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Tourismus
Camping-Reise durch Brandenburg stilecht im DDR-Trabi

Frank Groneberg / 30.07.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 30.07.2020, 14:08
Eisenhüttenstadt (MOZ) Wenn Familie Fischer irgendwo zelten möchte, dann braucht sie eigentlich nur irgendwo einen Parkplatz. Und wenn sie mit ihrem Urlaubsauto irgendwo ankommt, finden sich auch schnell Neugierige am Auto ein. Denn Familie Fischer ist mit einem besonderen Trabi unterwegs. Einem, der ein Dachzelt mit sich rumträgt. Und in diesem Dachzelt hat die ganze Familie – die Eheleute Anja und Maik Fischer sowie ihr neun Jahre alter Sohn Florian – ausreichend Platz, um direkt auf dem Trabi-Dach zu übernachten.

Mit Trabi und Dachzelt unterwegs

Seit sechs Tagen sind die Döbelner mit ihrem Trabi plus Dach­zelt unterwegs. "Wir klappern die Badeseen in Sachsen und Brandenburg ab", erzählt Maik Fischer, als sie in Eisenhüttenstadt halten, um sich mit Insektenschutzmitteln einzudecken. Denn die Mücken machen auch nicht vor Urlaubern Halt, die in einem mehr als 30 Jahre alten Dachzelt die Nacht verbringen.

Wie alt genau das sehr gut erhaltene Dachzelt ist, weiß Maik Fischer gar nicht. "Wir haben es vor vier Jahren gekauft", erzählt er. In seinem Verein, bei den "Noss’ner Trabantfreunden", hatte er es erstanden. "Und seit wir das haben, machen wir Urlaub auf dem Dach unseres Trabis."

Trabant 601 ist Baujahr 1981

Das Herstellungsjahr des Trabant 601, auf dessen Dach das Zelt montiert ist, kennt der Döbelner aber ganz genau: "Der ist Baujahr 1983", erklärt er, "und das ist auch nicht nur unser Urlaubsauto. Der Trabi ist mein Alltagsauto." Auch ohne das Dachzelt, das im Herbst abgenommen und dann den Winter über eingelagert wird, ist der Trabi ein echter Hingucker. Denn beinahe alles an dem 37 Jahre alten Auto ist noch original. Die verchromten Rückleuchtenträger fallen natürlich sofort auf – die gab es original nicht, die passen aber gut zu den chromblitzenden Scheinwerferringen. Auch die kleinen runden Blinker an den vorderen Kotflügeln sind irgendwann – noch in der DDR – nachgerüstet worden, stammen wohl vom sowjetischen Lada. Dafür hat der Trabi aber auf der Hutablage das, ohne das er kein echter Trabi wäre: einen Wackeldackel und eine umhäkelte Klopapierrolle.

Übernachten auf Parkplatz in Müllrose statt Helenesee

Letztere ist natürlich umso wertvoller, wenn man wie Familie Fischer mit dem Trabi auf Campingtour ist. Denn da die Familie zum Aufschlagen ihres Dach­zeltes nicht zwingend einen Campingplatz benötigt, sondern auch mal ein einfacher Parkplatz reicht, kann solch eine Klopapierrolle durchaus gute Dienste leisten. Die Nacht von Montag zu Dienstag zum Beispiel haben die drei Urlauber auf dem Parkplatz am Müllroser Freibad verbracht. Ursprünglich hätten sie am Frankfurter Helenesee campen wollen, der Preis für eine Übernachtung sei ihnen dort aber zu hoch gewesen, erzählt Anja Fischer. Also sind sie nach Müllrose weitergefahren, wo der Campingplatz allerdings wegen der Corona-Krise für Touristen gesperrt ist.

Platz für die ganze Familie im Dachzelt auf Trabi

Doch mit dem Dachzelt war das kein Problem. "Und in dem Zelt ist es auch überhaupt nicht eng", versichert Maik Fischer, "wir können da drin sogar stehen." Tatsächlich sind die Dachzelte 1,92 Meter hoch und damit höher als viele "normale" Zelte. Die Liegefläche ist gut 2 Meter lang und etwas mehr als 1,40 Meter breit – ausreichend Platz für zwei Erwachsene und ein Kind. Hergestellt wurden die Dachzelte für Trabant und andere Autos in der DDR von einem Privatbetrieb in Limbach-Oberfrohna, der Betriebsinhaber Gerhard Müller hatte sie selbst konstruiert. Etwa drei Jahre mussten Autobesitzer auf ein Dachzelt, das zuletzt 1610 Mark der DDR kostete, warten. Ein damaliger Mitarbeiter, ein Sattler, stellt noch heute solche Dachzelte in Handarbeit her.

Am liebsten fährt Maik Fischer mit dem Trabi übrigens zu den Trabi-Treffen, die jedes Jahr stattfinden. Und dort trifft er dann auch andere Dachzeltler.

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