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Boxen
René Hübner aus Eisenhüttenstadt füllt seit zwei Dekaden die Hallen

Um den Sport dreht sich fast alles in seinem Leben: René Hübner aus Eisenhüttenstadt in seinem Fitnesscenter. Viele Jahre lebte er von Profikämpfen, nun  hat er sich ein neues Standbein aufgebaut.
Um den Sport dreht sich fast alles in seinem Leben: René Hübner aus Eisenhüttenstadt in seinem Fitnesscenter. Viele Jahre lebte er von Profikämpfen, nun  hat er sich ein neues Standbein aufgebaut. © Foto: Hagen Bernard
Hagen Bernard / 30.06.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 30.06.2020, 07:42
Eisenhüttenstadt (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Manche bekleiden öffentliche Ämter und sind es gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Andere haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Das Oder-Spree-Journal stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Diesmal: René Hübner.

Seit 20 Jahren füllt der Eisenhüttenstädter Boxer als Profi die Hallen. Am 14. November wird der fast 45-Jährige beim Profibox-­Abend in der heimischen Inselhalle den Hauptkampf um einen GBC-Titel im Cruisergewicht bestreiten. Wieder einmal wie 2007, als er zum ersten Mal in seiner Heimatstadt einen Profi-Box-Abend organisiert hatte. Allerdings denkt Hübner an die Premiere mit dem Weißrussen Denis Solomko mit gemischten Gefühlen zurück. "Das war ein typischer Mann für einen schnellen K.o. In der ersten Runde hatte ich mir gleich das Jochbein gebrochen, wenig später einen Cut am Auge. Da hatte ich Glück gehabt. Ab der 6. Runde hatte ich den Kampf im Griff."

Wie so oft hatte der bei 1,87 Metern Größe noch unter 90 Kilogramm wiegende Eisenhüttenstädter einen von vielen schon verloren geglaubten Vergleich noch gedreht. "Das dürfte mir so in etwa 20 Kämpfen gegangen sein, dass ich zu Beginn viel Dresche bekam und dennoch gewann." Von seinen 72 Profikämpfen hat Hübner nur 19 verloren. "Ich bin nie durch einen Kopftreffer K.o. gegangen, man muss auch schlau boxen", erklärt der Eisenhüttenstädter.

Ursprünglich sollte sein Lehrling Mashal Marefat mal in seine Fußstapfen treten, doch der Azubi habe es laut Hübner nicht geschafft und bleibt Amateur. "Boxen ist ein schwerer Sport, eine intensive körperliche Belastung. Doch den Willen muss man schon mitbringen, so was kann man nicht trainieren. Entweder man hat Biss oder hat ihn nicht."

Mit dem Kampfsport begonnen hatte der gelernte Maurer als Knirps bei Judo-Trainer Bert Oettel. "Ein sehr guter Trainer, aber auch sehr anstrengend, weil er viel Disziplin forderte. Zu ihm habe ich immer noch einen guten Kontakt."

Doch letztlich habe das Interesse am Boxen überwogen. Wenig verwunderlich, hatte doch sein Vater Roland bereits als Mittelgewichtler in Frankfurt geboxt, wie übrigens auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Andreas bei Aufbau. Als Boxanfänger war René Hübner 13, immerhin zog er bereits als 17-Jähriger sich die Fausthandschuhe für den Oberligisten Babelsberg an. Im Jahr 2000 stand er sogar in der 2. Bundesliga für den Frankfurter Boxring im Schwergewicht im Ring. Als der Zweitligist abmeldete, löste der Athlet mit dem martialischen Habitus eine Profílizenz. Etwa die Hälfte seines Körpers sind mit Tattoos bedeckt, auf Plakaten vermarktet er sich schon mal als Rebell. "Ein bisschen Rebell darf ich schon sein", sagt Hübner, ohne direkt dafür eine Erklärung abzugeben.

Zumindest hat er sich im Boxgeschäft nicht völlig unterworfen.  Weder ist er in den damals benachbarten Sauerland-Stall in Frankfurt gewechselt – wo er auch einige Sparringskämpfe bestritt – noch hat er sich einen anderen Promoter genommen. "Ich wollte immer frei sein. Wollte alles selber machen, da sehe ich mich als Einzelkämpfer. Wer einen Vertrag unterschreibt, versklavt sich auch. Natürlich bringt ein Vertrag mehr Sicherheit, doch wenn man alles vorgeschrieben bekommt, kann man bald die Lust am Boxen verlieren. Viele Talente sind mangels schneller Erfolge bei einem großen Stall schnell fallengelassen worden und haben früh aufgehört. Boxen soll auch Spaß machen." Den hat Hübner auch noch heute.

Nachdem er mangels Kämpfe in der unabhängigen Weltrangliste auf Rang 241 herabgestuft wurde, will er sich mit einem Titelkampf wieder unter die besten 100 schieben. "Das wäre für mich ein Erfolg. Ein Erfolg für mich ist auch, dass ich es unter die besten 40 geschafft hatte und in Europa unter den besten 20 war. Acht, neun Jahre gehörte ich zur deutschen Spitze."

Sicherlich habe er auch einige Fehler gemacht, beispielsweise beim verlorenen Titelkampf vor neun Jahren in Marokko, der damals über eine Stunde live bei Eurosport lief. Da hatte es im Umfeld für ihn an allem gefehlt. "Da hätte ich nicht allein hinfliegen dürfen." Insgesamt jedoch glaubt sich René Hübner, der derzeit ein Fitness-Studio mit zwei Angestellten, einem Auszubildenden und zwei Honorarmitarbeitern führt, auf einem guten Weg und sagt: "Ich würde vieles wieder genauso machen."

Sechs Fragen an René Hübner

Herr Hübner, wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst beziehungsweise geprägt?Meine Eltern und die Trainer.

Was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister Ihres Ortes wären?Ich möchte kein Bürgermeister werden.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Ich möchte gut durchs Leben kommen. Mit dem Boxsport soll es hier weiter gehen. Ein großer Kampf für mich wäre schön.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?Nein.

Träumen Sie gern?Nicht so sehr. Es wäre schön, wenn alles so klappt, was ich mir vornehme.

Was hält Sie in Ihrer Heimat? Würden Sie noch mal woanders hinziehen?In Eisenhüttenstadt bin ich aufgewachsen, hier kennen mich viele. Einige kommen wieder zurück, weil die Stadt schöner wird. Ich möchte hier gern bleiben.

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Lars Voller 30.06.2020 - 06:48:24

Leider nicht ganz oben

Hat leider die wichtigen Kämpfe 2005 und 2011 alle verloren. Mit etwas mehr Glück wäre er sicher ganz groß rausgekommen. Seitdem boxt er auf der Senioren-Tour viel Fallobst. Viel Erfolg für den Ausstand!

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