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Geburtshilfe
Situation im Eisenhüttenstädter Kreißsaal bleibt angespannt

Alles vorbereitet: Hebamme Regine Budach gehört zum Team des Eisenhüttenstädter Kreißsaals.
Alles vorbereitet: Hebamme Regine Budach gehört zum Team des Eisenhüttenstädter Kreißsaals. © Foto: Gerrit Freitag
Janet Neiser / 10.01.2020, 21:15 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Das Aufatmen bei Schwangeren in Eisenhüttenstadt und Umgebung könnte ganz schnell wieder zur Schnappatmung werden. Der Kreißsaal im Städtischen Krankenhaus hat zwar ab sofort auch wieder am Wochenende geöffnet. Das heißt: Frauen mit Wehen müssen nicht extra bis Frankfurt oder Cottbus gebracht werden und hoffen, dass das Baby nicht schon während der Fahrt dorthin kommt. Doch die Personaldecke der Hebammen auf der Eisenhüttenstädter Geburtsstation bleibt verdammt dünn, um einen Dienst 24 Stunden rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche zu gewährleisten. "Es darf aktuell niemand krank werden oder Urlaub nehmen", betont Till Frohne, Geschäftsführer des Krankenhauses. Dann bricht das Konstrukt zusammen und es droht wieder eine temporäre Schließung am Wochenende. "Das könnte jederzeit passieren", weiß Frohne. Zumal den Hebammen Urlaub zusteht.

Fünf Hebammen gibt es aktuell. Eine davon war Ende des Jahres krankgeschrieben. Da waren es nur noch vier. "Aber die vier reichen nicht, um den Arbeitszeitgesetzen und betriebsverfassungsrechtlichen Vorgaben entsprechend, den Kreißsaal durchgängig mit Hebammen zu besetzen", sagte Frohne im November 2019, als er die Schließung des Kreißsaals an Wochenenden bekanntgab. Nun sind alle fünf an Bord. Sechs wären beruhigender.

Doch der Arbeitsmarkt für Hebammen ist leergefegt. Überall werden die Geburtshelferinnen händeringend gesucht. Das Klinikum in Frankfurt hatte erst jüngst um Hilfe in Eisenhüttenstadt gebeten – natürlich angesichts der angespannten Situation in dem hiesigen Krankenhaus erfolglos.

Und die Anspannung bleibt, das bestätigt auch Bürgermeister Frank Balzer, der diese Woche Rücksprache mit Till Frohne gehalten hat. Die Stadt ist schließlich Gesellschafterin des Krankenhauses. Denn schon jetzt ist klar, dass eine der fünf Hebammen das Haus verlassen wird. Eine andere hingegen kehre aus der Elternzeit zurück. Zudem kommen laut Frohne – wahrscheinlich im Sommer – zwei Geburtshelferinnen aus Osteuropa.

Nach Angaben von Balzer ist aufgrund der kritischen Situation ein Brief an das Gesundheitsministerium in Potsdam gegangen. Darin sei es unter anderem um eine bessere Bezahlung der Hebammen und deren Ausbildung gegangen. Eine Antwort habe er noch nicht.

Ein Freistaat prescht vor

Neben der angespannten Personalsituation bedroht aber noch etwas den Eisenhüttenstädter Kreißsaal. Laut Experten ist ein Kreißsaal erst ab 800 Geburten jährlich effizient. In Eisenhüttenstadt hat es 2019 nicht mal 300 gegeben. Das heißt, an manchen Tagen im Jahr gab es gar keine Geburt. Die Hebammen müssen dennoch vor Ort sein und bezahlt werden. Ein Verlustgeschäft – jedenfalls betriebswirtschaftlich. Nicht umsonst schließen bundesweit immer wieder Kreißsäle. In Bayern hingegen steuert man aktiv dagegen. Dort läuft seit 2019 das sogenannte "Geburtshilfe-Förderprogramm". Mit 30 Millionen Euro unterstützt das Land die Kommunen, um die wohnortnahe Geburtshilfe zu erhalten.

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