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Regionalgeschichte
Schüler erringen Landessieg

Gemeinsam mit weiteren Schülern der Gesamtschule 3 drehten sie einen 16-minütigen Film über das Leben und Leiden der Insassen des Kriegsgefangenenlagers Stalag III B (1939-1945) im Eisenhüttenstädter Ortsteil Fürstenberg. Im Bild  (v. l. n. r.): Mohammad Sadek Abbadi (17), Tutorin Susanne Jordan, Erik Janke (16), Max Unger (16), Lukas Heilemann (16) und Antonia Krugel (16).
Gemeinsam mit weiteren Schülern der Gesamtschule 3 drehten sie einen 16-minütigen Film über das Leben und Leiden der Insassen des Kriegsgefangenenlagers Stalag III B (1939-1945) im Eisenhüttenstädter Ortsteil Fürstenberg. Im Bild  (v. l. n. r.): Mohammad Sadek Abbadi (17), Tutorin Susanne Jordan, Erik Janke (16), Max Unger (16), Lukas Heilemann (16) und Antonia Krugel (16). © Foto: Dietmar Puttins
Dietmar Puttins / 06.09.2019, 21:19 Uhr
Eisenhüttenstadt Zwölf Schüler zweier zehnter Klassen der Gesamt­schule 3 mit gymnasialer Oberstufe gehören zu den Landessiegern beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2018/2019. Ihre erfolgreiche Projektarbeit "Stalag III B – Schreiben als Umbruch im Innern" zählt mit zu den besten Beiträgen, die Schüler aus Brandenburg einreichten. Es ist ein 16-minütiger Film über das Leben und Leiden der Insassen des Kriegsgefangenenlagers Stalag III B (1939-1945) im Ortsteil Fürstenberg.

"So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch", hatte das Thema des Wettbewerbs unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gelautet. Preisverleihung war bereits am 14. August im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Am 12. September werden die Landessieger aus Eisenhüttenstadt an einem Ehrenempfang in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg teilnehmen.

Im Oktober 2018 hatten die Schüler nach einem Thema für den Wettbewerb gesucht. Bis Februar 2019 musste die Arbeit eingereicht sein. Angeleitet von ihren Tutorinnen, der Fachbereichsleiterin für Deutsch, Susanne Jordan, und der stellvertretenden Schulleiterin Antje Hoffmann, suchten sie den Ortsteil Fürstenberg an der Oder auf. Ihre Exkursion führte sie auch zum ehemaligen Gelände des Kriegsgefangenenlagers Stalag III B. Stalag ist die militärische Abkürzung für Stammlager. Die Schüler, unter ihnen Max Unger (16) und Antonia Krugel (16), berieten, was man erforschen könne.

Zehntausende waren interniert

"Von 1939 bis 1945 gab es vier Stammlager im Werkkreis III, – A, B, C, D. Das ehemalige Stalag III B in Fürstenberg ist jetzt ein großes eingezäuntes, bewaldetes Gebiet", weiß Susanne Jordan, die sich schon lange mit dem Thema Kriegsgefangenenlager befasst. Zehntausende waren hier interniert: Italiener, Russen, Amerikaner, Franzosen, Engländer, einige Polen und Serben, wie die Schüler erfuhren.

In Anlehnung an das Wettbewerbsthema nannten sie ihr Projekt "Stalag III B – Schreiben als Umbruch im Innern". "Das Einsperren von Menschen in Kriegsgefangenenlagern nimmt  für diese krisenhafte Ausmaße an. Ein Umbruch kann nur im Inneren stattfinden. Die Kriegsgefangenen entwickelten  Strategien: Sie schrieben Tagebücher, Briefe oder Logbücher, um die Situation zu überstehen", erläutert Susanne Jordan.

Die Schüler studierten diese Primärquellen: Kriegsgefangenen-Post, ein Original-Tagebuch und das Logbuch eines US-Amerikaners. Die Kriegsgefangenen-Post hatte Susanne Jordan privat über E-Bay ersteigert. Die Schüler übersetzten die Briefe ins Deutsche.

"Das Übersetzen der Originalschriften war schwierig", erzählt Antonia Krugel, die sich mit britischen Briefen befasste. Gemeinsam mit Max Unger verfasste sie eine DIN A4-Seite aus der "Ich-Perspektive" einen Kriegsgefangenen heraus.

Dieses Material, aber auch das Gespräch mit einem Zeitzeugen im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt, flossen in ihr Film-Projekt ein, das das Stalag III B als historischen Schauplatz wieder in Erinnerung rufen soll.

Pflegschaft für Denkmal geplant

Krise, Umbruch, Aufbruch: Die Projektarbeit ruft die Vergangenheit wach, doch dabei soll es nicht bleiben. "Aufbruch findet für uns in der Jetzt-Zeit statt", sagt Susanne Jordan. "Wir wollen eine Pflegschaft für ein kleines Denkmal auf dem Areal des ehemaligen Stalag III B übernehmen. Es besteht aus zwei von damals Internierten bearbeiteten Granitsteinen. Wir gehen regelmäßig mit den Schülern dorthin , um in der Stadt weiterhin transparent zu machen, dass es dieses Lager dort einmal gegeben hat."

"Stalag III B – Schreiben als Umbruch im Innern" wird am 12. September beim Ehrenempfang für alle Landessieger in der Brandenburger Staatskanzlei  gezeigt.

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Im Jahr 1973 riefen der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann (1899-1976) und der Unternehmer Kurt Adolf Körber (1909-1992) den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ins Leben. Körber hatte 1959 seine Körber-Stiftung ins Leben gerufen, die seither alle zwei Jahre diesen Wettbewerb organisiert und koordiniert. "Forschendes und entdeckendes Lernen", heißt die Devise. Der Hamburger Stifter und Gustav Heinemann wollten damals junge Menschen dazu anregen, sich mit den demokratischen Traditionen der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Mehr als 146.500 junge Leute nahmen bisher teil. Rund 33.500 Projekte gab es seither.⇥dpu

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