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Vereinsleben
Abschied von allen Ehrenämtern

Ein halbes Jahrhundert für die BSG Stahl im Amt: Friedrich Schmidt (links) wie vor einem Jahrzehnt bei der Übergabe des Vereinsheimes der Tennis-Abteilung. Er überreicht die Ehrennadel der BSG Stahl dem Abteilungsleiter Detlef Engel.
Ein halbes Jahrhundert für die BSG Stahl im Amt: Friedrich Schmidt (links) wie vor einem Jahrzehnt bei der Übergabe des Vereinsheimes der Tennis-Abteilung. Er überreicht die Ehrennadel der BSG Stahl dem Abteilungsleiter Detlef Engel. © Foto: Michael Benk
Hagen Bernard / 14.05.2019, 02:15 Uhr - Aktualisiert 14.05.2019, 09:26
Eisenhüttenstadt (MOZ) Am Montag ist eine Ära bei der BSG Stahl Eisenhüttenstadt zu Ende gegangen. Der 78-jährige Friedrich Schmidt trat bei der Mitgliederversammlung in der Gründungsgaststätte "Zur Sonne" nicht mehr zur Vorstandswahl an. Mit dem langjährigen Vereinsvorsitzenden schieden der Budosport-Leiter Rolf Fünning und der Vorsitzende der allgemeinen Sportgruppe Jürgen Botzler und Schatzmeister Mario Winkel aus dem Vorstand des mit 704 Mitgliedern zweitgrößten Sportvereins des Landkreises Oder-Spree aus.

1966 war Schmidt als gelernter Stahl-Bauschlosser und Handball-Spieler aufgrund langwieriger Achillessehnenreizungen vom ASK Berlin zur BSG Stahl gewechselt. Dort spielte er bis 1980 als rechter Aufbau-Spieler, ehe er ausschließlich in die Funktionärsriege rückte. Dieser hatte Schmidt, der neben dem Sport ein Fernstudium zum Ingenieur-Ökonom für Bauwesen absolvierte, seit 1973 als Leiter der Handball-Abteilung angehört. 1980 übernahm er die hauptamtliche Funktion als Geschäftsstellenleiter der BSG. "Das war zwar keine 40-Stunden-Woche, doch ich konnte Hobby und Beruf verbinden."

Höhepunkte waren für das langjährige Mitglied der Sekretariate des Kreis- und Bezirksvorstandes des DTSB die zentralen DDR-Spartakiaden in Berlin und Leipzig und als Vereinsvorsitzender die Spiele der Fußballer im Europapokal der Pokalsieger gegen Galatasaray Istanbul. Bis 1993 führte der im Ortsteil Diehlo wohnende Pilzliebhaber den Verein hauptamtlich. Parallel zur BSG Stahl hatte Schmidt von 1990 bis 1995 den aus dem Großverein ausgegliederten EFC Stahl geführt.

Ehrenamtlich hatte er dann im Verein bewusst einige Abstriche in Kauf genommen, schließlich waren die einst 30 hauptberuflichen Mitarbeiter und zehn hauptamtliche Trainer peu á peu gegangen. "Von der Struktur her ist hier nur Breitensport möglich. Ich bin stolz, dass wir den Kindern und Jugendlichen der Stadt eine sportliche Bleibe gewährleisten können." Als ehemaliger Leistungssportler sieht er leistungsorientiertes Training dennoch mit Wohlwollen. "Ambitionierten Sportlern legen wir keine Steine in den Weg. Schließlich ist es der Charakter des Sports, immer besser werden zu wollen. Doch es muss im finanziellen Rahmen bleiben", lautete sein Credo.

Vom langjährigen Beruf ist Schmidt auch als Rentner nicht losgekommen. Zu den Sprechstunden der BSG Stahl war er in der Geschäftsstelle an der Waldstraße erreichbar. "Für mich war Friedrich Schmidt mit seinem umfangreichen Hintergrundwissen auch als Stadtverordneter der optimale Vorsitzende der BSG Stahl", erklärt die seit zwei Jahrzehnten die Geschäftsstelle leitende Petra Wallschläger. "Außerdem ist es mit ihm ein angenehmes Zusammenarbeiten, man kann mit ihm diskutieren und auch mal anderer Meinung sein."

Vereinsmitglied ein Leben lang

Ein bisschen Wehmut schwingt bei Schmidt schon mit. "Das ist normal nach so vielen Jahren. Doch wenn man es jahrelang vorbereitet, dann ist es nicht mehr so schlimm. Natürlich werde ich bis zu meinem Lebensende Vereinsmitglied bleiben. Doch meine Zeit ist gekommen, auch aus gesundheitlichen Gründen. Ich muss regelmäßig zum Arzt. Nach 26 Jahren werde ich am 20. Mai auch meine Abgeordneten-Tätigkeit beenden."

Die Freizeit will er nunmehr häufiger mit seiner Frau Johanna verbringen und vor allem für Reisen nutzen. "Bislang gab es immer wieder Termine zu berücksichtigen. So lange es noch möglich ist, will ich mit meiner Frau viel unternehmen. Es reichen ja auch Kurzreisen von drei, vier Tagen. So gibt es in Deutschland noch viele Ecken, zum Beispiel den Ostseeraum. Auch nach Schlesien in Polen habe ich noch einige Exkursionen vor." Außerdem verlangt sein 600 Quadratmeter großer Garten etwas Zuwendung. "Meine Frau ist für das Grüne zuständig, ich für die Nachbereitung, also das eher Grobe." Häufig ist er auch bei Kulturveranstaltungen anzutreffen, schließlich hatte seine Frau 36 Jahre lang in diesem Bereich in Eisenhüttenstadt gearbeitet. "Nur Sport wäre mir zu einseitig."

Nun sollen wie im Stadtparlament auch bei der BSG Stahl Jüngere in die Bresche springen. "Ich sehe die BSG Stahl in guten Händen. Das kann aber niemand sein, der um 6 Uhr die Wohnung verlässt und um 
18 Uhr nach Hause kommt", hat er schon vor Jahren hohe Maßstäbe hinsichtlich des ehrenamtlichen Aufwandes an seinen Nachfolger gesetzt. Dabei ist Friedrich Schmidt nicht völlig aus der Welt. "Ich werde schon noch regelmäßig bei der Geschäftsstelle vorbeischauen. Außerdem bin ich erreichbar, wenn mein Rat gefragt ist."

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