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Handball
Doppelte Zwangspause beim Grünheider SV

Kai Beißer / 18.03.2020, 05:45 Uhr - Aktualisiert 18.03.2020, 10:14
Grünheide (MOZ) Tom Griebsch klingt am Telefon keineswegs deprimiert. "Ich fühle mich sehr gut, es geht jeden Tag ein bisschen besser", sagt der 29-jährige Rückraumspieler, der sich vor fünfeinhalb Wochen im Auswärtsspiel beim HSV Insel Usedom den Mittelhandknochen des Mittelfingers der linken, seiner Wurfhand gebrochen hatte. "Ich habe den Kopf eines Gegenspielers getroffen, dabei muss es passiert sein. Zum Glück ist es ein gerader Bruch, musste nicht operiert, nur konservativ behandelt werden."

Griebsch musste vier Wochen lang eine Gipsschiene tragen, die mittlerweile ab ist. "Ich merke, dass der Finger von Tag zu Tag beweglicher wird. Theoretisch sollte ich in zwei Wochen wieder voll belastbar sein." Allerdings wird dies nicht im Mannschaftstraining sein, denn das ist aufunbestimmte Zeit ausgesetzt. Der Handball-Spielbetrieb im Land ruht laut Verbandsbeschluss auf jeden Fall bis einschließlich 19. April.

Also heißt es, sich individuell fit zu halten, zum Beispiel mit Läufen und Radtouren. Die Voraussetzungen dafür sind ideal, schließlich ist der 1,93 Meter große Athlet mit der Rückennummer 90 – seinem Geburtsjahr – vor gut einem halben Jahr nach Grünheide gezogen. "Das war ein logischer Schritt. Es ist jetztmeine neunte Saison hier, da haben sich viele Freundschaften entwickelt, und zudem kommt meine Freundin aus der Region."

Lediglich der Arbeitsweg ist ein ganzes Stück länger: Tom Griebsch ist Physiotherapeut am Krankenhaus Potsdam, zudem übrigens ausgebildeter Gesundheitstrainer – Stichwort Prävention und Rehabilitation zum Beispiel bei Rückenbeschwerden – sowie Ernährungsberater. Noch allerdings ist er wegen seiner Verletzung krank geschrieben.

Das gilt auch für seinen Mannschaftskollegen Christoph Genilke. Der ebenfalls 29-Jährige ist vor zehn Tagen wegen eines Knorpelschadens am rechten Knie operiert worden. "Beim Montagstraining nach dem Spiel gegen den SV Brandenburg-West Mitte Februar ist das Knie extrem angeschwollen. Ich hatte schon vorher Probleme, bei den Sprints und dem jähen Abstoppen während der Übungseinheit muss dann noch mehr kaputt gegangen sein", erzählt der von Drittligist Oranienburger HC gekommene Rückraumspieler. "Es wurde im Ärztehaus am Stuttgarter Platz in Berlin eine Arthroskopie gemacht, der Knorpel ausgespült und geglättet."

Genilke ist schon oft von Verletzungen gebeutelt gewesen. "Allein am rechten Knie war es jetzt die dritte OP. Zuvor hatte ich mir zweimal das Kreuzband gerissen. Zu Saisonbeginn hatte ich links Probleme. Ich würde lügen wenn ich sage, nicht darüber nachzudenken, ob es vielleicht besser ist, meine Karriere zu beenden", sagt der Sachbearbeiter bei der TKK, der noch eine ganze Weile außer Gefecht gesetzt ist. "Vier Wochen lang muss ich eine Schiene tragen und das Bein hoch lagern, darf es nicht belasten und nicht beugen, muss es tatsächlich immer gestreckt halten, damit der Knorpel nicht wieder aufgeraut wird." Der Berliner erhält die erste Physiotherapie, der nächste Schritt wäre dann eine leichte Belastung auf dem Ergometer.

Phillip Hudewenz soll aushelfen

Am Donnerstag hatte sich die Grünheider Viertliga-Mannschaft zum vorerst letzten Mal getroffen, wurde besprochen, wie das individuelle Training zum Beispiel mit Stabilisierungsübungen, Intervallläufen und Krafttraining aussehen soll. Mit dabei war auch der reaktivierte Phillip Hudewenz: Der 26 Jahre alte, 1,69 m kleine Rechtsaußen war im Sommer verabschiedet worden, wollte mehr Zeit für seine Familie haben. Mittlerweile ist er zum zweiten Mal Vater geworden – und sollte dem GSV angesichts der angespannten Personalsituation im Schlussspurt der Saison und im Kampf gegen den drohenden Abstieg helfen.

Sollte deshalb, weil völlig unklar ist, ob das Spieljahr 2019/20 tatsächlich zu Ende gebracht wird. "Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen", sagt Tom Griebsch. "Egoistisch gedacht wäre es natürlich nicht das Schlechteste, wenn die Saison annulliert würde und wir nicht absteigen müssten. Für die Frauen hingegen wäre es eher blöd." Zur Erklärung: Die Verbandsliga-Damen des Grünheider SV stehen als Spitzenreiter der Nordstaffel ganz dicht vor dem Meistertitel und einem möglichen Aufstieg in die Brandenburgliga. "Es gibt ja verschiedene Szenarien", sagt Griebsch weiter, "vielleicht sollten in der nächsten Saison die Ligen aufgestockt werden, um eine möglichst faire Lösung zu finden." Auch Christoph Genilke weiß, "es käme uns natürlich entgegen, wenn es keinen Absteiger geben würde. Aber als Sportler ist es schade, wenn eine Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Wie auch immer: Beeinflussen können wir es ohnehin nicht."

Grünheider Torschützen

Mit 146 Treffern in 18 Spielen ist Tom Griebsch zweitbester Werfer der Oberliga Ostsee-Spree hinter Patrick Glende vom HSV Insel Usedom (186 Tore in 22 Partien). Linksaußen Moritz Kraft bringt es bei 20 Einsätzen für den GSV auf 83 Treffer, es folgenKonstantin Büttner (61/20), MarcRobin Hiesener (46/18).⇥kb

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