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Mieten in Eisenhüttenstadt steigen

Symbolfoto: pixabay
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Stefan Lötsch / 17.07.2019, 22:15 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die beiden großen Wohnungsunternehmen, die städtische Gebäudewirtschaft (Gewi) und die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG), erhöhen im großen Stil Mieten. Während bei der Gewi rund zehn Prozent des Bestandes davon betroffen sind, ist bei der EWG der gesamte Bestand eingeschlossen. Beide Unternehmen begründen den Schritt mit den gestiegenen Kosten.

Verena Rühr-Bach, Vorstandsvorsitzende der EWG, sprach die Mieterhöhung jüngst beim Genossenschaftsfrühstück für interessierte Mieter an. Bisher habe man auf solch einen Schritt verzichtet. "Bei den vielen Preiserhöhungen schaffen wir es aber nicht mehr, wirtschaftlich zu arbeiten", erklärte die Vorstandsvorsitzende. Sämtlich Wohngebiete seien angeschaut worden und eine Kaltmiete ermittelt worden. "Im Grundsatz bekommt jeder eine Mieterhöhung", so Verena Rühr-Bach. Ausnahme ist, wenn ein Mieter schon die Kaltmiete zahlt, die für ein Gebäude angestrebt wird. Das ist nicht ungewöhnlich. Denn bei Neuvermietungen werden andere Mieten aufgerufen. Und wer erst vor einigen Jahren in eine Wohnung eingezogen ist, zahlt womöglich mehr, als der Bestandsmieter, dessen Miete bisher nicht erhöht wurde.

Verena Rühr-Bach fasst das so zusammen: "Es gibt ganz unterschiedliche Kaltmieten. Deshalb fallen die Mieterhöhungen auch unterschiedlich aus." Allerdings betont die Vorstandsvorsitzende, dass die EWG in der jetzigen Erhöhungsrunde nicht das ausreizt, was gesetzlich möglich wäre. Denn da schon seit Jahren die Mieten nicht angepasst worden seien, wäre eine Erhöhung bis zu 20 Prozent möglich. "Wir machen das aber nur bis allerhöchstens zehn Prozent."

Steigende Kosten

Auch die städtischen Gebäudewirtschaft informiert Mieter über Erhöhungen. Oliver Funke, Geschäftsführer der Gewi, sagt, dass rund zehn Prozent des Wohnungsbestandes davon betroffen sein, also rund 700 Wohnungen. Funke spricht von Mietanpassung. Und wie die Vorstandsvorsitzende der EWG verweist Funke darauf, dass die Kosten gestiegen sind. "Wir sind nunmehr an einem Punkt angekommen, wo eigene Optimierungsmöglichkeiten im Wesentlichen ausgeschöpft sind und allein durch Sparen Kostensteigerungen nicht mehr aufgefangen werden können", schreibt der Geschäftsführer in einem Brief, den die betroffenen Mieter erhalten. "Erfolgen zukünftig keine Mietanpassungen, werden der Gewi die wirtschaftliche Substanz und die Investitionsfähigkeit entzogen."

Die Gewi geht ähnlich wie die EWG vor. Für jedes Gebäude wird eine Zielmiete ermittelt, die sich an der Wohnungsbeschaffenheit orientiert. Ziel ist es, vergleichbare Mieten für vergleichbaren Wohnraum herzustellen, was ein längerer Prozess wird. Denn durch Umzugsvereinbarungen, unterschiedliche Förderbedingungen aber auch individuelle Vereinbarungen können innerhalb eines Blocks die Mieten differieren.  Mittelfristig müsse dies vereinheitlicht und angepasst werden, erklärt der Geschäftsführer. Aber auch die Gewi reizt bei der Mieterhöhung den gesetzlichen Rahmen bei weitem nicht aus. Oliver Funke betont die Sozialverträglichkeit, zu der sich das Unternehmen aufgrund seines kommunalen Auftrages verpflichtet fühlt. Es wurde deshalb eine Sozialkomponente eingezogen. So darf die Erhöhung der Kaltmiete nicht den Betrag von 30 Euro monatlich übersteigen. Alles, was darüber ist, und gesetzlich möglich, wird gekappt.

