehr freundlich. Doch auch sie merkt, dass es Vorurteile gegenüber den aus Kriegsgebieten geflüchteten Menschen gibt. „Man glaubt, sie sind schwierig.“ Allen, die so denken, möchte Farah Abbadi das Gegenteil beweisen.(pac)

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