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Kommunalpolitik
Alte Dorfschule Goschen erhält zweites Leben

Es ist auch dem Engagement der Bürger zu verdanken, dass sich für den Wiederaufbau der Alten Dorfschule (im Hintergrund) nun eine große Mehrheit im Stadtparlament einsetzt.
Es ist auch dem Engagement der Bürger zu verdanken, dass sich für den Wiederaufbau der Alten Dorfschule (im Hintergrund) nun eine große Mehrheit im Stadtparlament einsetzt. © Foto: Jörg Kühl
Jörg Kühl / 16.05.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 17.05.2019, 08:30
Lieberose (MOZ) Die Lieberoser Stadtverordneten haben in ihrer letzten Sitzung in der alten Legislaturperiode ein wichtiges Projekt auf den Weg gebracht: Die Alte Dorfschule in Goschen soll saniert und wieder für gemeindliche Zwecke ertüchtigt werden.

Der Beschluss vom September vorigen Jahres, das brandgeschädigte Haus abzureißen und durch einen Container für Versammlungen der 76-köpfigen Dorfgemeinschaft zu ersetzen, wurde gleichzeitig kassiert. Beide Beschlüsse erfolgten mit deutlichen Mehrheiten.

Mit dem Grundsatzbeschluss zur Wiedererrichtung ist nun ein vorläufiger Punkt unter eine Debatte gesetzt worden, die kurz nach Bekanntwerden des Abrissbeschlusses des historischen und ortsbildprägenden Bauwerks aufgeflammt war. Bei einem Ortstermin mit der MOZ Anfang Oktober hatten mehrere ältere Bürger, die ihre Schulzeit in dem Gebäude verbracht hatten, ihre Erlebnisse geschildert und ihr Bedauern und ihr Entsetzen über den beschlossenen Abriss geäußert.

Kurz danach hatten Dorfbewohner eine Unterschriftenaktion gestartet, die mehr als 150 Bürger unterzeichneten. Zum Jahresende fasste die Lieberoser Stadtverordnetenversammlung den Beschluss, das löchrige Dach provisorisch abzudichten, was im Januar dieses Jahres dann auch geschah.

Der Direktor des Amts Lieberose/Oberspreewald, Bernd Boschan, schlug vor, über die künftige Nutzung des Gebäudes und damit über Art und Umfang der Baumaßnahme die neue Stadtverordnetenversammlung entscheiden zu lassen, die am 26. Mai im Zuge der Kommunalwahlen neu gewählt wird.

Eine Goschener Bürgerin, regte in der Einwohnerfragestunde an, die Baumaßnahme noch in diesem Jahr, möglichst vor Einbruch der kaltfeuchten Witterung zu beginnen, und dafür noch übrige Versicherungsgelder zu verwenden.  Letzteres ist laut Boschan aus formalen Gründen nicht möglich, da die in Frage stehenden Gelder, 78 000 Euro sollen es sein, bis jetzt noch für die Containerlösung zweckgebunden seien.

Das Backsteinobjekt wurde von 1914 bis 1947 als Schulhaus genutzt. In den Anfangsjahren wohnte der Dorfschullehrer mit im Haus. Er hatte Nebengelasse zur Verfügung, um sein Gehalt durch landwirtschaftlichen Nebenerwerb aufzubessern. Bis 1967 war dort dann ein Kindergarten untergebracht. Später zog der Konsum ein, zuletzt wurde es als Gemeindezentrum und Wohnung genutzt.

In der Einliegerwohnung des Gebäudes war im Oktober 2016 ein Feuer ausgebrochen, zwei Zimmer und der Dachstuhl brannten dabei aus. Auch der Gemeinderaum war danach unbenutzbar. Die damals 83-jährige Mieterin konnte sich aus dem Gebäude retten. Die Immobilie war seitdem dem Verfall ausgesetzt.

Die alte Dorfschule gilt als eines der markantesten und geschichtsträchtigsten Gebäude des Dorfes, steht allerdings nicht unter Denkmalschutz. Für den kostenneutralen Abriss und die Stellung eines Containers hatte die Mehrheit der Abgeordneten  im September 2018 unter dem Eindruck der klammen Stadtkasse gestimmt, unter anderem um einen drohenden Schandfleck im Dorf zu verhindern, und um kurzfristig einen Versammlungsort zu schaffen.

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