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Steigende Stromkosten seien immer eine zusätzliche Kostenbelastung

Jörg Steinbach
Wirtschaftsminister besucht das Schwergewicht der Stahlstadt

Premiere: Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (l.) ließ sich am Montag von Ralf-Peter Bösler von der Geschäftsführung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt das  Warmwalzwerk erklären. Das nächste Mal wolle er sich den Hochofen ansehen.
Premiere: Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (l.) ließ sich am Montag von Ralf-Peter Bösler von der Geschäftsführung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt das  Warmwalzwerk erklären. Das nächste Mal wolle er sich den Hochofen ansehen. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 12.02.2019, 07:00 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Begeistert, aber mit einem vollen Hausaufgabenheft ist Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach am Montag von Eisenhüttenstadt nach Potsdam zurückgekehrt. Zuvor hatte er dort Gespräche bei ArcelorMittal und schaute sich das Warmwalzwerk an.

„Es ist super“, zeigt sich Wirtschaftsminister Jörg Steinbach beeindruckt, als er im Warmwalzwerk von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH) die goldglühenden Stahlbrammen an sich vorbeizischen sieht. Am Anfang sind die noch 22,5 Zentimeter dick und bis zu zwölf Meter lang. Am Ende der Walzstrecke wird schließlich 2,2 Millimeter dünnes Warmband aufgewickelt. Aus zwölf Metern sind dann mindestens 800 geworden. Die Kräfte, die da wirken, das sei schon beeindruckend, sagt der Minister, der sich am Montag bei seinem Antrittsbesuch bei AMEH einen ersten Überblick über Arbeitsprozesse und die Herausforderungen für die Stahlindustrie verschafft hat.

Im Gespräch mit Mitgliedern der Geschäftsführung standen Themen zur Industrie- und Handelspolitik sowie zum Klimaschutz auf dem Programm. „Was mich begeistert hat, das ist der Innovationsgeist, den ich hier gespürt habe“, betont Steinbach. In Eisenhüttenstadt würde man sich auch um moderne Produkte kümmern. ArcelorMittal sei das wirtschaftliche Rückgrat der gesamten Region, die Stahlbranche ein echtes Schwergewicht in Brandenburg. Damit das so bleibe, müsse man für die Stahlindustrie Rahmenbedingungen schaffen, die wirtschaftliches Arbeiten weiterhin ermöglichen. Sonderregelungen gegen Dumpingpreise von ausländischen Anbietern, die auf den europäischen Markt drängen, müsse es ebenso geben wie einen sicheren Strompreis und Netzentgelte auf dem jetzigen Niveau. Auf die Frage, ob er das für realistisch hält, meint Steinbach: „Wenn ich nicht Optimist wäre, würde ich hier nicht stehen. Für mich gibt es nur halbvolle Gläser.“

Etwas, das Frank Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung von ArcelorMittal Germany, gern hört. „Es macht uns Sorgen, dass Energiepreise nur eine Richtung kennen, und zwar die nach oben“, sagt er. „Wir bauen darauf, dass die Rahmenbedingungen von der Landes- und der Bundesregierung so gesetzt werden, dass wir dort kompensiert werden und wir wettbewerbsfähige Strukturen erhalten können.“ Steigende Stromkosten seien immer eine zusätzliche Kostenbelastung. Was das Thema Kohleausstieg betrifft, erklärt Schulz: „Wir stellen uns der Aufgabe des Klima- und Umweltschutzes. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, neue Technologien zu entwickeln, wie wir von Kohle wegkommen können.“ Da gebe es viele Ideen, bei denen man nun schauen müsse, wie sie in die Praxis überführt werden könnten. Wie die Landesregierung dabei helfen könnte, spielte bei dem Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ebenfalls eine Rolle.

Genau wie die Fachkräftesicherung. „Für mich ist ein entscheidender Faktor, ob sich ein Unternehmen der Ausbildung stellt“, betont der Wirtschaftsminister. Das sei immer ein Zeichen dafür, dass der Standort lebe. Wenn jemand nicht mehr in die Jugend investiere, müsse man sich Sorgen machen. Dass es bei AMEH neben den rund 2700 Beschäftigten auch 185 Auszubildende gibt, nimmt er wohlwollend auf. Doch aufgrund der demografischen Entwicklung ist ihm zufolge absehbar, dass es in der Region nicht ausreichend junge Menschen gibt, um den Bedarf der Wirtschaft zu decken. „Wir müssen sie anlocken“, sagt Steinbach. Das sei eine Herausforderung, die man gemeinsam mit dem Landkreis und der Kommune angehen müsse und die bis in die Familienpolitik hineinreiche. Künftig könnte es ein Azubi-Ticket geben, dass Jugendlichen Kultur in Berlin zum erschwinglichen Preis ermöglicht.

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