Die beiden großen Vermieter

Die Gebäudewirtschaft verfügt in Eisenhüttenstadt über mehr als 7000 Wohnungen. Laut Geschäftsbericht aus dem Jahr 2017 lagen die Erträge aus Mieten bei rund 21,3 Millionen Euro. Für Instandhaltung und Instandsetzung, unter anderem von Leerwohnungen, wurden 2017 rund fünf Millionen Euro ausgegeben.

Die Wohnungsbaugenossenschaft verfügt über fast 5000 Wohnungen. Die Erlöse aus den Soll-Mieten belaufen sich laut Geschäftsbericht 2017 auf 16,4 Millionen Euro. 4,3 Millionen Euro wurden für Instandhaltung sowie Instandsetzung ausgegeben.

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Werner Matzat 01.08.2019 - 14:50:12

Werdet aktiv für bezahlbares und soziales Wohnen - zur Europäischen Bürgerinitiative Housing for All

Das “Housing for All“ Netzwerk: Das “Housing for All” Initiative vereint Mieterverbände – und vereine, Gewerkschaften, soziale und kirchliche Organisationen, Menschenrechtsorganisationen, Interessensvertretungen von Studierenden, Pensonistinnen und Pensionisten, VertreterInnen von Städtenetzwerken und Privatpersonen, die für mehr bezahlbares Wohnen in Europa kämpfen. Wir arbeiten individuell und mit anderen zusammen, um über eine Million Unterschriften für die Europäische Bürgerinitiative zu sammeln. Quelle: https://www.housingforall.eu/de/wohnen-muss-bezahlbar-sein-fuer-alle/ --- „Wohnen“, sagt die Österreicherin, „ist keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern zunehmend ein Problem. Dann kommen Verarmung, Elend, Obdachlosigkeit“. Es sind die potenziellen Entscheider, die nichts entscheiden wollen, um die Missstände zu ändern, die auf die Anklagebank gehören. Jene Politiker, die sich taub stellen und zugucken, wenn Wohnungsunternehmen Millionen/Milliarden Umsätze einfahren die der realexistierende Kapitalismus liefert, anstatt Rahmenbedingungen für Menschen in ganz Europa zu schaffen, die Zugang zu bezahlbarem Wohnraum benötigen. Zu Europa zählt auch Eisenhüttenstadt. Werdet aktiv, ob Jung oder Alt, es geht ALLE an. Oder etwa nicht?

Werner Matzat 18.07.2019 - 20:49:08

Miete frisst immer mehr vom Einkommen - Hohe Mieten und wenig Geld zur Lebensführung - In Eisenhüttenstadt der gleiche Mieter Alptraum!

