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Heimatgeschichte
Gosens geheime Stadt

Zeitzeuge: Fritz-Jürgen Peters war Bauleiter des riesigen Stasi-Objektes in den Gosener Bergen.
Zeitzeuge: Fritz-Jürgen Peters war Bauleiter des riesigen Stasi-Objektes in den Gosener Bergen. © Foto: Marion Thomas
Marion Thomas / 14.05.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 14.05.2019, 09:27
Gosen (MOZ) Als Junge spielte er mit seinen Freunden jedes Wochenende in den Gosener Bergen, "Abenteuer pur", schwärmt Ralf Schuster noch heute. Seine Eltern liebten als Laubenpieper die Erholung im Grünen. "Ich erinnere mich noch, wie enttäuscht wir Jungs waren, als da plötzlich ein Zaun stand."

So ging es wohl vielen, die ihre Berge am Rande des Seddinsees als beliebtes Ausflugsziel sahen. Und dann der Zaun, der Anfang der 1980er-Jahre viel Unruhe auslöste und Fragen aufwarf. "Datschen für die Bonzen", hieß es hinter vorgehaltener Hand. "Die können sich alles erlauben. Unsere Berge sind weg", sagte man. Eingaben wurden abgetan und die Bürger als "Nörgler und Miesmacher" bezeichnet.

All diesen Vorgängen ging eine Gruppe des Gosener Heimatvereins auf den Grund. Zwei Jahre beschäftigten sich Vereinschef Bernd Hüning, Brigitte Gelbke, Gerfried Bienert, Sabine Creutzberg und Axel Funk mit dem geheimen Areal in den Bergen. "Uns trieb nicht nur das historische Interesse", erzählt Sabine Creutzberg, "auch die Neugier der Bürger war ungebrochen." Das Ergebnis präsentierten sie im Kinosaal am Ort des Geschehens. Rund 300 Neugierige – so wie Ralf Schuster – waren gekommen. "Ich bin seit 2001 Gosener", sagt er. "Klar war ich inzwischen hier mal spazieren, aber mich interessiert sehr, was nun wirklich war."

In ihrer Freizeit haben die Geschichtsfreunde in unzähligen Akten gestöbert, werteten endlos scheinende Dokumente aus, befragten Zeitzeugen, um ein vielschichtiges Bild zu zeichnen. Fragen nach dem Warum und Wozu wurden ebenso gestellt wie nach den Folgen für den Ort und seine Bewohner. Mit historischen Dokumenten, Fotos und Filmen ließen sie Geschichte lebendig werden. Außerdem berichtete der einstige Bauleiter Fritz-Jürgen Peters von seiner Tätigkeit an diesem Riesen-Objekt, für das ihm ein Budget von 700 Millionen DDR-Mark zur Verfügung stand.

Filzpantoffeln am Eingang

Das als "Kombinat K81" bezeichnete Stasi-Objekt war als "Ferienobjekt des DDR-Ministerrats" getarnt und streng geheim. So rankten sich zahlreiche Spekulationen darum, sogar Raketen wurden dort vermutet. Aber im Grunde war es eine kleine Stadt "unter einer Käseglocke", wie Brigitte Gelbke sagte. Die Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) hatte für den Ernstfall Bunker angelegt, worin die Staatsführung bis zu 36 Tage überleben sollte. Besonders skurril: Auch die hohen Herren sollten in diesen Katakomben Filzpantoffeln tragen, die am Eingang bereitstanden.

Auch Bungalows und Einfamilienhäuser, unter anderem für den damaligen HVA-Chef Markus Wolf, sowie eine Steganlage wurden gebaut. Außerdem entstand eine Hochschule für Auslandsagenten, die 1988 eingeweiht wurde. Auf dem mit doppeltem Zaun und Patrouillenpfad gesicherten Gelände fehlte es an nichts: Neben Bunkeranlagen, die unter Lagerhallen getarnt wurden, und Wohn- und Schulungsräumen gab es ein Versorgungszentrum nebst Einkaufsladen und Friseur, Ärzte und Physiotherapie, Sportstätten, Gaststätte, Kino, Schwimmhalle und Schießstand, sogar ein Wasserwerk, eigene Stromversorgung und ein Klärwerk.

Nach der Wende versuchten die Gosener, das Gelände für die zivile Nutzung zu erhalten. Die Berliner Humboldt-Universität betrieb es zunächst als Kongress-Zentrum. Doch der Betrieb wurde immer unrentabler. 1993 schloss das Objekt – und verfiel. Erst in den vergangenen zehn Jahren zog wieder Leben ein: Die Paasche Grundbesitz AG kaufte das Areal, schaffte in den Plattenbauten attraktive Wohnungen.

Aus seinen Recherchen möchte der Heimatverein nun einen Film produzieren, der dann im Heimatmuseum sowie im Internet zu sehen ist. Ab Sommer wird es auch wieder Führungen durch die Bunkeranlagen geben.

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