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Um ein Zeit- und Lebensgefühl zu vermitteln, hatte sich Musiklehrer Thomas Falk einiges einfallen lassen.

Mauerfall
"Diese Nacht war wunderbar" - Bechstein-Gymnasium lässt 1989 Revue passieren

Erinnerungen an den Mauerfall: Thomas Falk lädt zum Erzählen in den Sessel ein. Lucy Wieczorek, Martin Wiegold und Jette Mai (von links) haben gerade einen Karat-Song vortragen.
Erinnerungen an den Mauerfall: Thomas Falk lädt zum Erzählen in den Sessel ein. Lucy Wieczorek, Martin Wiegold und Jette Mai (von links) haben gerade einen Karat-Song vortragen. © Foto: Mara Kaemmel
Mara Kaemmel / 09.11.2019, 08:00 Uhr
Erkner Allerorten wird dieser Tage der Mauerfall vor 30 Jahren gefeiert – auch das Carl-Bechstein-Gymnasium hatte aus diesem Anlass am Donnerstagabend zu einer Festveranstaltung in die Aula eingeladen.  Unter der Überschrift "Die Mauer (muss) ist weg!" boten Schüler, Lehrer und Zeitzeugen einen Mix aus Musik und Erinnerungen. Die Idee dazu hatte Thomas Falk, Lehrer für Musik und Geschichte. "Der Mauerfall und die Wende sind Stoff im Lehrplan", erklärte er vor Beginn des Programms. "Ich will die Geschichte lebendig vermitteln und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen. Sie war es, die die Wende vollbracht hat."

Bühne in blaugrauem Licht

Um ein Zeit- und Lebensgefühl zu vermitteln, hatte sich Thomas Falk einiges einfallen lassen. Düsteres, blaugraues Licht erzeugte Novemberstimmung auf der Bühne. Für das rund zweieinhalbstündige Programm hatte er Musiktitel ausgesucht, die vor 30 Jahren in den Hitparaden liefen. Ein Sessel stand für alle bereit, die eingeladen waren, von ihren Erinnerungen zu berichten. Schulleiter Rüdiger Konertz würdigte in seiner einleitenden Festrede die Akteure der friedlichen Revolution von 1989, die sich in die deutschen Freiheitstraditionen einreihe.

Los ging es mit der Rückblende auf den 9. November 1989. Der Geschichts- und Deutschlehrer Jörg Schulze trug mit Schülerinnen die Abfolge von Ereignissen vor, die zur Maueröffnung führten: wie Günter Schabowski, Mitglied des Zentralkomitees der SED, aus Versehen auf einer Pressekonferenz die unverzügliche Reisefreiheit verkündete. Kurze Zeit später drängten die Menschen zu den Grenzübergängen. Unter dem Druck der Massen hoben die Grenzposten die Schlagbäume, die Mauer war gefallen.

Besonders berührt fühlte sich so mancher im Publikum vom Lied "Das Land, in dem ich leben will", vorgetragen von Camillo Vollmer. Der Elftklässler hatte den Song des  Klavierkabarettisten Bodo Wartke gewählt, "weil ich denke, dass sich die Menschen damals nach einem freien und sozial gerechten Land gesehnt haben", wie er erklärte.

Jette Mai und  Lucy Wieczorek, beide Schülerinnen der 11. Klasse am Gymnasium, sangen zusammen mit dem ehemaligen Schüler Martin Wiegold den DDR-Hit "Über sieben Brücken musst du gehn" von Karat. Stoff zum Nachdenken bot Jörg Schulze mit seinem Erleben der Ereignisse und der Kinderhymne von Bertolt Brecht: Die Zeit sei vielleicht irgendwann reif für eine neue, gemeinsame Nationalhymne der Ost- und Westdeutschen, überlegte er laut.

Trubel und Euphorie

Von ihren Erinnerungen an den Mauerfall berichteten auch der Bürgermeister Henryk Pilz, Musiklehrer Rico Haring, der Erkneraner Uwe Fenger und  der Hobbyfotograf Alfred Janisch, der damals in Westberlin lebte. Er erzählte  von seiner, durch die Mauer zerrissenen Familie. "Seinen" 9. November auf der Straße, den Trubel und die Euphorie fasste mit einem kurzen Satz zusammen: "Diese Nacht war wunderbar."

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