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Landtagswahl
Zukunft Wasserstoff

Um Lösungen bemüht: Landtagswahlkandidaten Andreas Gliese (CDU), Christiane Barcikowski (SPD), Carolin Hilschenz (Bündnis 90/Grüne) und Thoralf Schapke (BVB/Freie Wähler, hinten v.l.) diskutierten mit Bürgern Brennpunkte der Stadt.
Um Lösungen bemüht: Landtagswahlkandidaten Andreas Gliese (CDU), Christiane Barcikowski (SPD), Carolin Hilschenz (Bündnis 90/Grüne) und Thoralf Schapke (BVB/Freie Wähler, hinten v.l.) diskutierten mit Bürgern Brennpunkte der Stadt. © Foto: Gerrit Freitag
Christina Sleziona / 21.08.2019, 07:00 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Frage ist, was setzen wir für neue Technologien ein, um schadstoffarm zu werden? Das wird die Herausforderung der Zukunft für ArcelorMittal werden", sagte Christiane Barcikowski (SPD). Beim Wahlforum der Volkssolidarität in dieser Woche bestimmten Zukunftssorgen des Stahlunternehmens den Bürgerdialog mit vier anwesenden Landtagswahlkandidaten.

Dass das Stahlwerk ArcelorMittal das glühende Herz Eisenhüttenstadts ist, war jedem der Anwesenden am Montag bewusst. Zwar habe die Stadt gute Ansätze, wie zum Beispiel die Papierfabrik, doch die momentanen Ansiedlungsmöglichkeiten neuer Industrie könne nicht die Dimensionen des Stahlwerkes abfedern, betonte Andreas Gliese, Landtagswahlabgeordneter der CDU. "Wir haben 2500 Beschäftigte direkt in der Fabrik, aber da hängen mindestens noch 10 000 Arbeitsplätze sekundär dran." Im Falle einer Stilllegung des Stahlwerks habe er in seiner Partei deshalb kein Rezept für ein Auffangnetz.

Forschung bei ArcelorMittal

So weit müsse es jedoch erst gar nicht kommen, betonte Christiane Barcikowski. Sie machte sich für die Idee neuer Wasserstofftechnologien in der Stahlindustrie stark. Dafür müsse das Unternehmen jedoch erst einmal in die Forschung investieren. "Das Stahlwerk hat einen stillgelegten kleinen Hochofen, der könnte für Forschung und Entwicklung genutzt werden", schlug sie vor. Konkrete Pläne gäbe es bei der SPD jedoch noch nicht, zunächst soll ein gesamteinheitliches Konzept für die Industrie in Brandenburg erarbeitet werden. Thoralf Schapke sehe in der Forschung hinsichtlich neuer Wasserstofftechnologien ebenfalls eine potentielle Möglichkeit, die Region ganzheitlich zu stärken. "Wenn Wasserstoffkompetenz da ist, strahlt es auf andere Gebiete genauso aus", sagte er. Zum Beispiel würde die Wohnungswirtschaft davon profitieren, die momentan noch mit Öl und Gas bestehende Strukturen zementiert.

Grünen-Kandidatin Carolin Hilschenz warnte davor, sich allein auf die Stahlindustrie einzuschießen. Um auch Anreize für neue Firmen zu schaffen, müssen vor allem die Verkehrsanbindungen ausgebaut werden. Ein großes Defizit  sahen die anwesenden Bürger vor allem bei der Anbindung nach Berlin. Zu viele Baustellen auf der Autobahn und dauerhafter Schienenersatzverkehr würden die Attraktivität von Eisenhüttenstadt signifikant schmälern. Auch der Bahnhof selbst würde abschreckend wirken. "Wenn die Leute den Bahnhof sehen, drehen sie sich wieder um", hieß es von einem besorgten Bürger. Andreas Gliese wies jedoch daraufhin, dass beim Privatgelände nichts zu machen sei. Die Stadt müsste den Bahnhof zurückkaufen, sagt er, bis dahin seien ihr allerdings die Hände gebunden.

Hinzu käme, so Carolin Hilschenz, die zu langsam voran schreitende Digitalisierung des Umlands. "Heutzutage eine Firma zu gründen, ohne sich auf Highspeed-Internet verlassen zu können, ist nicht möglich und ich bin mir sicher, dass das auch Eisenhüttenstadt noch nicht überall anbieten kann".

Kreisstipendium in Kritik

Im Mittelpunkt des Bürgerdialogs stand ebenfalls der weiterhin andauernde Ärztemangel. Besonders an Augenärzten würde es in der Region akut mangeln, waren sich die anwesenden Eisenhüttenstädter einig. Um zukünftig Ärzte in die Region zu locken, sehe Christiane Barcikowski bereits einen guten Ansatz in der Landespolitik. So gibt es bereits ein Kreisstipendium für Medizinstudenten, die sich verpflichten, im ländlichen Raum zu arbeiten.

Thoralf Schapke stand dem jedoch sehr skeptisch gegenüber. Dass sich der Landkreis ein Studienplatz für mehrere 100 000 Euro erkaufe, mit der Aussicht, dass Eisenhüttenstadt dann in sechs bis acht Jahren vielleicht mal einen Arzt gewinne, hielt er für den falschen Weg. "Dann können wir auch gleich ein Einfamilienhaus verschenken und haben bereits im nächsten Jahr einen zusätzlichen Arzt für die Region gewonnen", kritisierte er. Man müsse vielmehr attraktivere Arbeitsbedingungen mit besseren Löhnen schaffen, um Fachkräfte in der Region zu halten.

Carolin Hilschenz sah vor allem im bereits geplanten Ausbau der Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe eine Chance für Eisenhüttenstadt. Sie könne sich eine Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg vorstellen, wenn diese 2022 eine medizinische Fakultät dazu gewinnt.

Landtagswahlkandidaten im Überblick

Bei der Wahl am 1. September entscheidet sich, wer in den kommenden fünf Jahren im Landtag sitzen wird. Der Landkreis Oder-Spree ist bei der Wahl in vier Wahlkreise eingeteilt. Insgesamt gehen 29 Bewerber ins Rennen. Bis auf eine Einzelkandidatin kommen alle von den Parteien, denen Chancen zugebilligt werden, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen und damit in den Landtag einzuziehen.

Für den Wahlkreis 29, der Eisenhüttenstadt und die Ämter Schlaubetal, Neuzelle und Brieskow-Finkenheerd abdeckt, sind sieben Kandidaten aufgestellt. Diese sind: Christiane Barcikowski (SPD), Finanz- und Bilanzbuchhalterin aus Neuzelle; Andreas Gliese (CDU), Tierarzt und Öko-Landwirt aus Groß Briesen; Mirko Böhnisch (Die Linke), Anlagenfahrer aus Eisenhüttenstadt; Kathleen Muxel (AfD), Sekretariat Bundestagsfraktion aus Hangelsberg; Carolin Hilschenz (Bündnis 90/ Grüne), Betriebswirtin aus Ratzdorf; Thoralf Schapke (BVB/ Freie Wähler), Diplom-Ingenieur aus Ziltendorf; Henry Schumann (FDP), Geschäftsführer aus Bad Saarow. ⇥sle

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