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Förderung
Rückschlag für den Flakensteg

Verrottet seit zehn Jahren: der Flakensteg.
Verrottet seit zehn Jahren: der Flakensteg. © Foto: Joachim Eggers
Joachim Eggers / 12.01.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 12.01.2019, 15:13
Erkner (MOZ) Die BemühungenumStädtebau-Fördermittel für die Rekonstruktion des Flakenstegs haben einen Rückschlag erlitten: Das Land hat das Projekt auf Priorität Null gesetzt. Zugleich macht das Ministerium anderweitig Hoffnung.

„Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich ihn“, sagt Lothar Eysser: den Flakensteg. Der Anblick ist ein betrüblicher. Seit November 2009, also fast zehn Jahre schon, steht die einstige Fußgänger- und Radfahrerbrücke am Rand des Flakenfließes. Dorthin wurde der Steg abgestellt, nachdem er drei Jahre zuvor Knall auf Fall hatte gesperrt werden müssen: akute Einsturzgefahr.

Eysser kämpft fast ebenso lange, wie der Steg da steht, für seinen Wiederaufbau, aber er ist nicht der einzige. Er ist Vorsitzender eines eigens gegründeten Fördervereins, der sich dem Wiederaufbau des denkmalgeschützten Bauwerks verschrieben hat – auch, weil es ein Stück altes Erkner darstellt, von dem so wenig erhalten geblieben ist, auch wegen der technikgeschichtlichen Bedeutung des Bauwerks, die mittlerweile mehrfach von sachkundiger Seite bestätigt worden ist. Allerdings ist es auch ein Riesen-Brocken, der da zu stemmen ist: Benötigt wird eine Summe, die inzwischen auf 800 000 Euro geschätzt wird.

Die vielfältigen Bemühungen des Vereins trugen auch zu einem seinerzeit kontrovers debattierten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung – Vorsitzender: Lothar Eysser – vom Oktober 2017 bei. Mit diesem Beschluss kam das Projekt Wiederaufbau des Flakenstegs auf die Wunschliste der Stadt für Fördermittel aus dem Programm Aktive Stadtzentren (ASZ). Für Erkner ist die Aufnahme in dieses Programm ein großer Erfolg, die Stadt spielt damit sozusagen in einer höheren Fördermittel-Liga mit als bisher. In den Beschluss von 2017 setzten Eysser und seine Mitstreiter große Hoffnungen. Die sind jetzt zunächst einmal bitter enttäuscht worden.

Denn das Ministerium hat den Wiederaufbau auf Priorität Null gesetzt, wie Bürgermeister Henryk Pilz berichtet. Darüber hat er am Mittwochabend auch eine eigens einberufene Mitgliederversammlung des Fördervereins informiert. Die Stadt will nach Aussage des Bürgermeisters aber an dem Förderantrag festhalten. Die Begründung des Ministeriums habe damit zu tun, dass es nicht den Bezug des Stegs zu Erkners Zentrum für gegeben halte, sagt Pilz. Dabei spielt auch der beklagenswerte Zustand des Geländes um die Baekeland-Brücke eine Rolle. „Das ist wie eine Barriere.“ Dort liegt die Stadt seit vielen Jahren mitGrundstückseigentümern im Clinch.

Bei Eysser, der erst kürzlich seinem Unmut über das lange Schweigen des Potsdamer Infrastrukturministeriums auf seine Anfragen in dieser Sache Luft verschafft hat, ist nun just am Tag nach der Mitgliederversammlung ein ausführliches Schreiben einer Referatsleiterin des Ministeriums eingetroffen. Dieser Brief macht Eysser wieder Hoffnung.

Das Ministerium erkennt darin an, dass der Wiederaufbau des Flakenstegs aus touristischer Sicht ein Baustein sein könnte, um eine Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Naherholungsgebiet östlich der Löcknitz zu schaffen. „Hierüber könnten Fördermittel generiert werden“, steht in dem Schreiben. Eysser weiß natürlich: Das würde bedeuten, dass noch eine weitere Brücke über die Löcknitz gebraucht würde, zum Beispiel vom Ende der Schiffbauerstraße aus. Das wäre aus seiner Sicht aber ein äußerst begrüßenswertes Projekt. „Das wäre von großem Nutzen auch für die Woltersdorfer“, sagt Eysser.

Der Verein und die Stadt wollen weiter nach Fördermöglichkeiten suchen. Der Verein will jetzt an die Universität Cottbus herantreten, an der schon eine Masterarbeit über den Steg entstanden ist. Die Idee: Es könnte eine weitere Arbeit geben, deren Gegenstand die Finanzierung des Wiederaufbaus ist. Eher kurzfristig strebt Eysser an, dass an dem verrottenden Denkmal ein Schild steht, das darüber aufklärt, was da los ist. Denn beim Blick aus seinem Fenster sieht Eysser auch Wandergruppen, die darüber rätseln.

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