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Konzert in Eisenhüttenstadt
Keimzeit-Sänger im Interview: Die Fernsucht bleibt

Beim Stadtfest dabei: Die Rockmusikband Keimzeit wird am 25. August in Eisenhüttenstadt auftreten. In Deutschland fanden sie in der Wendezeit vor allem in Brandenburg regen Zuspruch.
Beim Stadtfest dabei: Die Rockmusikband Keimzeit wird am 25. August in Eisenhüttenstadt auftreten. In Deutschland fanden sie in der Wendezeit vor allem in Brandenburg regen Zuspruch. © Foto: Bernd Brundert
Christina Sleziona / 13.08.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 13.08.2019, 09:09
Eisenhüttenstadt (MOZ) Neun Jahre ist es her, als Keimzeit zum letzten Mal in Eisenhüttenstadt gespielt hatte. Nun ist die Band, die mit dem Hit "Kling Klang" berühmt wurde, zum Stadtfest am 25. August  wieder da. Christina Sleziona sprach mit Frontsänger Norbert Leisegang darüber, was das Publikum  erwarten kann, über Kindheitserinnerungen und Fernweh.

Herr Leisegang, Sie waren mit Ihrer Band bereits  2010 beim  Stadtfest in Eisenhüttenstadt dabei. Können Sie sich noch daran erinnern?

Aber ja. Wir sind nicht so oft in Eisenhüttenstadt, was ich sehr bedaure. Das liegt vielleicht daran, dass auch Veranstalter in Eisenhüttenstadt nicht so Keimzeit-affin sind. Aber auf jeden Fall kann ich mich an das Stadtfest noch sehr gut erinnern und bin froh, dass wir nach all der Zeit endlich mal wieder eingeladen werden. Letztendlich ist das ja auch für uns eine schöne Kunde.

Was erhoffen Sie sich vom Auftritt? Was kann das Publikum  erwarten?

Jedes Konzert hat was Eigenes, was Originelles. Mitunter sind es auch Leute im Publikum, die uns einheizen. Insofern bin ich eigentlich von vorn herein aufgeschlossen, was unseren Auftritt betrifft. In den Mittelpunkt des Konzerts werden wir aber das neue Album "Das Schloss" stellen.

Warum heißt das neueste Album von Ihnen denn "Das Schloss"?

Wir arbeiten drei bis vier Jahre an einem Album, von der Entstehung der Songs bis hin zur Produktion. Nach der Produktion braucht dieses Kindchen einen Namen. Da lag es sehr nahe, dass wir es "Das Schloss" nennen, weil gleich der Anfangssong mit dem Schloss losgeht. Das sind Kindheitserinnerungen meinerseits. Ich bin mal in einem kleinen Schloss zur Schule gegangen und ich erinnere mich mithilfe meiner Mutter, dass ich mal ein kleines Papierschloss hatte, was ich zerrissen hatte. Das geschenkte Spielzeug gern mal kaputt machen, das machen ja beinahe alle kleinen Kinder. Solche Kindheitserinnerungen sind in den Song "Das Schloss" verankert und insofern haben wir das Album gleich danach benannt.

Werden Sie auch ältere Songs auf dem Stadtfest spielen?

Natürlich. Unser Gesamtwerk ist nun mittlerweile weit über 35 Jahre alt. Wir hatten 1989/90 das erste Album herausgebracht. Vorher auch schon eigene Songs geschrieben und da sind wir glücklich, in Eisenhüttenstadt auch aus dem Vollen schöpfen zu können. Auf einem Stadtfest gibt es immer wieder ein buntes Publikum, das da immer wieder zusammenkommt, und da weiß ich, dass einige aus Eisenhüttenstadt und Umgebung mit unseren Songs was anzufangen wissen und dass es sicherlich eine ganze Menge Leute gibt, die möglicherweise nur das Lied "Kling Klang" kennen. Mit dieser Situation  freunden wir uns auch an und wollen letztere auch für uns gewinnen.

"Kling Klang" darf dann also auch beim Konzert in Eisenhüttenstadt nicht fehlen?

Das ist richtig. 1993 haben wir den Song veröffentlicht, schon in den 80er-Jahren habe ich ihn geschrieben. Aus einer Sehnsucht, aus einer Fernsucht heraus. Dann haben wir gemerkt, dass sich viele auf den Song einschossen.

Haben Sie diese Fernsucht noch heute?

Der Song hat heute noch an Relevanz nicht verloren, auch bei mir persönlich nicht. Obgleich ich nicht mehr so viele Reisen unternehme wie in den 90er-Jahren. Aber es ist grundsätzlich eine Emotion, die ich immer noch mit mir herumtrage. Ich bleibe neugierig, was andere Völker und Umstände abseits Deutschlands angeht. Deshalb wird dieses Gefühl auch immer in meinem Herzen schlummern.

Haben Sie Rituale vor jedem Auftritt?

Gerade wenn wir auf Open-air-Konzerten spielen, haben wir vorher immer Wartezeiten und die füllen wir aus mit Volleyballspielen im Backstage-Bereich. Manchmal klirren dann auch die Gläser, aber wir versuchen eigentlich so friedlich wie möglich zu sein. Dann singen wir meistens noch ein paar Songs durch, um warm zu werden. Und nach einer Umarmung geht es auch schon auf die Bühne.

Haben Sie nach 35 Jahren Bühnenerfahrung immer noch Lampenfieber?

Das Schöne ist, dass auf Konzerten immer wieder neue Situationen entstehen. Was da an Stimmung und Bewegung im Publikum abgeht, ist immer wieder neu. Es ist nicht unbedingt Lampenfieber, was ich dann habe, eher eine große Neugier, um zu erfahren, wohin es mit den zweieinhalb Stunden Konzert gehen wird.

Was erhoffen Sie sich bei diesem und anderen Konzerten vom Publikum?

Wir wollen alles aufsaugen, was um uns herum ist. Aber ich finde es immer gut, wenn es eine gemeinsame Sache gibt. Also dass sich das Publikum emotional aufmacht und dazu beiträgt, dass es ein toller Abend wird. Und das ist meine Hoffnung für den 25. August in Eisenhüttenstadt.

Mit Kling Klang zugroßer Popularität

Das Konzert von Keimzeit wird am 25. August um 20.30 Uhr auf der Hauptbühne beginnen. Die Band, damals bestehend aus den vier Geschwistern Norbert, Hartmut, Roland und Marion Leisegang, hieß Anfang der 80er-Jahre noch "Jogger", nannte sich aber ein paar Jahre später in "Keimzeit" um. Vor allem in Brandenburg stieß sie während und nach der Wende mit den deutschsprachigen Texten auf Nachhall und wurde mit Hits wie "Irrenhaus" und "Kling Klang" deutschlandweit berühmt. In diesem Jahr geht die Band mit ihrem fünften Studioalbum "Das Schloss" auf Tour, das im Februar 2019 erschien. ⇥sle

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