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Tourismus
Konzern-Pleite erwischt Urlauber eiskalt

Hilft den Kunden weiter: Büroleiterin Susann Menzer vom Reisestudio Menzer in der Lindenallee 3 in Eisenhüttenstadt.
Hilft den Kunden weiter: Büroleiterin Susann Menzer vom Reisestudio Menzer in der Lindenallee 3 in Eisenhüttenstadt. © Foto: Dietmar Puttins
Dietmar Puttins / 24.09.2019, 06:30 Uhr
Eisenhüttenstadt Reisebüros und Urlauber hat die gestern in Großbritannien beantragte Insolvenz des britischen Tourismus-Giganten Thomas Cook eiskalt erwischt. Laut "Tagesspiegel" sind in Deutschland rund 340.000 Reisende betroffen. Wer da Montagvormittag noch glaubte, dass es erst Insolvenzanträge deutscher Thomas-Cook-Tochter-Gesellschaften bedurfte, um bis dahin noch risikofrei verreisen zu können, der irrte. Ein Anruf der MOZ beim DER Deutsches Reisebüro in Eisenhüttenstadt lehrte, dass man dort hilflos auf Anweisungen aus der Zentrale wartete.

"Kein Kommentar", hieß es beim zuständigen DER-Verkaufsleiter in Frankfurt (Oder). Er verwies an die Pressestelle der DER Touristik Central Europe GmbH in Frankfurt/Main. Reaktion von dort: Keine. Aufgeschlossen zeigte sich die Reiseagentur Heike Ulrich in der Lindenallee 56 in Eisenhüttenstadt. "Ja", so eine Mitarbeiterin, "wir haben von der Pleite betroffene Kunden, aber die meisten verstehen, dass wir nichts dafür können." Die Reiseagentur-Mitarbeiter erreichten das Thomas-Cook-Service-Center nicht mehr.

Zwei Studenten retten ihr Geld

Montag, 13.30 Uhr: Eigentlich müssten sich Tillmann March (24) und seine Freundin Luzie Manzke (22) bald auf den Weg zum Airport Schönefeld machen. Um 20.30 Uhr startet ihr Flug nach Gran Canaria.  Ziel: Der Ferienort Maspalomas im Süden der Insel. Stattdessen sitzen die beiden Studenten aus Frankfurt (Oder) – er lernt Maschinenbau an der TU Berlin, sie Sonderpädagogik auf Lehramt an der HU Berlin – bei Büroleiterin Susann Menzer vom Reisestudio Menzer in der Lindenallee 3 in Eisenhüttenstadt. "Wir bekamen um 8.46 Uhr eine SMS", berichtet Tillmann March und hält sein Handy hoch: Zu lesen ist jener Text, den Thomas Cook auf seiner Website publiziert. Da heißt es unter anderem: "Die Durchführung von Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September kann nicht gewährleistet werden." Die beiden jungen Leute haben Glück. Tillmann March: "Unsere 300-Euro-Anzahlung vom 6. Juni wird wohl verloren sein, aber wir haben wenigstens 75 Prozent unseres Reisegeldes gerettet – mehr als 2000 Euro." Der Clou: Sie widerriefen bei ihrer Sparkasse die Lastschrift an Thomas Cook. Das Geld war schon zurück, jetzt wollten sie umbuchen. Auch andere Kunden des Reisestudios Menzer sind verunsichert, wie die Büroleiterin erzählt. Sei es die Familie, die den Family-Club auf Mallorca buchte, oder das Fußball-Team, das in den Herbstferien zum Training nach Mallorca fliegen will: Sie alle haben bezahlt, können womöglich hinfliegen, wissen jedoch nicht, wie das Hotel vor Ort mit ihnen verfährt.

Und was machen jene, die ihre Reise bisher nur anzahlten? "Kunden, die in den nächsten vier bis fünf Tagen ihren Reisepreis an Thomas Cook überweisen sollen, rate ich, es zu unterlassen", sagt Büroleiterin Susann Menzer. Ausgenommen von diesem Tipp mussten am Montag noch Neckermann, Öger Tours und Condor bleiben. Wer bereits mit Lastschrift gezahlt habe, warnt Susann Menzer, solle diese widerrufen. Das 1991 von Susann Menzers Eltern gegründete Reisestudio wird wohl auch Verluste hinnehmen müssen. Allein 30 Prozent Umsatz pro Jahr, schätzt Susann Menzer, entfielen bisher auf den Vertrieb von Reisen mit dem Anbieter Thomas Cook.

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