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Immer mehr Autos sind mit Ganzjahresreifen unterwegs. Experten empfehlen aber den zweimal jährlichen Reifenwechsel.

Sicher ist sicher!
Allwetterreifen statt Winterreifen?

Herbstzeit ist Reifenwechselzeit: Kai Freitag bereitet am Dienstag in der Werkstatt der Carcenter 1220 GbR in Eisenhüttenstadt einen Winterreifen für die Montage auf eine Radfelge, auf der bisher ein Sommerreifen saß, vor.
Herbstzeit ist Reifenwechselzeit: Kai Freitag bereitet am Dienstag in der Werkstatt der Carcenter 1220 GbR in Eisenhüttenstadt einen Winterreifen für die Montage auf eine Radfelge, auf der bisher ein Sommerreifen saß, vor. © Foto: Gerrit Freitag
Frank Groneberg / 06.11.2019, 06:00 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Im Carcenter 1220 in Eisenhüttenstadt laufen die Druckluftschrauber am Dienstag im Akkord. Sommerräder runter, Winterräder rauf. Zwischendurch noch auswuchten und – wenn das nötig ist – die Felgen mit neuen Winterreifen bestücken. Das Ganze geht Schlag auf Schlag und wird auch noch in den nächsten Wochen für reichlich Arbeit in den Werkstatträumen in der Oderlandstraße sorgen.

Viel längerer Bremsweg

Es ist Radwechselzeit. Allerdings: Immer mehr Leute setzen eher auf Ganzjahres- oder Allwetterreifen als auf den Wechsel. So sieht zumindest die Erfahrung im Carcenter 1220 (die Zahl steht für die alte Postleitzahl Eisenhüttenstadts) aus. Und die Erderwärmung könnte ja die Vermutung nahelegen, dass mit eiskalten Wintern ohnehin nicht mehr zu rechnen ist. Oder? "Es fragen sehr viele Leute nach Allwetterreifen", bestätigt Kai Freitag, einer der beiden Inhaber. Mit der Erderwärmung habe diese steigende Nachfrage aber nichts zu tun. "Die Leute wollen sich einfach die laufenden Wechsel und damit Kosten sparen", erklärt er. Auf den ersten Blick klinge das ganz gut: Reifen zweimal jährlich wechseln, auswuchten, einlagern – das kostet. Und die Reifendruckkontrollsysteme in den jüngeren Autos ab Baujahr 2014, bei denen oft auch die Sensoren mitgewechselt werden müssen, verursachen zusätzliche Kosten.

Allerdings gibt es da auch den Aspekt der Sicherheit. "Ein Allwetterreifen ist ein schlechter Sommerreifen und ein schlechter Winterreifen", betont Kai Freitag. Ganzjahresreifen führen sich gerade bei starker Hitze – und von der gab es zuletzt reichlich – viel schneller ab. Der Abrieb sei viel höher, der Verschleiß ebenfalls. Und: "Allwetterreifen haben im Sommer einen viel längeren Bremsweg als Sommerreifen. Und die Sicherheit sollte für alle das entscheidende Argument sein."

Eine Ausnahme gebe es aber. "Vielfahrer sollten auf gar keinen Fall mit Allwetterreifen fahren", pflichtet Uwe Gebke, der zweite Inhaber der Carcenter 1220 GbR, seinem Kollegen bei. "Wenigfahrer könnten mit ihnen aber sinnvoll sparen." Denn: Wer sehr wenig fahre, der fahre weder die Sommer- noch die Winterreifen ab. Nach fünf Jahren sei der Weichmacher aus den Winterreifen raus, dann müssten diese Reifen auf jeden Fall ausgetauscht werden – auch wenn das Profil noch ausreichend tief ist. "Das gilt aber nur für Autos, die wirklich sehr, sehr wenig gefahren werden", betont Uwe Gebke, "alle anderen Autos sollten auf jeden Fall mit Sommer- und mit Winterreifen gefahren werden."

Olaf Herrmann ist in Müllrose Spezialist in Sachen Autoreifen. Auch in seinem Betrieb, der Reifenservice Schulz & Herrmann GbR in der Alten Poststraße, herrscht derzeit Hochbetrieb. Und bei ihm sind es inzwischen ein Drittel aller Kunden, die auf Ganzjahresreifen setzen. "Um Kosten zu sparen", wie er erklärt.

Ganzjährig mit Winterreifen

Vor allem für ältere Autos würden immer öfter Allwetterreifen geordert, außerdem für die neueren Wagen mit Reifendruckkontrollsystemen. "Mietwagen werden generell mit Allwetterreifen ausgeliefert", weiß Olaf Herrmann. Und die meisten Transporter von Baufirmen seien ebenfalls mit Ganzjahresreifen ausgestattet – "wenn es richtig Winter wird, dann wird ja eh nicht gebaut". Er selbst fahre nicht mit Allwetterreifen und wechsle seine Reifen auch nicht. Wie das geht? "Ich fahre das ganze Jahr über mit Winterreifen", verrät der Fachmann. "Denn ich fahre wirklich nur sehr kurze Strecken. Und im Winter sollte man auf jeden Fall Winterreifen haben!"

Im Autohaus Noack in Neuzelle gibt es keinen spürbaren Trend hin zu Allwetterreifen. "Deren Anteil ist nicht gestiegen", sagt Geschäftsführer Ralf-Torsten Noack. "Wir empfehlen auf jeden Fall, Sommer- und Winterreifen zu nutzen. Denn Allwetterreifen fahren sich viel schneller ab."

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