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Der Lehrersportverein 1969 aus Eisenhüttenstadt kommt einmal in der Woche zum Fußballspielen zusammen. Nachwuchs ist gern gesehen.

Vereinsleben
Wo die Lehrer kicken

Janet Neiser / 11.09.2019, 07:45 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Mit dem Torjubel ist das wie mit dem Fahrradfahren. Man verlernt es nie! Und wenn die Herren des Lehrersportvereins (LSV) das Runde ins Eckige schieben, dann freuen sie sich wie kleine Jungs. Zimperlich sind sie auch nicht. Schließlich geht es um etwas, nämlich um Spaß und Kontaktpflege. "Wir treffen uns jeden Mittwoch von 18 bis 19.30 Uhr. Und dann wird gespielt, egal, ob es schneit, stürmt oder das Thermometer die 40-Grad-Marke erreicht", betont Horst Reukauf, der auch heute wieder auf dem Rasen an der Waldstraße auflaufen wird.

An der 8. POS ging alles los

Der ehemalige Geschichts- und Deutschlehrer, der in Eisenhüttenstadt auch als Blitz-Richter bekannt geworden ist, ist von Anfang an dabei. Dieser Anfang ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert her. 1969 ging das los mit der kickenden Männerrunde. Warum gerade in jenem Jahr? Weil da die 8. Polytechnische Oberschule."Gerhart Eisler" im Diesterwegring eröffnet worden war, die nun dem Abriss geweiht ist. Damals kamen viele junge Lehrer zusammen, auch Bernd Otto kann sich daran gut erinnern. "Wir sind damals nach Eisenhüttenstadt gekommen, weil die Wohnverhältnisse hier so gut waren", erinnert er sich. "Das war die Stadt, die Wohnungen für Lehrer hatte." Er und seine Frau, ebenfalls Lehrerin, bezogen eine moderne Wohnung im VI. Wohnkomplex, die nur wenige Meter von der Schule entfernt war. Luxus sozusagen. Zu dieser Zeit ging das mit dem Fußball los, da spielten aber nicht nur Lehrer, sondern auch Schüler mit. Den ein oder anderen blauen Fleck am Schienbein haben die Pädagogen damals schon ertragen müssen: "Wir haben aber den Schülern nahegelegt: ‚Geht mal nicht ganz so doll drauf’", erzählt Bernd Otto, seines Zeichens Mathelehrer.

Der 75-Jährige und sein drei Jahre älterer Kollege gehören zum harten Kern des LSV 69. "Wir haben derzeit 23 Mitglieder", erzählt Reukauf. "14 sind regelmäßig dabei." 34-Jährige sind darunter, aber auch 82-Jährige. "Klar, würden wie neue Lehrer aufnehmen", versichert er. "Die können einfach mal vorbeikommen." Jüngst seien auch drei Jüngere hinzu gestoßen. "Die müssen bei uns aber eine harte Prüfung ablegen", sagt Bernd Otto mit einem Augenzwinkern und verweist auf die Satzung, an die sich alle zu halten haben. Und was wäre, wenn eine Lehrerin Interesse bekundet? Die beiden schütteln den Kopf. Der LSV war ein Herrenclub und bleibt ein Herrenclub. "Wir spielen aber nicht nur Fußball, sondern treffen uns beispielsweise auch einmal im Jahr zu einer Wanderung", erzählt Horst Reukauf. Und bei anderen Gelegenheiten sind dann auch mal die besseren Hälften der Männer dabei. Über die Jahre haben sich so jedenfalls richtige Freundschaften entwickelt, bestätigen die zwei Herren der ersten Stunde.

Der Fußball hat Schulen überlebt

Die Bedingungen für sie sind härter geworden. Zunächst spielten die Männer noch in Turnhallen, doch aus verschiedenen Gründen sind sie nun zu echten Freiluftspielern geworden. Und während andere jammern würden, können die zwei dem grünen Rasen nur Positives abgewinnen. Der Untergrund sei beispielsweise viel besser für die Knochen und Gelenke. Doch auch sonst hat sich in den vergangenen 50 Jahren viel getan, vor allem die letzten Jahrzehnte haben viele Änderungen mit sich gebracht. Platzten die Schulen damals noch aus allen Nähten und wurden erweitert, fehlten nach der Wende Schüler. Es folgte der Abriss. Das spätere Fürstenberger Gymnasium, die POS "Johannes R. Becher", Schulen, in denen Horst Reukauf unterrichtete, gibt es nicht mehr. Auch an die 8. POS, an der alles mit dem LSV begann, werden bald nur noch Fotos erinnern. Der Fußball aber rollt noch immer.

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