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Kloster Neuzelle
Ein Auftakt, kein Schlussakt

Janet Neiser / 29.08.2019, 07:00 Uhr
Neuzelle Der Stiftsplatz in Neuzelle verliert in der kommenden Woche an Farbe, wird leerer. Das Kunstprojekt "Utopie Passion" des Kunstvereins im Kloster endet am 1. September – jedenfalls auf den ersten Blick. Denn eigentlich ist nur der Auftakt vorbei, weitere Vorhaben sollen folgen. Das betont Niklas Nitschke, der kuratierende Künstler, als er dieser Tage noch einmal die vier blauen Kuben unter die Lupe nimmt.

"Einige Hochzeitspaare haben das bereits als Kulisse für sich entdeckt", verrät er. Es habe immer wieder Foto-Sessions vor einem der Kunstwerke von Alexandra Hopf, Armin Hartenstein, Tamara Ke sowie Michael Hofstetter gegeben. Während manch Besucher oder Einheimischer einfach an dem, was er als Fremdkörper empfindet, vorbeiläuft, lassen sich andere darauf ein, bleiben stehen, schauen verwundert und fassen an.

Stundenlange Gespräche

"Das ist durchgängig so gewesen", hat Nitschke seit Ende Juni beobachtet. Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sei an den Wochenenden jemand für Erklärungen da. "Mit manchen spricht man Minuten, mit anderen Stunden", erzählt er. Andere wollen nicht reden, bleiben stille Beobachter.

"Ziel ist es natürlich, dass da mehr passiert", sagt der Kurator, der auch auf dem Schulcampus  unterrichtet und die blauen Kuben in etlichen Arbeitsstunden errichtet hat. Er weiß, dass das zeitgenössische Kunst auf einem hohen gedanklichen Niveau ist, genau das war der Anspruch. So etwas gebe es in der Region selten, sagt er. Aber wenn man sich darauf einlasse, habe das oft einen Aha-Effekt zur Folge.

Niklas Nitschke lebt seit 15.Jahren in der Region und war von Beginn an fasziniert, hat dort etwas gesehen und gespürt. "Ich glaube, dass Neuzelle – gerade auch in Verbindung mit Eisenhüttenstadt – etwas kann, was kein anderer Ort kann, auch im überregionalen Kontext", betont er. Das Kloster könne als Entwurf einer guten Gesellschaft mit der inneren Achse des christlichen Glaubens wahrgenommen werden. Die ehemalige Planstadt sei ein Beispiel für den Anspruch, in Aufbau und Organisation einer Stadt die Voraussetzungen für eine ideale Gesellschaft zu schaffen, heißt es auf der Internetseite des Kunstvereins. Die Nähe zueinander sei einzigartig. Eisenhüttenstadt und Neuzelle vereint letztlich der Aspekt, dass sie ehemals als gesellschaftliches Modell gesehen wurden. Das hat Nitschke neugierig gemacht. Und so erging es offenbar auch den vier international renommierten Künstlern, die auf dem Stiftsplatz für die "Utopie Passion" aktiv geworden sind. Allein der Stiftsplatz habe eine enorme Resonanz und große Dichte an Ebenen, die im künstlerischen Schaffensprozess mitspielen. "Das ist eine große Herausforderung", weiß Nitschke. Zwei der Künstler seien so beeindruckt gewesen, dass sie eventuell dauerhafter in der Region arbeiten wollen.

Kurator sieht viel Potenzial

Um die Idee fortzuführen, hat Niklas Nitschke bereits Kontakt mit Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR aufgenommen. Möglicherweise gibt es bereits ein weiteres Projekt, das mit der Aufbruchstimmung und der Tanzszene in Eisenhüttenstadt zu tun hat. Nitschke träumt von einem Künstleratelier, spricht von einem großen Potenzial, das er für Künstler in der einstigen Planstadt sieht. Auch weil er oft Führungen durchführe, wo stets eine große Neugierde zu spüren sei.

Doch zurück zur "Utopie Passion", die unter anderem von Land und Kreis gefördert wurde: Die Kuben, die miteinander kommunizieren, sind nicht nur zum Anschauen da. Besucher können sie erleben, in sie eintauchen. Das ist eine Dimension von Kunst, die nicht jedem geläufig ist. Für die Schüler des Campus bleibt sie erhalten, zumindest in Form von zwei Kuben, erzählt Niklas Nitschke, der vor Jahren ein Kunstprojekt fürs ehemalige Hotel Lunik konzipiert hatte, das dann aber an gescheitert sei. Ideen hat er noch viele im Kopf.

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