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Mit dem Herbst kommen weniger Ausflügler an die Woltersdorfer Schleuse. Um ihre Lokale dennoch zu füllen, setzen die Wirte auf Kultur.

Gastronomie
Bier und Krimis als Lockstoff

Annette Herold / 08.10.2019, 21:39 Uhr - Aktualisiert 10.10.2019, 13:57
Woltersdorf (MOZ) Gutes Bier braucht Zeit. Gerd Goldbeck lässt seiner neuesten Kreation bis zum ersten Advent. Dann soll das Weihnachtsbier ausschankreif sein. Der Brauer und Mälzer hat es am Dienstag, einen Tag vor seinem 45. Geburtstag, in der Woltersdorfer Schleusenwirtschaft eingebraut. Diverse Arbeitsschritte sind notwendig, bis es in Ruhe reifen kann.

Dann bleibt Gerd Goldbeck, abzuwarten und hin und wieder zu probieren, was sich im Gärtank entwickelt. Ein untergäriges, bernsteinfarbenes Starkbier mit einem Alkoholgehalt von sechs Prozent soll es werden – ohne irgendwelche Weihnachtsgewürze, da ist der Brauer Purist. "Die gehören für mich nicht ins Bier", sagt Gerd Goldbeck.

Flüssiges Markenzeichen

Was da im Obergeschoss des Lokals am Flakensee gebraut wird, soll eines der Markenzeichen der Schleusenwirtschaft werden. Denn für Geschäftsführer Martin Müller ist klar: Besondere Angebote erleichtern es den Gastronomen um die Schleuse, im Herbst und im Winter Gäste zu gewinnen. In den warmen Monaten, wenn Ausflügler mit der Straßenbahn, dem Dampfer, zu Fuß oder per Fahrrad an die Schleuse kommen, gebe es dort genug Gäste für ein weiteres Restaurant, spitzt Martin Müller zu.

Mit einem erweiterten Kulturangebot will er die Schleusenwirtschaft mehr ins Gespräch bringen. Mit Erfolg, wie es scheint: Der Leonard-Cohen-Abend im Haus sei so gut wie ausverkauft. Am 8. November sollen Nostalgie-Fans dabei auf ihre Kosten kommen – bei einem Ufa-Abend mit dem Titel "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern." Am 15. November ist eine Pop-Classic-Dinner-Show geplant, weitere kulturelle Veranstaltungen sind angekündigt. Im Haus Gebrautes soll am 31. Oktober einen besonderen Auftritt haben: beim Biertasting mit Brauer Goldbeck.

Manches mehr sei theoretisch möglich, sagt Martin Müller, scheitere aber am Personal. Fachkräfte seien so gut wie nicht zu finden, auch Auszubildende nicht. "Wir würden sofort einstellen", sagt der Geschäftsführer.

Ähnlich äußert sich Torsten Deutrich, Geschäftsführer des Hotels Kranichsberg nebenan. Seit anderthalb Jahren sei er auf der Suche nach einem in Hotel und Restaurant einsetzbaren Mitarbeiter, bisher ohne Erfolg. In Sachen Nachwuchs sieht es etwas besser aus: Eine Restaurantfachfrau und zwei Fachkräfte für das Gastgewerbe werden gerade im "Kranichsberg" ausgebildet – und Torsten Deutrich hofft, den Nachwuchs im Haus halten zu können.

Kulturelles bietet auch das Hotel "Kranichsberg", seit Jahren in Kooperation mit dem Woltersdorfer Verschönerungsverein. "Das hat sich bewährt", sagt der Hotelier. "Der Verein kümmert sich um die Künstler und die Werbung, wir sorgen für das Essen."

Qual der Wahl

Was die Kultur angeht, haben Woltersdorfer Lokalbesucher ohnehin die Qual der Wahl. So finden unter anderem auch im Restaurant Klabautermann und in der "Liebesquelle" Veranstaltungen statt. Das Interesse der Gäste sei enorm, ist dort zu erfahren. Eingeladen wird unter anderem zum Kriminaldinner am 22. November in der "Liebesquelle".

Gehen Sie gern in Gaststätten?

Katrin Fehlberg (53) aus Vogelsdorf: "Meistens gehen wir essen, wenn es dazu einen schönen Anlass gibt, manchmal möchte ich mir damit aber auch etwas Gutes tun. Extra Kulturprogramme sind aber nicht nötig, uns geht es eher darum, in Ruhe zu genießen."

Christoph Albert (64) aus Woltersdorf: "So ein Gaststättenbesuch hin und wieder ist doch etwas Schönes! Wert lege ich auf nettes Personal, eine freundliche Atmosphäre und ein gutes Angebot. Kultur im Lokal kann auch geboten werden, aber da bin ich wählerisch. "

Monika Brückner (65) aus Erkner: "Wir sind nicht so die Gaststätten-Gänger. Ich koche sehr gern, und wenn ich das Essen selber zubereite, weiß ich auch, dass frische Zutaten verarbeitet sind. Gerade habe ich Spinat mit Rührei und Salzkartoffeln gekocht."

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