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In der Kriminaltechnik der Polizeidirektion Ost in Frankfurt läuft die Überprüfung der im August in Ziltendorf gefundenen Mauser-Karabiner.

Untersuchung
Spur der gefundenen Gewehre führt ins Kaiserreich

Dietmar Puttins / 09.10.2019, 07:30 Uhr
Ziltendorf (MOZ) Neun "Karabiner auf einen Schlag – das ist selten." Kriminaloberkommissar Uwe Ziegert (55) kennt sich aus. Seit 25 Jahren ist er in der Kriminaltechnik der Polizeidirektion Ost in Frankfurt mit der waffenrechtlichen Einstufung von Waffen und Munition befasst. Der Waffenexperte ist dabei, das "Geheimnis von Ziltendorf" halbwegs aufzulösen: Den Fund von neun Karabinern im früheren Gasthof "Grüner Baum" in der Oderstraße 2 in Ziltendorf. Am 12. August hatten dort Handwerker  unter Dielen des Festsaales die versteckten Waffen entdeckt. Hauseigentümer Michael Krüger, seines Zeichens auch Geschäftsführer des Familienunternehmens Krüger Metallhandel in Wiesenau, meldete den Fund. Die Polizei holte die Waffen ab.

"Es sind Mauser-Karabiner-Modelle 98AZ – von 1909 bis 1918 in den staatlichen Gewehrfabriken in Danzig, Erfurt und Amberg hergestellt", klärt Uwe Ziegert auf. Hinweise dazu finden sich auf den Waffen, erläutert der Kriminaltechniker. Allein in der Königlich Preußischen Gewehrfabrik Erfurt, erfährt man bei Wikipedia, seien während des Ersten Weltkrieges etwa 80 Prozent aller deutschen Handfeuerwaffen gefertigt worden, darunter etwa 1,5 Millionen Karabiner 98.

Auf den Gewehren sieht man ferner Waffennummern und militärische Beschusszeichen wie etwa "Preußen bis 1918", die darauf hindeuten, wer diese Gewehre beschossen hat und für wen diese Waffen bestimmt waren.

Die Gewehre sind funktionsfähig

Uwe Ziegert kann nicht abschätzen, wie lange die Gewehre unangetastet im Dielenboden lagen. "Die Waffen haben innen und außen starke Rostanhaftungen. Einen Teil der Schäfte hat der Holzwurm befallen, trotzdem sind die Gewehre funktionsfähig", ergab seine manuelle Prüfung.

Wie testet man so etwas? "Indem man beispielsweise die Schlösser zurückzieht, die Waffen spannt, die Sicherungs- und Abzugseinrichtungen prüft", erläutert der Waffenexperte. "Daraus kann man zumindest erst einmal den Schluss ziehen: Es spricht nichts dagegen, dass die Waffen schussfähig sind. Ob das dann so ist, muss ein Beschuss in der entsprechenden Anlage beim Landeskriminalamt Brandenburg in Eberswalde nachweisen." Dafür aber müssten die Gewehre aufgearbeitet werden. Das ist sehr aufwändig und zeitintensiv. Besonderheit der Mauser-Karabiner 98AZ sind die verlängerten Läufe mit Aufpflanz- und Zusammensteckvorrichtung (AZ).

Derart handlich konstruiert, bewährten sich die Mauser-Karabiner-Modelle 98AZ vor allem bei Grabenkämpfen im Ersten Weltkrieg, weil sie nicht so kurze Läufe hatten wie das Vorgängermodell Karabiner 98A. Aus dessen Lauf kam ein enormes Mündungsfeuer, das vor allem die Wirksamkeit von Spezialeinheiten min­derte.

Der Magazinkasten des seit 1898 in verschiedensten Ausführungen hergestellten Mehrladegewehres Mauser 98 fasst fünf Patronen. Das Kaliber der Gewehrpatronen aus den Fundwaffen von Ziltendorf hat Uwe Ziegert ermittelt: 7,9 (Durchmesser) × 57 mm (Hülsenlänge). So wie es  1887 die deutsche Heeresleitung zur Entwicklung in Auftrag gegeben h­att­e.

"Kaliber dieser Art fliegen bei freiem Schussfeld zirka vier Kilometer weit", schätzt der Experte, der mehr und mehr Waffen zur Prüfung vorgelegt bekommt.

Den Grund dafür legt die bundesdeutsche Kriminalstatistik vom Jahr 2018 offen. Sie zeigt, dass die Verstöße gegen das Waffengesetz zugenommen haben.

Diese Tendenz ist auch im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Ost (Uckermark, Märkisch-Oderland, Barnim, LOS und Frankfurt (Oder) festzustellen. "Wir haben eine Zunahme von Verstößen gegen das Waffengesetz, die auch daher rühren, dass Privatpersonen Fundwaffen nicht abgeben", sagt Kriminaloberkommissar Uwe Ziegert. So gesehen, hat Waffen-Finder Michael Krüger alles richtig gemacht.

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