Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zivilcourage
Schöneicher Zeichen gegen Rassismus

Anke Beißer / 23.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 23.03.2020, 15:48
Schöneiche (MOZ) Für Sonnabend hatte das Bündnis für Demokratie und Toleranz zur Teilnahme am weltweiten Aktionstag gegen Rassismus aufgerufen. Wie im Jahr zuvor sollte auf dem Platz vorm Rathaus ein Zeichen gesetzt werden. Die Corona-Krise  gestattete kein Zusammenkommen für eine Demonstration. Ausfallen lassen wollte das Bündnis "ein deutliches Zeichen  gegen Rassismus, rechten Terror und die geistigen Brandstifter der AfD sowie für Solidarität, Respekt und eine offene Gesellschaft" aber nicht, heißt es auf der Homepage.  "Zumal", steht dort geschrieben, "kraftvolle Aktionen nach den rassistischen, antisemitischen, islamfeindlichen und extrem rechten Morden in Hanau, Halle und Kassel sowie angesichts der unmenschlichen Abschottungspolitik gegenüber Geflüchteten an der griechisch-türkischen Grenze dringend notwendig sind".

Plakate am Gartenzaun

Wer also mit offen Augen durch den Ort fuhr, konnte besagte Zeichen unter anderem in der Hubertusstraße, im Höhenweg, am Goethepark, in der Rahnsdorfer Straße und der Dorfaue entdecken. Lediglich Christina Felber war zu 12 Uhr zum verabredeten Treffpunkt ans Rathaus gekommen. "Ich guckte nicht so oft in meine E-Mails", räumte die 81-Jährige ein. Somit hatte die letzte Information sie nicht erreicht. "Von meinem humanistischen Standpunkt aus, ist es völlig egal, welche Hautfarbe ein Mensch hat", sagt die Schöneicherin. Diese Grundhaltung werde von viele Schöneicher gelebt und spiegele sich auch im Engagement der Kulturgießerei, des Heimatvereins, des Naturschutzaktivs und der Kirchenvertreter wider. In der Gemeindevertretung und der Verwaltung gebe es dafür große Akzeptanz, großen Rückhalt. "Wir wollen uns weltoffen und respektvoll zeigen, nicht umsonst nennen wir uns Waldgartenkulturgemeinde, was die Vielfalt im Ort versinnbildlicht."

Auf einer Holztafel am Grätz’schen Hof stand neben den Plakaten mit Kreide geschrieben: "Wir haben nur eine Welt!" Dass das so ist, zeige die aktuelle Situation auf eindringliche Weise, sind sich Claudia und Robert Buchallik einig. Rassismus und Antisemitismus trete nicht immer offen zu Tage. Erschreckend und zugleich alarmierend sei jedoch, wenn ältere Menschen pauschalisierend über Flüchtlinge reden, wo sie selber ähnliche Wurzeln haben, als Vertriebene hierher gekommen sind, erklärt die Schöneicherin. Die Corona-Krise mache deutlich, wie vernetzt wir weltweit sind, wie wir von einander abhängen. "Wir haben Angst um uns, müssen aber auch über den Tellerrand gucken", werben beide eindringlich um Solidarität.

Seit 1966 weltweite Aktionen

Zum Hintergrund des Aktionstages: Laut Wikipedia demonstrierten am 21. März 1960 rund 20 000 Menschen im südafrikanischen Sharpeville, der damaligen Provinz Transvaal nahe Johannesburg, friedlich gegen die diskriminierenden Passgesetze des damaligen Apartheid-Regimes. Die Polizei erschoss bei den Protesten 69 Demonstrierende, mindestens 180 wurden verletzt. Sechs Jahre später wurde das Datum zum weltweiten Aktionstag gegen Rassismus erklärt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG