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Opferhilfe
Woltersdorfer Familie nach Einbruch massiv traumatisiert

Der Einbrecher war schnell weg, der Schock blieb lange: Der Weiße Ring half einer Familie aus Woltersdorf, die Angst zu überwinden. (Symbolfoto)
Der Einbrecher war schnell weg, der Schock blieb lange: Der Weiße Ring half einer Familie aus Woltersdorf, die Angst zu überwinden. (Symbolfoto) © Foto: Kai Remmers
Manja Wilde / 21.03.2020, 03:00 Uhr
Woltersdorf (MOZ) Ihre alte Handtasche mitten im Flur, die geschlossene Küchentür – schon als Simone S* die Haustür öffnet, ist ihr klar, dass etwas nicht stimmt. "Raus, raus, raus", ruft die Wolterdorferin ihrer Tochter zu. Es ist ein Sonnabendabend im Oktober 2018, der ihr Leben auf den Kopf stellt.

"Wir kamen von einer Feier und es war alles umgewühlt", sagt die 45-Jährige. "Die hatten alles aus den Schränken geschmissen, in die Zimmer der Kinder sind wir gar nicht reingekommen." Fotoalben lagen auf dem Boden. Die Kosmetik der Tochter schütteten die Täter aus. Bilder rissen sie von den Wänden. Tiefkühlkost warfen sie aus der Truhe.

Aufgewühlt ist Simone S. noch immer, wenn die Bilder in ihrem Kopf auftauchen. Darüber sprechen kann sie nun. Anfangs war das anders. Angstzustände und Alpträume quälten sie. Kam sie nach Hause, traute sie sich kaum, die Tür zu öffnen. "Der Weiße Ring hat uns sehr geholfen, ich bin den Mitarbeitern ganz, ganz dankbar", betont sie. "Wir haben einen Gutschein bekommen, mit dem wir zu einen Traumatologen  gehen konnten", sagt Simone S. Auch beim Gespräch mit der Versicherung war ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation dabei. Zudem unterstützte der Weiße Ring die Familie beim Kauf von Rollläden und schließbaren Fenstergriffen.

"Mit 7000 Euro haben wir geholfen, das muss alles mit Rechnungen belegt sein", sagt Karin Gutzmann. Die Fürstenwalderin leitet die Außenstelle des Weißen Ringes im Landkreis Oder-Spree. Acht ehrenamtliche Mitarbeiter gibt es dort. "Im Moment sind wir angewiesen, Opfer nur in äußerst dringenden Fällen aufzusuchen", sagt die 67-Jährige mit Blick auf die Corona-Krise. Auch die Landesveranstaltung "Ohne Furcht im Alter" wurde abgesagt. Anlässlich des Tags der Kriminalitätsopfer, der am 22. März begangen wird, war sie geplant.

Trost und Hilfe spenden die Ehrenamtler dennoch. "Meist werden die Opfer durch die Polizei darauf hingewiesen, auf uns zuzugehen", erklärt Karin Gutzmann. Gespräche, Schecks für die anwaltliche Erstberatung und finanzielle Hilfe bieten sie und ihre Kollegen an. Mitgliedsbeiträge, Spenden und Geld aus testamentarischen Verfügungen stehen dafür bereit. Zwischen 25 und 30 Fälle gibt es im Landkreis pro Jahr. Oft sind es Stalking-Opfer.

Hilfe für Missbrauchsopfer

Eine traurige Geschichte ist Karin Gutzmann noch besonders in Erinnerung. Ein Mann hatte seine Nichte missbraucht. "Das kam raus, weil das Mädchen schwanger wurde." Mit 15 Jahren. "Wir haben Geld gegeben, damit das Mädchen sein Zimmer neu einrichten konnte. Dort geschahen die Taten, es sollte nicht immer daran erinnert werden." Derzeit sitze der Täter in Haft. Das Opfer hat die Schule beendet, eine berufsvorbereitende Maßnahme begonnen – auch dabei konnte Karin Gutzmann helfen. Denn die heute 67-Jährige arbeitete lange im Integrationsfachdienst.

Zum Weißen Ring kam Karin Gutzmann 1998, als sie arbeitslos war und etwas Sinnvolles tun wollte. Seit 2007 leitet sie die Außenstelle. Wer dort ehrenamtlich tätig werden möchte, muss eine "stabile Persönlichkeit" und einen Pkw haben, übers Internet erreichbar sein, ein Führungszeugnis vorlegen, drei Fälle begleiten, ein Grundseminar besuchen, eine Informationsschulung belegen und weitere Aufbauseminare. Mit den acht Mitarbeitern sei Oder-Spree gut aufgestellt, sagt Karin Gutzmann. "Aber wir würden uns etwas junges Blut wünschen."

Notfall-Telefonnummer für Oder-Spree ist die 03361 551643. Weitere Infos gibt es unter www.weisser-ring.de

*Name der Redaktion bekannt

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