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Personalnot
Kreißsaal in Eisenhüttenstadt bleibt zwei Tage zu

Immer wieder ein Wunder: 260 Mal ist in diesem Jahr ein Baby im Eisenhüttenstädter Krankenhaus zur Welt gekommen – mal natürlich, mal per Kaiserschnitt wie auf diesem Symbolbild. An diesem Wochenende aber bleibt der Kreißsaal in der Stahlstadt zu.
Immer wieder ein Wunder: 260 Mal ist in diesem Jahr ein Baby im Eisenhüttenstädter Krankenhaus zur Welt gekommen – mal natürlich, mal per Kaiserschnitt wie auf diesem Symbolbild. An diesem Wochenende aber bleibt der Kreißsaal in der Stahlstadt zu. © Foto: Daniel Karmann/dpa
Janet Neiser / 14.11.2019, 18:37 Uhr - Aktualisiert 15.11.2019, 08:37
Eisenhüttenstadt (MOZ) Kein einziger Schrei wird an diesem Wochenende durch den Kreißsaal in Eisenhüttenstadt hallen. Das Licht bleibt aus, die Tür geschlossen. "Der Personalmangel bei Hebammen zwingt das Krankenhaus Eisenhüttenstadt zu einem drastischen Schritt", sagt Till Frohne, Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses, am Donnerstag. Der Kreißsaal wird ab Freitag, 22.Uhr, wenn die Nachtschicht beginnt, bis Montag, 6.Uhr, zur Frühschicht, nicht besetzt sein. Er bedauere die Entwicklung zutiefst, erklärt Frohne.

Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt

Die Situation spiegele aber immer sichtbarer die tatsächliche Entwicklung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum wider. "Der Arbeitsmarkt – nicht nur – bei den Hebammen ist leer gefegt", sagt er.

Der Geschäftsführer klingt frustriert. "Wir haben ja versucht, Hilfe aus umliegenden Kliniken zu bekommen", berichtet er. Fehlanzeige. Die Personalsituation ist ihm zufolge bei anderen ebenso eng gestrickt. Dass sich Häuser gegenseitig unterstützen, ist nicht ungewöhnlich. Im Jahr 2016 beispielsweise half das Eisenhüttenstädter Krankenhaus dem Klinikum Markendorf stundenweise mit Hebammen aus, nachdem es dort im Oktober aufgrund von Urlaubszeit und krankheitsbedingten Ausfällen zu einem kurzfristigen Engpass gekommen war. Doch so etwas funktioniert nur, wenn Fachkräfte da sind.

Sämtliche Anfragen bei Personalagenturen zu Honorar-Hebammen waren laut Till Frohne ebenfalls negativ. "Wir suchen aber weiter", versichert er. Das wird auch notwendig sein. Offiziell sind in Deutschland etwa 24.000 Hebammen tätig, doch längst nicht jede bietet – vor allem aufgrund hoher Versicherungssummen – Geburtsbegleitung an. Fünf Hebammen hat das Krankenhaus Eisenhüttenstadt aktuell. Eine davon ist gegenwärtig krank. Eine ansonsten sechste Geburtshelferin hat die Probezeit nicht überstanden. Sechs Hebammen wären ausreichend. "Aber die vier jetzt reichen nicht, um den Arbeitszeitgesetzen und betriebsverfassungsrechtlichen Vorgaben entsprechend, den Kreißsaal durchgängig mit Hebammen zu besetzen", sagt Frohne. 24 Stunden, sieben Tage die Woche? "Vier Hebammen müssten es theoretisch machen, doch das ist ausgeschlossen", betont er. Selbst ein Bereitschaftsdienst sei aktuell nicht möglich.

Unter der Woche, also von Montag bis Freitag, soll der Kreißsaal in dem kommunalen Krankenhaus offen bleiben. Auch die Schließung übers Wochenende ist am Donnerstag erst einmal nur einmalig beschlossen worden, unter anderem durch die beiden Chefärzte aus Kinderklinik und der Geburtshilfe. "Ob die Schließung auch an künftigen Wochenenden erfolgt, wird noch durch die Beteiligten festgelegt werden", heißt es in einer Presseerklärung des Hauses.

Doch was bedeutet diese Schließung denn praktisch? Falls die Wehen bei einer Frau in Eisenhüttenstadt oder Umgebung in der Nacht zu Sonnabend einsetzen, dann wird der Weg in den Kreißsaal etwas weiter ausfallen. Werdende Mütter müssen in umliegende Krankenhäuser ausweichen, die über einen Kreißsaal verfügen. Guben und Beeskow fallen da raus. Frankfurt, Cottbus und Forst kämen in Frage. Nach Angaben von Till Frohne können Frauen oder deren Verwandte im Notfall den Rettungsdienst anrufen. Die Leitstelle sei dann über die Schließung des Kreißsaals informiert.

Bis Montag sind im Eisenhüttenstädter Krankenhaus in diesem Jahr 260 Babys geboren worden. November und Dezember gehören dem Geschäftsführer zufolge zu den stärkeren Monaten, was die Geburtszahlen angeht.

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