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Die Erkneraner Stadtverordneten geben ein erstes Votum für das Areal "Am Rund" im Norden der Stadt ab. Die Debatte war kontrovers.

Schwere Wahl
Erkners Stadtverordnete geben erstes Votum für Schulstandort ab

Symbolbild
Symbolbild © Foto: pixabay
Kerstin Ewald / 07.11.2019, 07:00 Uhr
Erkner (MOZ) Am Dienstag tagten Erkneraner Stadtverordnete in einer AusschussSondersitzung zum künftigen Standort der dringend benötigten neuen  Grundschule. Dabei ging es hoch her. Die Verantwortung lastete Kommunalpolitikern sichtlich schwer auf den Schultern, zumal sich viele von Seiten der Verwaltung noch nicht ausreichend informiert fühlten. Nach gut dreistündiger Debatte ergab sich ein eindeutiges Meinungsbild: Die meisten Stadtverordneten hoben die Hand für einen Neubau "Am Rund". Die Standortfrage könnte letztendlich bei der Stadtverordnetenversammlung im Dezember entschieden werden.

Unzählige Kriterien

Insgesamt 19 Mitglieder der Ausschüsse für Stadtentwicklung, Bildung und Soziales sowie Finanzen und Tourismus berieten da im Rathaus. Mit dabei waren Bürgermeister Henryk Pilz und Mitarbeiter seiner Verwaltung. Clemens Wolter, stellvertretender Bürgermeister und im Rathaus zuständig für Bau und Stadtentwicklung, fasste in seiner Eingangspräsentation Vor- und Nachteile der zur Wahl stehenden Standorte zusammen. Nur noch zwei Baufelder kommen noch in Frage. Neben dem großzügig geschnittenen Areal "Am Rund" steht eines neben der Morus-Oberschule an der Gerhart-Hauptmann-Straße zur Debatte. Dort gibt es allerdings nur beschränkt Platz. "An beiden Orten wäre relativ kurzfristig ein Schulneubau realisierbar", erklärte Clemens Wolter. Der städtische Baufachmann benannte wesentliche Unterschiede der Standorte.

Baue man neben der Morus-Schule, ergebe sich die Chance, dort gemeinsam mit dem Landkreis Oder-Spree ein Schulzentrum zu entwickeln. Die Vorteile eines solchen Komplexes wurden von der Stadtverordneten Erdmute Scheufele (Grüne) herausgestellt. Die Kommunalpolitikerin war eine von nur zwei Abgeordneten, die für den Standort an der Gerhart-Haupmann-Straße stimmte: "Ich spüre zwar den Impuls für eine Schule im Grünen", erklärte sie, "doch die Argumente für ein Schulzentrum wiegen schwerer in puncto Inklusion und Durchlässigkeit der Schularten". Schützenhilfe bekam sie insbesondere von Besucherin Rita-Sybille Heinrich, Kreistagsabgeordnete. Sie betonte: "Ein Schulzentrum wird es nur geben, wenn die neue Schule bei der Morus-Schule entsteht." Verzichte die Stadt darauf, vergebe man Zukunftschancen der Kinder. Ein Angebot wie ein Technisches Abitur könne beispielsweise nur in einem Schulzentrum entwickelt werden.

Informationslage bemängelt

Bürgermeister Pilz sprach allerdings von Risiken der Verzögerung, würde man die Schulplanung vom Landkreis als Partner abhängig machen. "Wir müssen unsere Schule schnell bauen, das ist unsere Pflichtaufgabe!", betonte er. Mehrere Stadtverordnete zeigten an dem Abend ihre Unzufriedenheit über fehlende Informationen. Die Fraktion der Grünen hatte sich im Vorfeld der Sitzung "fehlende Kriterien zur Standortauswahl" kritisiert.

Rita-Sybille  Heinrich und Sebastian Heinrich (Sachkundiger Einwohner im Bildungsausschuss) waren Mitverfasser einer Liste mit Fragen, bei denen es unter anderem um die Einzugsbereiche der künftigen Schüler ging. Auch sie sahen ihre Fragen nicht ausreichend beantwortet. Der Vorwurf gipfelte in der Aussage von Michael Voges (Linke): "Die Verwaltung hat ihre Hausaufgabe nicht gemacht!" Vize-Bürgermeister Wolter bewertete die Frage des Wohnortes allerdings als weniger erheblich. "Bauen wir eine Schule Am Rund werden sicher auch Schüler aus Mitte diese besuchen, der Verkehr in Erkner wird dadurch aber nicht beträchtlich zunehmen." Die Schulwegsicherheit für die Fußgänger könnte bei beiden Optionen hergestellt werden.

Kommentar: Mut von Nöten

Die Grundschulbildung gehört zu den Herzstücken der Kommunen. Unzählige Gesichtspunkte wie Platzbedarf, Schulwege, Verkehr, mögliche Synergien mit bestehenden Schulen, Beschaffenheiten der Grundstücke spielen eine Rolle. Kein Wunder, dass sich die Abgeordneten die Entscheidung über den Standort besonders schwer machen. Einige Stadtverordnete fordern sogar, die Festlegung auf ein pädagogisches Konzept  müsse noch vor der Standortentscheidung stehen.

Die wenigsten Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitglieder werden in ihrer Wirkungszeit eine Schule "gebaut" haben. Nun muss unter Zeitdruck entschieden werden, denn die Schule soll 2022 ihren Betrieb aufnehmen. Verständlich, dass unter den Umständen Prozesse etwas holprig verlaufen. Alle wollen gute Bildung, ordentliche Schulgebäude statt Lernen in Containern, motivierte Lehrer etcetera.

Jetzt ist Mut von Nöten auf der vorhandenen Grundlage, kurzfristig eine Entscheidung zu treffen. Viel  Zeit, Mühen sowie kooperatives Vorgehen lohnt es in die Schulkonzeption zu investieren. Viele Gemeinden im Speckgürtel haben bereits moderne Lernorte geplant. Von ihnen sollte man lernen. Sie können ein Beispiel sein.⇥Kerstin Ewald

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