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Ehemalige Finanzberaterin macht sich mit eigener Rösterei selbstständig / Um ihre Produkte zu vertreiben, setzt sie auf lokale Vernetzung

Lokal vernetzt
Aus Leidenschaft für guten Kaffee

Joachim Eggers / 20.12.2018, 09:00 Uhr - Aktualisiert 21.12.2018, 13:00
Erkner (MOZ) Guten Kaffee zu trinken – das hat Dagmar Eckart schon immer gemocht. Dass daraus auch mal ein Beruf werden würde, war lange ihr Traum. Inzwischen hat die Erkneranerin ihn sich erfüllt und sogar einen alten Beruf wieder zum Leben erweckt.

In zwei Stufen hat die 57-Jährige ihr Ziel erreicht: Im November 2014 eröffnete sie die Kaffeerösterei, damals noch im Nebenerwerb. Das Ladenlokal in der Fürstenwalder Straße, gerade mal 20 Quadratmeter groß, war zu Beginn nur sonnabends geöffnet. Seit dem 1. August 2016 ist das anders. Dagmar Eckart verabschiedete sich von ihrer Tätigkeit als Finanzberaterin in einer Bank und geht im Haupterwerb einem Beruf nach, den es in den vergangenen Jahrzehnten überhaupt nicht mehr gab: Die Kaffeerösterei ist 1972 von der Handwerkskammer ausgelistet worden, weiß Dagmar zu berichten.

Herzstück des Geschäfts ist ein sogenannter Trommelröster, in dem der Kaffee gemahlen wird. Dieses metallisch blitzende, aus Amerika importierte Gerät bietet für die Kunden des kleinen Ladengeschäfts einen nicht zu unterschätzenden Schauwert, ist aber auch ganz praktisch die zentrale Produktionsstätte.

Hier füllt Dagmar Eckart – meist an den Montagen – oben die Kaffeebohnen ein und entnimmt unten das Pulver. Der Unterschied zum Kaffee, wie er üblicherweise im Supermarkt zu haben ist: Die Bohnen werden bei nur 220 Grad verarbeitet, während es in der Industrieproduktion 400 Grad und mehr sind. Dafür dauert der Prozess in Eckarts Kaffeerösterei 15 bis 17 Minuten und damit sehr viel länger als der Zwei-Minuten-Durchlauf in der Industrie.

Das sehr viel schonendere Röstverfahren hat zur Folge, dass das Endprodukt bekömmlicher wird. „Ich vertrage den Industriekaffee nicht“, sagt Dagmar Eckart von sich selbst. Menschen mit empfindlichem Magen sind es auch mitunter, die auf der Suche nach Alternativen zu den industriellen Produkten auf sie kommen.

Dagmar Eckart hat sich gründlich auf ihre Existenzgründung vorbereitet, Röstereien in Mederbach im Sauerland und im hessischen Kehna besucht, sich außerdem an einer Fachschule, der Berlin School of Coffee, umgetan. Heute kennt sie sich mit den unterschiedlichen Röstprofilen jeder Kaffeesorte aus. Zugleich begrenzt sie die Auswahl der Bohnen auf etwa 20 Sorten verschiedener Rohkaffees. Die kommen aus allen wichtigen Anbaugebieten der Welt, aus Asien, Mittel- und Südamerika und aus Afrika.

Viele der Pakete mit den Bohnen werden über Importeure angeliefert, die in Hamburg und Bremen ansässig sind. Aber auch Direkthandel spielt eine Rolle. Er wird von der Röstereigilde vermittelt, in der sich die Betriebe zweimal im Jahr treffen. „Daraus erwachsen dann Handelsbeziehungen“, sagt die Erkneranerin. Und manches mehr: Am 6. Januar reist sie für acht Tage mit anderen Röstern zu einer Kooperative nach Kenia. „Wir schauen uns den Ursprung des Kaffees an, von der Pflanze bis zur Ernte“, sagt die Geschäftsfrau. Für sie selbst ist es auch das erste Mal, dass sie eine Kaffeeplantage sieht.

Was den Verkauf ihres Kaffees angeht, ist Dagmar Eckart breit aufgestellt. Das kleine Ladengeschäft mit dem Röster und der Espresso-Maschine wie in Italien spiele eine große Rolle. „Ich habe vor allem Stammkunden“, sagt sie. Größere Mengen setzt sie indes durch die Zusammenarbeit mit gewerblichen Abnehmern ab. Dabei sucht die Erkneranerin die lokale Vernetzung. Einer ihrer wichtigsten Kunden ist die Traditionsbäckerei Vetter, die in Erkner und im benachbarten Woltersdorf drei Filialen mit Café betreibt. Eine Ballettschule gehört dazu, das Kino, ein Geschenkeladen. Seit Mitte November hat Dagmar Eckart einen Stand mit einer kleinen Auswahl ihrer Produkte im Edeka-Markt in Berlin-Friedrichshagen und inzwischen gibt es auch ein Regal mit ihren Produkten im neueröffneten Markt in Erkner, So etwas ist eine Gratwanderung, das Angebot darf nicht zu groß sein. „Sonst mache ich mir selber Konkurrenz“, weiß die Geschäftsfrau.

Mit Marken-Kreationen wie der Erkneraner, der ein Mix aus brasilianischen, kolumbianischen und indischen Bohnen ist, appelliert sie an die Heimatverbundenheit. Immer noch betreibt sie ihr Geschäft zum größten Teil allein, hat aber seit einem Jahr eine Angestellte.

Teil der regionalen Vernetzung ist auch, dass seit Mitte November eine Zapfstelle für frische Hofmilch eingerichtet ist. Die Milch kommt von der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz. Wer mag, kann bei ihr künftig die Milch kaufen. „Nur pasteurisierte, die nicht homogenisiert ist, schmeckt schon besser zum Kaffee“, sagt die Rösterin aus Erkner.

Allein aus der Region lässt sich das Geschäft indes nicht betreiben: Ein Online-Shop gehört auch dazu. Dort bestellen vor allem Privatpersonen, und einige davon verdankt die Unternehmerin dem Bildungszentrum Erkner. Das große Schulungshotel hat immer wieder Seminarteilnehmer aus ganz Deutschland zu Gast. Und welchen Kaffee trinkt sie selbst am liebsten? „Jeden Tag einen anderen“, sagt Dagmar Eckart.

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