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Der Chef der Agrargenossenschaft Neuzelle hat Angst vor der Afrikanischen Schweinepest.

Schweinepest:
Landwirt fordert massiven Wildschweine-Abschuss

ARCHIV - 29.01.2018, Hessen, Wetzlar: Ein Schild mit der Aufschrift «Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk-» steht bei einem Rundgang durch das hessische Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial an einen Anhänger gelehnt. (Zu dpa "Millionenfacher Tod: Afrikanische Schweinepest erobert die Kontinente") Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 29.01.2018, Hessen, Wetzlar: Ein Schild mit der Aufschrift «Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk-» steht bei einem Rundgang durch das hessische Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial an einen Anhänger gelehnt. (Zu dpa "Millionenfacher Tod: Afrikanische Schweinepest erobert die Kontinente") Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Janet Neiser / 02.12.2019, 19:00 Uhr
Neuzelle (MOZ) Die Afrikanische Schweinepest kommt näher. Und mit jedem toten Wildschwein, bei dem der Erreger gefunden wird, steigt die Angst in Ostbrandenburg. Und diese Angst ist berechtigt. "Es wäre gravierend, wenn die Schweinepest hier auftritt", sagt Heidi Wittgen von der Agrargenossenschaft Neuzelle. Das Thema ist so ernst, da gibt die stellvertretende Vorsitzende auch lieber gleich an den Chef weiter.

Die Unsicherheit ist groß

Sperrzone, Notschlachtung, temporäre Stilllegung der Landfleischerei – all das sind Szenarien, über die Frank Matheus in den vergangenen Wochen notgedrungen immer wieder nachdenkt. "Wir wissen nicht, wie scharf die Restriktionen sein werden", erklärt er am Montag. "Wir wissen nicht, ob wir unsere Produkte dann weiter nach außerhalb der Region liefern dürfen, das ist alles nicht sicher."

Mehr als 20 tote Schweine waren in den vergangenen Wochen in Polen nahe der deutschen Grenze gefunden worden, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Doch ab wann wird ein Gebiet zur Sperrzone deklariert? Da gibt es laut Matheus diverse Angaben. Fünf Kilometer sei eine davon. Und etwa fünf Kilometer beträgt die Distanz zwischen der Oder und Wellmitz, wo sich Ställe und die Landfleischerei der Agrargenossenschaft befinden. "Es ist ja auch nicht geklärt, was passiert, wenn ein Schwein direkt an der Oder auf polnischer Seite gefunden wird", sagt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft. Am Ende sei die Frage, wer die Entscheidung trifft – ihm wäre es am liebsten, wenn es jemand mit Augenmaß macht.

Dieses Augenmaß sieht er im Veterinäramt in Beeskow, mit dem er nahezu täglich Kontakt hat und sich auf den neusten Stand bringen lässt. In Beeskow würde im Fall der Fälle auch ein Krisenstab eingerichtet. Am Montag ist die zuständige Fachfrau aus der Kreisverwaltung allerdings im Außendienst und für Pressefragen nicht erreichbar.

Auf die Frage, ob die zirka 3000 Schweine der Agrargenossenschaft Neuzelle selbst mit dem Pesterreger infiziert werden können, versichert Matheus: "Dass irgendwelche Sachen von außen reingetragen werden, ist unmöglich, wenn sich alle an die Regeln halten." Die Mitarbeiter würden ihre Sachen vor dem Betreten des Stalls ihre Sachen wechseln und sich dann auch reinduschen. Und da die Stallanlagen neu seien, komme von außen auch keine Maus oder kein Vogel rein. Theo­retisch also dürfte den Hausschweinen nichts passieren. Das bestätigt die Steinsdorfer Tierärztin Dr. med. vet. Mariana Göritz-Kamisch.

Doch auch bei gesunden Tieren stehen Keulung und Schlachtverbot im Raum, wenn ein infiziertes Wildschwein in der Umgebung gefunden wird. "Für das Schweinefleisch-Exportland Deutschland wäre das der Supergau", sagt Matheus. Da helfen dann selbst Versicherungen, wie sie die Agrargenossenschaft hat, nur rudimentär. Er sieht nur eine Chance: "In der Neuzeller Niederung müssen Wildschweine schnellstmöglich dezimiert werden, und zwar massiv und ohne Rücksicht auf ansässige Jäger." Matheus glaubt nicht, dass die 50.Euro, die Jäger für ein erlegtes Wildschwein bekommen, den Anreiz zur Jagd erhöhen. Die Preise für Wildschweinfleisch seien nämlich total im Keller, das kompensiere der Abschusspreis nicht. Alle Wildschweine, die erlegt oder tot gefunden werden, werden untersucht. Die Blutproben bekommt unter anderem Tierärztin Göritz-Kamisch auf den Tisch, die sie weiter ins Labor nach Frankfurt leitet.

Fakten zur Tierseuche

Die Afrikanische Schweinepest ist für Haus- und Wildschweine tödlich. Für Menschen gilt sie als ungefährlich. Seit 2014 verbreitet sich die Seuche besonders in osteuropäischen Ländern. Das sehr widerstandsfähige Virus wird von Tier zu Tier übertragen. Aber auch Wurst kann infiziert sein, wenn sie von einem kranken Schwein stammt und die Kontrollen bei der Produktion nicht so hoch waren. Wird diese Wurst unsachgemäß entsorgt und von Schweinen gefressen, infizieren sich die Tiere. In jedem Fall sollten Essensreste aus dem Ausland nur in fest verschlossenen Behältern entsorgt werden. ⇥red

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