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Verwaltung
Amtschef zieht in Supermarkt

Janet Neiser / 30.11.2019, 10:15 Uhr
Neuzelle (MOZ) Dieser Umzug dürfte für viele Bewohner des Amtes Neuzelle eine echte Umstellung werden. Derzeit befindet sich das Gebäude der Amtsverwaltung an einer der besten Adressen in Neuzelle. Mitten im Ortszentrum, direkt an der Zufahrt zum Kloster, in einem Haus an der Bahnhofstraße, das eine bewegte Geschichte hat. Doch im Frühjahr des Jahres 2021 sollen die Umzugskartons gepackt sein und an anderer Stelle wieder geleert werden, und zwar im jetzigen Gewerbezentrum. Dort soll er sein, der neue Sitz der Amtsverwaltung – in einer ehemaligen Kaufhalle, die mittlerweile seit Jahren leersteht. Eine Amtsverwaltung im Supermarkt? Das dürfte landes-, wenn nicht bundesweit ein Novum sein.

Ein Millionenprojekt

Die meisten Voraussetzungen für diesen Umzug wurden bereits geschaffen: Die Beschlüsse sind in den entsprechenden Gremien des Amtes gefasst worden und das Amt hat das Grundstück bereits erworben. Die Verträge seien unterzeichnet, sagte Bauamtsleiter Thomas Tavernier am Freitag. Allerdings müsse der Bebauungsplan noch angepasst werden. Momentan gehört die Fläche zum Gewerbegebiet. Künftig soll sie als Verwaltungsfläche eingetragen werden. Im Frühjahr 2020 soll der Bauantrag eingereicht werden. Dann geht das Projekt, das das Amt mit dem Erwerb des Grundstücks etwa eine Million Euro kostet, richtig los. Die Hülle des Supermarktes bleibt, der Innenraum wird komplett umgebaut. "Wenn alles nach Plan läuft, können wir im Frühjahr 2021 umziehen", hofft Thomas Tavernier, und zwar komplett.

Selbst das Standesamt soll in den neuen Standort integriert werden. Das Ambiente werde stimmen, sichert der Bauamtsleiter zu. Zudem könne man man ja auch an anderen Orten heiraten. Er nennt als Beispiele die Orangerie und das Schloss Bomsdorf.

Doch warum ist der Umzug überhaupt nötig? Von der Fläche her bleibe es bei etwa 700 Quadratmetern, heißt es aus der Verwaltung. Doch die Gründe leuchten ein. Erstens wolle man damit dem Brandschutz Rechnung tragen. Derzeit könne man die Mitarbeiter der dritten und damit obersten Etage im Notfall nur mit Leitern retten, sagt Tavernier. Zweitens: Aktuell würden sich Besucher in dem zweifellos schönen Gebäude die schmale Treppe hinauf quälen müssen, um beispielsweise zum Bauamt zu kommen. Mit dem Umzug könne ein modernes Brandschutzkonzept angewendet werden und die Barrierefreiheit sei in dem Bau ebenfalls gegeben.

Doch was passiert dann mit dem geschichtsträchtigen Gebäude in der Bahnhofstraße, das auch als Haus Flickschuh bekannt ist? "Das soll veräußert werden", betont Thomas Tavernier. Dadurch kann das Amt auch die Kosten für den Umzug und den Umbau kompensieren. Interessenten gebe es bereits. Allerdings, das fügt der Bauamtsleiter extra hinzu, müsse jeder Interessent ein Nutzungskonzept vorlegen. Denn es gibt noch etwas, das zu bedenken ist. Die Besucherinformation wird wohl in wenigen Jahren aus den Räumen des Klosters ausziehen müssen, mit dem Ende des Mietvertrags. Die Stiftung habe die Räumlichkeiten für sich beansprucht, sagt Tavernier. Eine Idee ist es, die Besucherinfo dann ins Erdgeschoss im Haus Flickschuh zu integrieren. Doch diesbezüglich wird noch viel Wasser die Dorche entlangfließen.

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