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Im Neuzeller Strohhaus ist man mit einer großen Ausstellung auf das Osterfest eingestellt

Ostern
Aus Eiern wird wunderschöne Kunst

Jörg Kotterba / 25.03.2019, 06:45 Uhr
Neuzelle Das Strohhaus im Slawengrund steht jetzt im Mittelpunkt der 19. Ostereierausstellung mit Kunstwerken  aus fast 30 Ländern. Die Familien Keller (Neuzelle) und Krüger (Ziltendorf) bemalen vor Ort Ostereier und stellen unterschiedliche Techniken vor.

So ein Ei vom Huhn, der Gans, vom Nandu oder dem Vogel Strauß ist schon ein Kunstwerk für sich. Ein perfektes Oval mit harter Schale und weichem Kern. Monika und Klaus Krüger aus Ziltendorf und Ingrid und Edwin Keller mit Sohn Jens aus Neuzelle wissen mit diesen formschönen Produkten eines vermutlich glücklichen Geflügellebens gut umzugehen. Sie tauchen die Eier – von den "Innereien" zuvor getrennt – in Farben oder Wachse, nutzen Servietten-, Fräs- und andere Techniken und legen dann noch ihr künstlerisches Händchen oben drauf. Ein Kunstwerk entsteht. Eine Stunde und ein bisschen mehr braucht Monika Krüger, Jahrgang 1949, für ein bezaubernd bemaltes Hühnerei. Ehemann Klaus, sechs Jahre älter, hat für ein Straußen-Ei auch schon "fast `ne Woche benötigt. Ich habe mit einer Mini-Fräse in der harten Schale Figuren, Herzen und andere Details geformt. Das geht ganz schön über die Arme", erzählte der Ziltendorfer am Sonnabend im Strohhaus Neuzelle. Da lockte die mittlerweile 19. Ostereierausstellung, zu sehen dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr. Wer indes den Krügers oder Kellers über die Schulter schauen und sich Tipps einholen will, sollte sich diese Termine dick im Kalender ankreuzen: Palmsonntag, 14. April, von 11 bis 17 Uhr; Karfreitag und Ostersonnabend/-sonntag jeweils von 13 bis 16 Uhr.

Ingrid und Edwin Keller haben ihre Ostereier-Mal-Leidenschaft schon vor 59 Jahren entdeckt. Das Paar, heute Anfang 80, studierte damals im Neuzeller Lehrer-Institut. Bei mehreren Abstechern in den Spreewald lernten sie die Sorben kennen, in DDR-Zeiten die gehätschelte slawische Minderheit. Sie leben in der Nieder- und Oberlausitz und pflegen seit Generationen ihr Brauchtum. Seit dem Mittelalter werden dort Ostereier geweiht, verschenkt, auf Äcker und Saaten gebracht, zum Schutz vor Unwetter oder für eine kommende ertragreiche Ernte in die erste Garbe gebunden. Liebende bedenken auch heute noch einander mit roten Ostereiern. Patenkinder erhalten drei bunt gefärbte Eier, wobei die "3" zum einen für die Familie mit Vater, Mutter und Kind steht. Oder als Symbol der Dreifaltigkeit für Feuer, Wasser und Luft.

Den Kellers und Krügers über die Schulter schauten am Sonnabend Petra und Egbert Blacha aus Frankfurt. Sie waren erstmals im 1780 erbauten Tuchmacherhaus – und begeistert. "Zu sehen, wie hier vor mehr als 200 Jahren gelebt, gekocht, gearbeitet wurde, ist richtig spannend", lobte der Ingenieur. Ein  "Geheimtipp" von Freunden hatte die Blachas ins  Strohhaus im Slawengrund 11 geführt. Catrain Thomisch aus Dolgelin hatte eine Info in der MOZ angelockt, in ihrem Gepäck eine Fibel von 1964 mit dem Titel "Sorbische Ostereier", filigranes Werkzeug und mehrere Entenfedern. "In Lübbenau habe ich die Mal-Werkstatt von Bärbel Lange besucht. Dort werden ganzjährig diese außergewöhnlichen Techniken vorgeführt", berichtete die Besitzerin eines Nagelstudios. Bei Edwin Keller holte sie sich Tipps ein, wie sie die Spitzen der Gänsefedern zu kleinen geometrischen Formen schneiden kann. Die werden ins heiße, nicht kochende Wachs getaucht und aufs Ei gedrückt. So können Bauchbinden aus kleinen Wachs-Rhomben oder Muster ans Strichen und Punkten entstehen. "Ein wunderschönes Hobby", schwärmte Catrain Thomisch.

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