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Eigentlich arbeitet Jens Wendt im EKO bei ArcelorMittal. Zuhause hält er sich noch 20 Schottische Hochlandrinder.

Start-up
Der Bio-Züchter von Ziltendorf und seine zotteligen Freunde

Dietmar Puttins / 10.09.2019, 09:45 Uhr
Ziltendorf (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus der Region vor. Heute: Jens Wendt aus Ziltendorf im Amtsbereich Brieskow-Finkenheerd.

Seit 2015 züchtet der 32-Jährige Schottische Hochlandrinder auf Wiesen am Ortsrand seiner Gemeinde. Die Rasse ist gutmütig, kleinwüchsig, leichtgewichtig, gilt als robust und langlebig und kann das ganze Jahr über im Freiland gehalten werden. Wer nachliest, erfährt: Die Tiere kalben leicht und viel. Kein Wunder also, dass man im Internet viele Menschen mit Bezügen zur Landwirtschaft findet, die diese Rinder halten.

Eigentlich arbeitet Jens Wendt aber als Schlosser in der Kalkbrenn- und Mahlanlage des Roheisenwerks im Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) bei ArcelorMittal. Immer vor Schichtbeginn am Morgen und dann abends schaut er nach der Herde, was die leichte Haltung nicht besser verdeutlichen könnte. Sein Wissen hat er sich teils erlesen, teils von anderen Züchtern oder selbst angeeignet.

Bis zu seinem siebenten Lebensjahr lebte Jens Wendt im Gebiet Mittelschleuse in Eisenhüttenstadt. Dann zogen die Eltern nach Ziltendorf. Vater Kurt Wendt (59) kam, wie die gesamte Verwandtschaft väterlicherseits, aus Ziltendorf und die Familie hatte schon damals einen alten Bauernhof, erzählt der Sohn. Zu DDR-Zeiten züchtete Kurt Wendt Mastbullen. Er arbeitete als Fleischer und seine Ehefrau Angelika Wendt (64) als Bürokraft im einstigen Fleischwarenkombinat an der Oderlandstraße in Eisenhüttenstadt.

3000 Euro für einen Bullen

2015 sah Jens Wendt "durch Zufall bei einem alten Landwirt in Pillgram zwei schottische Hochlandrinder-Bullen, die sich der Mann als Haustiere hielt. Er war fasziniert. "Die Rasse", sagt er, hat mir so gut gefallen, dass ich mir eine Hochland-Kuh in der Nähe von Cottbus kaufte und kurz danach einen Deck-Bullen." Und so ging das immer weiter. Für eine Mutterkuh bezahlt man bis zu 2500 Euro und für einen Bullen bis zu 3000 Euro, weiß er. Ein ausgewachsener Bulle wiegt so um die 550 Kilogramm, eine Kuh etwa 100 Kilogramm weniger.

Seine Begeisterung für die Rinder erklärt er so: "Das Fleisch der Rinder ist richtig gut, denn die Tiere brauchen viel Zeit zum Auswachsen – zweieinhalb bis drei Jahre – und die Kühe sind auch erst ab dann deckfähig. Die Tiere stehen das ganze Jahr auf der Koppel, bekommen kein Kraftfutter oder chemische Zusätze, sondern fressen Gras, Heu aus eigener Ernte oder Gras-Silage."

Davon profitiert sein Imbissgewerbe, mit dem er sich bei Festivitäten in Gemeinden der Region langsam einen Namen macht. Wie muss er da züchten? Das hänge von der Nachfrage ab, sagt er. Jens Wendt: "Nach einem Jahr nehme ich die Bullen-Kälber aus der Herde heraus. Sie kommen auf eine Extra-Koppel, wachsen eineinhalb Jahre aus." Geschlachtet werden nur die nach zweieinhalb Jahren ausgewachsenen Bullen. Eine Tierarztpraxis aus Fürstenberg begutachtet die Ware und ein Fleischer aus der Agrargenossenschaft Kieselwitz eG im Schlaubetal schlachtet die Rinder. Dann hängt das Fleisch bis zu drei Wochen lang zum Reifen in einer Kühlzelle ab. Seine etwa 30 Stammkunden, sagt er, "wissen, dass ich ihnen Bio-Fleisch und kein schnell hochgezüchtetes Fleisch anbiete."

Noch beeindruckender ist: als Schlosser, der im Nebengewerbe Rinder züchtet und einen Gastronomiebetrieb hochfährt, ist Wendt schon sehr vielseitig. Und er ist erst 32 Jahre alt.

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