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Tourismus
Sonne lockt zu Ausflügen ins Schlaubetal

Hagen Bernard / 02.06.2020, 04:00 Uhr
Schernsdorf (MOZ) Die schöne Pfingstwitterung hat die Leute ins Freie gelockt. Unzählige Touristen auf den Rad- und Wanderwegen, auch der Verkehr auf den Straßen verrät – viele genießen nach der Corona-bedingten Zurückhaltung die besseren Bewegungs-Möglichkeiten nach den gelockerten Auflagen.

Traditionelles Ausflugsziel ist das Schlaubetal mit seinen vielen Mühlen. So auch die im 17. Jahrhundert erbaute Ragower Mühle in Mixdorf, deren Mühlentechnik als einzige in der Region noch erhalten ist. "Das ganze Flair gefällt hier uns, die Mühle, der See, der Spielplatz", erklärt Corinna Munk aus Bernburg, die zusammen mit ihrem Mann Peter ihre Schwester besuchte. "Zu Pfingsten sind wir immer hier."

"Es sind fast so viele Gäste wie zu Himmelfahrt. Die Bürger haben es verdient, mal wieder rauszukommen. Sie sind wegen Corona auch unaufgefordert diszipliniert", sagt Inhaber Baldur Börner. Während die ursprüngliche Bestimmung der Mühlen in der Regel längst passé ist, stellt für viele der Gaststättenbetrieb durchaus ein wirtschaftlicher Faktor dar.

Das trifft auch auf die Ragower Mühle zu, die im Zuge des zentralisierten Baus von Mischfutterwerken 1968 stillgelegt wurde. Als technisches Denkmal erinnert sie an Zeiten, als dort noch Getreide gemahlen und Holz gesägt wurde. Davon konnten sich die Besucher zum traditionellen Mühlentag am Pfingstmontag ein Bild machen. Die Führungen waren wegen Corona nicht so frequentiert wie sonst, doch Baldur Börner nahm sich für jeden Zeit, der danach fragte. So ließ er ein mit Nachtigall-Geschwitscher unterlegtes Video im 1850 erbauten Mühlengebäude laufen. Damit war ein Überblick zum Wehr, der Brücke oder auch der Fischtreppe auch ohne Rundgang möglich.

16 Kilowattstunden könnte die Francisturbine leisten, wie der 77-jährige Inhaber erklärt. Doch derzeit ist es viel weniger, da anstatt der früher möglichen 1500 bis 2000 Liter je Sekunde nur noch um die 300 fließen. Wie der studierte Diplomlandwirt aus Mecklenburg erklärte, erhalte er wegen dem Sauerstoffgehalt im Unter- und Oberwasser keine staurechtliche Genehmigung. Außerdem fehlen ihm noch Ledertreibriemen und dürfe er aus hygienischen Gründen ohnehin kein Mehl mehr produzieren, da im hölzernen Bau in Pergament gewickeltes Quecksilber zur Vertreibung von Schädlingen stecke.

Nach der Bodenreform war der staatliche Forstbetrieb Müllrose der Eigentümer, im Februar 1989 hatte sich de Familie Börner als Mieter eingetragen und die Mühle 1995 über die Treuhand kaufen dürfen. Und erst einmal ins Erzählen gekommen, sagt Börner, dass dieses Gelände im Mittelalter dem in Friedland ansässigen Johanniterorden gehört habe und die Ragower Mühle an das dort ansässige Rittergut verkauft wurde. Als der Mühlenzwang und Mühlenbann aufgehoben wurde – die Bauern im Umkreis durften lange nur dort mahlen lassen – ging es 1743 in den Besitz von Johann Heinrich Schauer über, dessen Nachkommen bis in den 1920-er-Jahren dort Eigentümer waren.

Kaufvertrag von 1743

Stolz zeigt Börner den Kaufvertrag vom 20. Juli 1743 für 1060 Taler, der neue Eigentümer hatte mit drei Kreuzen unterschrieben. Es ist das erste direkte Schriftstück über diese Mühle. Erhalten hatte es Börner von den letzten Eigentümern vor der Bodenreform, der Familie des Berliner Bauunternehmers Paul Schenk. Zwar hätten laut Börner die Altbesitzer eine Rückübertragung versucht, sich letztlich jedoch mit 10 000 Euro begnügen müssen, da die Enteignung im Zuge der Bodenreform erfolgt sei.

Seit zwei Jahrzehnten restauriert die Familie Börmer die Ragower Mühle: "Ich will sie als funktionierendes technisches Denkmal erhalten", erklärt der Inhaber.

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