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Borkenkäfer
Der Feind lauert im Totholz

Blick von der alten B 112 auf verkohlte Waldflächen nahe Ziltendorf.
Blick von der alten B 112 auf verkohlte Waldflächen nahe Ziltendorf. © Foto: Dietmar Puttins
Dietmar Puttins / 20.07.2019, 07:00 Uhr
Wiesenau Die eine Gefahr ist gebannt, da droht die nächste. Nach dem Ende Juni gelöschten Waldbrand bei Wiesenau lauert unsichtbar der Borkenkäfer in den verkohlten Forstflächen. Seine Arten drohen aus dem verbrannten Gebiet heraus die Nachbarwälder zu befallen – so etwa der Kiefernprachtkäfer, der durch Brandgeruch angezogen wird, oder der Große Braune Rüsselkäfer. Erreichen deren Larven die angrenzenden Kiefernbestände, die längst gestresst durch die extreme Trockenheit immer wehrloser geworden sind, stirbt dort der Wald. Rostrote Baumkronen kündigten das Ende an. Forstfachleute kennen das Gebot der Stunde.

"Die Borkenkäfer und ihre Larven müssen so schnell wie möglich aus dem Wald heraus", sagt Roland Müller (57), Leiter der Landeswaldoberförsterei Müllrose und ist sich darin einig mit Henry Herold (65), Leiter der Oberförsterei Siehdichum im Landesbetrieb Forst Brandenburg, ebenfalls Müllrose.

Das kann die privaten Waldbesitzer bei Wiesenau in Bedrängnis bringen. Mit Blick auf die Holzverwertung haben sie schon den wirtschaftlichen Schaden und wären allein aus Eigeninteresse genötigt, das Abräumen der Areale und deren Wiederaufforstung finanziell zu stemmen. Helfen könnten dabei Fördermittel, die man bei der Bewilligungsbehörde Forst in Templin beantragt. Die Mitarbeiter der Oberförsterei Siehdichum beraten dazu. Gesunde, vitale Bäume, die genug Niederschläge abbekommen, widerstehen dem Befall durch Borkenkäfer oder nadelfressende Insekten. "Da hat man minimale Ausfälle", weiß Forstexperte Roland Müller, den der Klimawandel nicht kalt lässt: "Doch wir hatten seit 2017/18 noch nie so wenig Regen", sagt er. "So eine Situation wie in den letzten drei Wochen, in der es einmal Regen mit nur bis zu 20 Liter pro Quadratmeter gab und die Verdunstung extrem hoch war, gab früher nicht."

Roland Müller ist zuständig für zehn Reviere auf knapp 16 ­­000 Hektar Landeswald zwischen Reicherskreuz bis nach Fürstenwalde. In welchem Zustand sind die Wälder? "Unser Landkreis hat noch relativ gesunde Bestände, weil wir in den vergangenen Jahren – im Vergleich zu den anderen Landkreisen – noch die meisten Niederschläge hatten", sagt er. "Wir haben Trockenschäden, aber nicht so extrem, und ein zunehmendes Problem mit Borkenkäfern." Das habe sich gerächt – wie etwa bei der Fichte, "die bei uns durch Borkenkäfer-Befall fast vollständig verschwunden ist", sagt er. "Bei der Kiefer hält es sich bei uns noch in Grenzen." In anderen Landkreisen sei es schlimmer.

Was rät er den Waldbesitzern bei Wiesenau? "Zügig abräumen, aber keine Kahlflächen entstehen lassen", meint Roland Müller. "Kiefern aufforsten würde ich erst im Herbst 2020, denn die Kiefer ist neben dem Borkenkiefer vom Rüsselkäfer befallen, der die Kiefernsämlinge und -wurzeln frisst. Birke und Eiche kann man sicherlich schon ab Herbst 2019 setzen. Er hält in dem Brandgebiet künftig einen Mischwald "mit vielleicht 20 Prozent Traubeneiche, 30 Prozent Birke und den Rest Kiefern" für realistisch.

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