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Wegen Corona
Weiterhin kein Normalbetrieb im Krankenhaus Eisenhüttenstadt

Der Weg zurück in den Normalbetrieb im Krankenhaus Eisenhüttenstadt wird noch dauern. Geplante Operationen finden wieder statt. (Archivfoto)
Der Weg zurück in den Normalbetrieb im Krankenhaus Eisenhüttenstadt wird noch dauern. Geplante Operationen finden wieder statt. (Archivfoto) © Foto: Stefan Lötsch
Stefan Lötsch / 29.07.2020, 19:37 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Im Krankenhaus Eisenhüttenstadt wird schon länger kein Patient mehr wegen einer Coronavirus-Erkrankung behandelt. Und in Eisenhüttenstadt und den umliegenden Ämtern gibt es keinen bekannten aktiven Fall einer Infektion. Doch nach wie vor sind die drastischen Maßnahmen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie ergriffen wurden, am städtischen Krankenhaus immer noch zu spüren.

"Wir sind langsam dabei, auf den Weg in den Normalbetrieb zurückzukehren", sagte Dr. Dirk Hinz, Ärztlicher Leiter des Krankenhauses. "Der Weg wird aber beschwerlich", erklärte der Mediziner bei einem Gespräch mit den beiden Landtagsabgeordneten Clemens Rostock und Sahra Damus. Die beiden Politiker von Bündis90/Die Grünen wollten sich bei einem Informationsbesuch selbst ein Bild machen von der Situation in der Einrichtung.

Wie andere Krankenhäuser ist auch das Eisenhüttenstädter Haus längst nicht wieder ausgelastet. Dirk Hinz sprach davon, dass die durchschnittliche Auslastung bei 65 bis 70 Prozent liege. Inzwischen wurden planmäßige Operationen nachgeholt, die wegen der Corona-Pandemie aufgehoben wurden, um Kapazitäten für mögliche Corona-Patienten freizuhalten.

Die Konsequenz drückt Till Frohne, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, so aus: Es habe historisch schlechte Fallzahlen für das Krankenhaus gegeben, Operationen fanden nicht statt. Für das Krankenhaus bedeutet das: Enorme Einnahmeausfälle sind zu verzeichnen. Immerhin trifft das dicke Minus das Krankenhaus nicht bzw. macht sich nicht in der Bilanz bemerkbar, denn die Bundesregierung hat Ausgleichszahlungen zugesichert. "Wir wären tief siebenstellig im Minus, wenn wir nicht Geld vom Bund kriegen würden", machte Till Frohne die Dimensionen klar.

Auch der Geschäftsführer geht wie der Ärztliche Direktor davon aus, dass es noch dauern wird, bis auch in Eisenhüttenstadt zu einem ganz normalen Krankenhaus-Betrieb zurückgekehrt werden kann. Till Frohne zitierte eine Studie, in der rund die Hälfte der befragten Krankenhausgeschäftsführer die Prognose abgaben, dass es eine Erholung nicht in den nächsten acht bis zwölf Monaten geben wird. "Es wird nicht dazu kommen, dass die Operationsäle im Oktober wieder voll werden", prognostizierte Frohne.

Derweil betonte Dirk Hinz: "Wir haben keine ,lebensnotwendigen’ Operationen verschoben, sondern sehr wohl sortiert, was planbar ist. Wir sind jetzt wieder im Programm." Spekulativ wird es bei der Frage, wie viele notwendige Operationen oder Krankenhausaufenthalte nicht stattgefunden haben, weil Patienten aus Angst vor dem Corona-Virus erst gar nicht ins Krankenhaus gegangen sind, obwohl sie eine schwere Erkrankung haben, die sofort hätte behandelt werden müssen. Dass das womöglich so war, dafür hat Dirk Hinz Anhaltspunkte. So haben die Fallzahlen von Infarkt- und Schlaganfallpatienten in den Corona-Moanten im Vergleich zu den Vorjahresmonaten deutlich abgenommen.

Derweil gelten im Krankenhaus immer noch verschärfte Hygienebestimmungen, die der Einrichtung vom Land durch eine Verordnung vorgegeben sind, die, wie Frohne betont, aber nicht finanziert werden, etwa für zusätzliches Personal. So müssen Besucher am Eingang ihren Namen nennen, der auf einer Liste aufgeschrieben wird und auch einen Mund-Nasen-Schutz tragen. "Die Mitarbeiter, die das machen, werden da mitunter übelst und frech beschimpft", ärgert sich der Geschäftsführer.

Grund- und Regelversorger

Mit 349 Planbetten stellt das Krankenhaus Eisenhüttenstadt die Grund- und Regelversorgung für Eisenhüttenstadt und Umgebung sicher. Das Krankenhaus verfügt über die Kliniken: Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin, Schmerztherapie; Fachzentrum für Chirurgie mit den Kliniken Traumatologie/Orthopädie und Viszeralchirurgie/Gefäßchirurgie; Frauenheilkunde und Geburtshilfe; Geriatrie; Innere Medizin; Kinder- und Jugendmedizin; Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Mit dem MVZ werden jährlich zirka 11 600 stationäre und zirka 19 600 ambulante Patienten versorgt.⇥red

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Werner Matzat 31.07.2020 - 12:15:27

Wegen Corona werden Mitarbeiter übelst und frech beschimpft? - die Wahrheit für den sichtbaren Beobachter des Zeitgeschehens!

Werte Eisenhüttenstädter Leser, Leserinnen und sonstige "heimliche Kommentarverfolger", da musste ich erst gar nicht erst lange überlegen, wen man fragen muss, wie ergeht es dem "Alptraum Eisenhüttenstadt" in der Corona - Pandemie? Doch zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die vielen unüberhörbaren Hilfeschreie nach finanzieller Unterstützung vom Bund, auf allen Gebieten von A bis Z, ausgelöst durch die Corona - Pandemie, schon nicht mehr auszuhalten sind. Doch wer die ganze Wahrheit wissen möchte über die ökonomische Orientierung von Krankenhäusern, wo nicht das Wohl des Patienten, sondern die Maximierung der Rendite das oberste unternehmerische Ziel von Krankenhäusern ist, kann hier eine Petition, unter der Überschrift - Bundesweite Krankenhausschließungen jetzt stoppen! - an den Bundesgesundheitsminister, Jens Spahn, unterzeichnen. Quelle: https://www.gemeingut.org/civi-public/?page=CiviCRM&q=civicrm%2Fpetition%2Fsign&sid=29&reset=1 --- Wie sie an dieser Petition eindeutig erkennen können, entlarvt das Ergebnis ein politisches Fehlverhalten mit dramatischen Konsequenzen für Gesundheit und Wirtschaft. Und da ärgert sich der Geschäftsführer, der Krankenhaus GmbH, Till Frohne, dass die Mitarbeiter da mitunter übelst und frech beschimpft werden? Da hilft dann Mund - Nasen - Schutz tragen auch nicht weiter. Oder wtwa nicht?

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