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Als weißer Storch eingetroffen und inzwischen rostbraun umgefärbt. Anwohner in der Ernst-Thälmann-Siedlung fragen sich, was mit dem Tier wohl geschehen sein mag.

Rätsel
Mysterium in der Niederung

Dietmar Puttins / 08.08.2019, 09:00 Uhr
Ziltendorf (MOZ) In der Ziltendorfer Niederung sehnen die Jungstörche Aufwinde für ihre Rückkehr in den Süden herbei. Die erfahrenen Altstörche warten noch – so auch in der Lindenstraße der Ernst-Thälmann-Siedlung. Dort beschäftigt allerdings die rätselhafte Verfärbung eines "Meister Adebar" die Storchen-Beobachter Christina (70) und Gerhard Binder (72).

Seit 1999 fotografieren und registrieren die Eheleute Ankunft, Leben und Rückkehr der Störche. So auch das Treiben des Storchenpaars "Adebar" und "Adelheid" mit vier Jungen auf dem Schornstein einer nahen Schweinemast-Ruine. Das Mysterium: "Adebar" kam als weißer Storch und ist längst von Schnabel bis Schwinge rotbraun gefärbt. Nicht nur Familie Binder, auch Experten vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rätseln.

"Am 31. März und am 7. April trafen die zwei Weißstörche bei uns ein. Beide weiß. Wir fotografieren viel und bemerkten ab dem 2. Juni, dass der eine Storch richtig kräftig rotbraun gefärbt ist", erzählt Christina Binder, die bis 2013 als Lehrerin für Biologie und Chemie am Albert-Schweitzer-Gymnasium Eisenhüttenstadt unterrichtete.

Hat sie eine Erklärung? Christina Binder und ihr Ehemann wissen, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder: Es ist das gleiche Tier, aber verfärbt. Oder: Ein anderer Storch hatte den Horst erobert. Doch wie die befragten Experten beim Nabu, so schließt auch die gebürtige Groß Lindowerin dies aus. Grund: Es gab keinen Kampf. "Meistens bekommen wir das mit, wie etwa 2007. Da griffen fünf Störche den Horst an. Wir beobachteten richtige Luftkämpfe. Ansonsten sehen wir öfter, wie erstmalig bei uns eintreffende Jungstörche, die etwas später kommen als Altstörche, als junge Rowdies über das Dorf ziehen und versuchen, die alteingesessenen Störche zu vertreiben", berichtet Christina Binder.

Verfärbte Zugvögel sind bekannt

Jan Schormann, Vize-Leiter des Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, betrachtet ein Foto des Storches, das Gerhard Binder machte. "Es gibt mehrere Fälle in Brandenburg", weiß er, "in denen verfärbte Störche bei uns eintrafen." So sei etwa ein Storch im "Europäischen Storchendorf" Rühstädt (Landkreis Prignitz) mit blauem Gefieder eingetroffen. "Unsere Experten", sagt Jan Schormann, "sahen sich daraufhin die Zug-Wege unserer Störche an, die mehrheitlich als ,Ostzieher‘ – von Südafrika, über die Arabische Halbinsel, die Türkei und den Balkan – nach Deutschland schweben. Dann erkannten sie, dass es in der Türkei Regionen gibt, in den Färbereien Abwasserbecken unterhalten. Darin mussten sich die Tiere bei ihrer Nahrungssuche aufgehalten haben."

Kontakt mit einer Flüssigkeit?

"Wir haben so etwas in dieser Form in unserer storchenreichsten Region, den Feuchtwiesen der Elbtalaue, noch nicht gesehen", war auch Herbert Schulz vom Nabu-Kreisverband Priegnitz verblüfft. Jan Schormann hatte ihm das Storchen-Foto übermittelt. "Dass das verfärbte Gefieder etwas mit einem Brand zu tun hat, ist unwahrscheinlich. Es wäre dann aschefarben. Es liegt nahe, dass dieser Storch Kontakt mit einer Flüssigkeit hatte, weil er komplett verfärbt ist."

Christina Binder und ihr Ehemann dürften beruhigt sein, das man beim Nabu ihre Wahrnehmungen nicht in Abrede stellt. Was Störche betrifft, hat sich die einstige Lehrerin tief in die Materie eingearbeitet. Sie hält dazu auch Vorträge. Ihr neuestes Projekt ist die Fortsetzung ihres Kinderbuches "Adebarlinchen" von 2015. Darin erzählt das Storchenkind über seine Erlebnisse in der Ernst-Thälmann-Siedlung. Alles mit Text, vielen Fotos und biologisch exakt. "Die Fortsetzung", sagt sie, "wird darauf aufbauen, dass ,Adebarlinchen‘ inzwischen ein Adebar ist, der 2018 in der Siedlung Kontrolle flog, nicht blieb, aber dieses Jahr mit Partnerin wiederkam."

Zuzutrauen wäre ihr auch eine sachliche Abhandlung. Denkbare Fragestellung: In welchem Gewässer der Region hat Christina Binders rotbrauner "Meister Adebar" am liebsten nach Nahrung gesucht?

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