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Hobby
Immer mehr Jüngere imkern im Verein Rüdersdorf-Schöneiche

Annette Herold / 14.02.2020, 03:00 Uhr
Schöneiche (MOZ) So langsam muss ihnen mächtig die Blase drücken. Seit Monaten haben die Bienen ihre Stöcke, die im Woltersdorfer Garten von Andreas Kamprad stehen, nicht verlassen. Nun wird es höchste Zeit für den sogenannten Reinigungsflug, wie der Vorsitzende des Imkervereins Rüdersdorf-Schöneiche berichtet.

Bedeutet: Die Bienen müssen dringend ihre Kotblasen entleeren, denn ihren Bienenstock halten sie von Exkrementen sauber. Sobald die Temperaturen über die Zehn-Grad-Marke steigen, und damit rechnet der Imker an diesem Wochenende, müssen sie unbedingt ins Freie.

Die Insekten haben den Winter nicht untätig verbracht, auch wenn ihre Hoch-Zeit erst mit der Pflanzenblüte beginnt. Jetzt sind sie vor allem damit beschäftigt, den Bienenstock und damit ihre Königin warmzuhalten. Durch Muskelkontraktionen heizen die Tausenden Insekten den Stock auf kuschelige 35 Grad Celsius hoch, wie der Schöneicher, ebenfalls Imker und auch im Verein aktiv, berichtet.

Für darin organisierte Imker bietet der Winter Gelegenheit, sich fachlich weiterzubilden – und für die Arbeit im aus der 1965 gegründeten Imkersparte Rüdersdorf hervorgegangenen Verein. Der ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und hat sich zudem noch sehr verjüngt. Seit 1999 ist die Mitgliederzahl von 9 auf 30 gestiegen, das Durchschnittsalter von 72 auf 54 Jahre gesunken. Und die Imkerei sei längst keine Männerdomäne mehr: Immer mehr Frauen finden Gefallen an diesem Hobby, berichtet Vereinschef Kamprad.

Der Zuwachs habe auch der Vereinsarbeit Aufwind verschafft. Die Mitglieder arbeiten an einer eigenen Webseite und planen Flyer, um noch mehr Menschen von einer Mitarbeit zu überzeugen. Für Andreas Kamprad liegen die Vorteile auf der Hand, auch wenn eine Vereinsmitgliedschaft keine Voraussetzung für das Halten von Bienen ist. Der fachliche Austausch ist für den Woltersdorfer, selbst seit fünf Jahren dabei und nach eigenen Worten immer mehr von den kleinen Nektarsammlern fasziniert, ein ganz entscheidenendes Argument. Im Kreise Gleichgesinnter finde sich immer eine Antwort auf Fragen zum Thema.

Immer am ersten Monat treffen sich die Imker am ersten Mittwoch im Monat, 19 Uhr, in der Schöneicher Kulturgießerei zum Stammtisch. Neu-Imker Michael Rumpel aus Berlin-Köpenick ist froh über diese Runde, in der er schon manchen guten Rat erhalten hat. Gerade startet er in sein zweites Bienen-Jahr. Das erste war schon recht erfolgreich, auch wenn er wie jeder Anfänger Lehrgeld zahlen musste. Rumpels Ausbeute: Knapp 30 Kilogramm Honig. "Der hat richtig gut geschmeckt", erzählt er, und dass Honig nicht sein einziges Vergnügen an der Imkerei ist. Gern setze er sich an warmen Tagen auf einen Stuhl vor seine Bienenstöcke und lausche dem Summen von deren Bewohnern. "Das ist richtig beruhigend."

Jüngere Leute finden vor allem wegen des Naturschutzes zur Imkerei, hat Andreas Kamprad beobachtet. Knut Neubert pflichtet ihm bei und schildert, dass sich das Hobby selbst in den vergangenen Jahren enorm gewandelt habe. Längst gibt viele Möglichkeiten, den Bienen Heimstatt zu geben. Und die Zeiten, in denen sich Imker nur in Schutzkleidung an die Stöcke heranwagen können, sind bei vielen Rassen auch vorbei. "Denen ist das Aggressive weggezüchtet worden", sagt Knut Neubert. Anderenfalls sei etwa Stadtimkerei auf Hausdächern auch gar nicht möglich.

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