Nach Berechnungen, die der Immobilienmarktspezialist "empirica-systeme" im Auftrag von Panorama durchgeführt hat, müssen viele Haushalte mehr als 27 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete einer Neubauwohnung ausgeben. Der Wert von 27 Prozent gilt Experten als problematisch, weil dann nur noch relativ wenig Geld zur sonstigen Lebensführung zur Verfügung bleibt, insbesondere bei Menschen mit kleineren Einkommen. In Berlin etwa liegt die sogenannte Mietbelastungsquote bei 41,3 Prozent. Die durchschnittliche Berliner Familie muss also 41,3 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben, um sich eine Drei-Zimmer-Neubauwohnung zur Miete leisten zu können - Kaltmiete! Auch in Frankfurt ist die Mietbelastungsquote mit 40,7 Prozent sehr hoch. Eine durchschnittliche Drei-Zimmer-Neubauwohnung kostet hier stolze 1.450 Euro kalt. In Leipzig kostet so ein Neubau zwar "nur" etwa 1.012 Euro Monatsmiete, da aber die Leipziger deutlich weniger verdienen, liegt die Mietbelastungsquote hier auch bei 37,5 Prozent. Quelle: https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2019/Miete-frisst-immer-mehr-vom-Einkommen,baukosten110.html --- Was ist in Eisenhüttenstadt anders als im Rest von Deutschland auf dem Wohnungsmarkt? Bei unseren Vermietern regiert, wie im gesamten Deutschland, der Slogan: unsere GIER ist gut, unsere GIER ist richtig, unsere GIER ist gesund, des Mieters Geld schläft nicht! Hier zeigt sich wieder einmal, wie das gewissenlose Geschäft des schnellen Geldes auf dem Wohnungsmarkt funktioniert. Des Vermieters Traum von Reichtum und Macht, über seine Mieter/Innen scheint sich zu erfüllen. Das Wirtschaftlichkeitsgebot laut Mietgesetz, zum Wohle der Mieter, wird dabei völlig ignoriert. Was unsere Stadt - Politiker in Eisenhüttenstadt wissen sollten aber nicht sehen wollen: Die städtische Gebäudewirtschaft (Gewi) und die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG), sind Unternehmen, das preiswerten Wohnraum gezielt zerstört. Die dauerhafte Vernichtung von preiswertem Wohnraum ist zwangsläufig das Geschäftsmodell der städtischen Gebäudewirtschaft (Gewi) und die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG). Modernisierungen sind für die (Gewi) und (EWG) lukrativ und verlockend. Wo gibt es im Umfeld niedriger Zinsen noch Renditen in Höhe von acht Prozent und mehr? Am Ende sind die Renditen noch höher, Bau - und Modernisierungskosten kann der Investor (Vermieter) noch abschreiben. Die Angst der Mieter/Innen, keine bezahlbare Wohnung zu finden, ist groß. Welche Fehler haben denn die Verantwortlichen der Stadtpolitik in der vergangenen Jahren in Sachen Wohnsituation in Eisenhüttenstadt gemacht? Sieht so die betonte Sozialverträglichkeit eines Oliver Funke, Geschäftsführer der (Gewi) aus? Was ist also die Wahrheit? Diese Frage stellt sich den Eisenhüttenstädter Mietern jeden Tag aufs Neue. Warum ist das so? Von der Antwort auf diese Frage hängt viel ab. Ein weiteres Problem sind die steigenden Betriebskosten. In Eisenhüttenstadt gibt es ebenfalls heftigen Ärger um falsche Betriebskostenabrechnungen. Auf Fragen und Beschwerden, z. B. im Widerspruch über erklärungswürdige Betriebskosten, erhalten Mieter meist keine befriedigende Antwort. (persönlich erlebt) Passend dazu auf Panorama vom 10.07.2019 - Kartell: Wie sich Ablesedienste an Mietern bereichern - Zugleich sichert er einigen Unternehmen seit Jahrzehnten riesige Profite: die Abrechnung der Nebenkosten. Quelle: https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2019/Kartell-Wie-sich-Ablesedienste-an-Mietern-bereichern,ablesemafia100.html --- Selbst der DGB beschäftigte sich in einem Artikel, am 01.07.2019, mit dem Thema Wohnen: Deutschlandkarte: Mietrecht in den Bundesländern, Mietpreisbremse, Kündigungsschutz, Mieterhöhung: Was gilt wo? Quelle: https://www.dgb.de/themen/++co++e861f616-fd25-11e8-8453-52540088cada --- Was aber alle verantwortlichen Politiker noch ignorieren, nicht nur in Eisenhüttenstadt: Steigende Mieten senken die Kaufkraft, für Konsum und Anschaffungen steht weniger Geld zur Verfügung, Handel, Gastronomie und Handwerk drohen vor Ort finanzielle Einbußen. Resultat, tote Innenstädte.! Das Geld fließt in andere Taschen. Und nach einer Studie der Berliner Humboldt - Universität aus dem vergangenen Jahr (2018) beschleunigen steigende Mieten die Umverteilung. Im Verhältnis zu ihrem Einkommen zahlen Geringverdiener immer mehr Geld für Wohnraum, Gutverdiener dagegen immer weniger. Und manche Journalisten / Redaktion, ist wiederholt sehr hilfreich dabei, Interessen geleitete Darstellungen von Eisenhüttenstädter Vermietern als vom Himmel gefallene "Tatsachen" zu verkaufen. Dabei ist Transparenz eine elementare Voraussetzung für Glaubwürdigkeit, Vertrauen und eine funktionierende Demokratie! Sieht so das viel beschworene MITEINANDER des SPD Bürgermeister, Frank Balzer, und Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (Gewi), für seine Mieter/Innen und Einwohner aus? Haben Sie einen Ratschlag für ihre Mieter, die von hohen Mietpreisen betroffen sind? Na dann, liebe Mieter, ein frohes freudiges 20. Stadtfest feiern mit ihrem Bürgermeister und Vermieter. Ein guter Grund, oder etwa doch nicht?

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