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Personalie
Tagesmutter Hanni hört auf

Annnette Herold, Joachim Eggers / 12.07.2019, 06:00 Uhr
Erkner (MOZ) Stefanie Röseler und Charlott Garsie haben Blumen und eine Kaffeemaschine mitgebracht. Die beiden Mütter warten in der Scharnweberstraße auf die vereinbarte Minute, um die Tagespflege von Johanna Raese zu betreten. Es wird eine kleine Abschiedsfeier. Denn nach 17 Jahren hört die 63-Jährige auf und geht in Rente.

Damit gibt es in Erkner nur noch eine Tagespflegestelle, die von Cindy Peter in der Löcknitzstraße. Früher waren es einmal zwölf. Übereinstimmend führen Johanna Raese und Cindy Peter diese Entwicklung auf die unattraktiven Bedingungen zurück.

Auch wenn sie sich ohnehin dem Rentenalter nähert – Johanna Raese hätte nach eigener Aussage noch ein bisschen weitergemacht. Faktisch hat sie die Zeit ihrer Berufstätigkeit schon verlängert, um die Kinder und ihre Familien nicht ohne Betreuung hängen zu lassen. Die Mütter, die am Donnerstag in die Räume in der Schwarnweberstraße kommen, sind dafür dankbar. Sie und ihre Kinder – alle zweieinhalb bis drei Jahre alt – sagen nur "Hanni", die Vertrautheit und Herzlichkeit im Umgang ist sofort zu spüren.

Für Johanna Raese war das Aus unvermeidbar, weil ihre bisherige Partnerin aufgehört hat. Allein lasse sich eine Tagespflege gar nicht betreiben. Aber auch die Bedingungen sind nach den Worten der langjährigen Tagesmutter ziemlich unattraktiv, und das, obwohl zum Jahresbeginn Verbesserungen gegriffen haben. So werden die Stunden theoretisch mit 10,70 Euro vergolten, vom Landkreis, der den Bedarf der Eltern feststellt.

Allerdings gelte das nur, wenn sie fünf Kinder mit 40 Stunden Betreuungsumfang habe, sagt Johanna Raese. "Das klappt aber fast nie" – weil die Eltern rasch kündigten, wenn sie einen der begehrten Kita-Plätze ergattert haben und sich diesen sichern müssen. Auch in anderen Aspekten wie Betriebskostenerstattung und Beiträgen zu Sozialversicherungskassen beschreibt sie die Bedingungen als wenig attraktiv. "Diesen Beruf kann man nur ausüben, wenn man ihn sehr mag", sagt sie. Dabei gebe es inzwischen wenigstens ein Anrecht auf Krankentage.

Cindy Peter, die Ko-Betreiberin der letzten verbleibenden Tagespflege-Einrichtung, hat just am Donnerstagnachmittag mit Kindern und Eltern ein Sommerfest im Rathauspark veranstaltet. Dass dort eine Hüpfburg zur Verfügung stand, war ein Glücksfall, wie sie berichtet: Eine Familie hat voriges Jahr beim Heimatfest einen Gutschein dafür gewonnen und ihn der Tagespflege gespendet. Nur so sei dergleichen möglich, sagt Cindy Peter. Ihre Tagespflegestelle sei inzwischen völlig überlaufen.

Ein Fest mit Ehemaligen

Die meisten Kinder, die heute noch bei Johanna Raese betreut werden, wechseln in die Kita Scharnweberstraße. Weil die Eltern mit Johanna Raese so zufrieden waren, haben sie sich eine Überraschung überlegt und für eine große Abschiedsfeier am 4. August so viele ehemalige Kinder aus 17 Jahren zusammengetrommelt, wie sie nur finden konnten.

Kontakt: Wer noch mitmachen will, kann sich bei Stefanie Roeseler(stefanie.roeseler@t-online.de) melden.

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