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Familientradition
Amelie (6) aus Hartmannsdorf ist die jüngste Kaninchenzüchterin im Verein

Anke Beißer / 29.03.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 29.03.2020, 08:16
Hartmannsdorf (MOZ) Ein Leben ohne Rassekaninchen ist für Familie Zwink aus Hartmannsdorf undenkbar. Dank Amelie wird das auch noch eine Weile so bleiben. Denn das Mädchen ist im Januar sechs Jahre alt geworden und durfte somit in den Verein D842 aufgenommen werden. Ihre Mutter Carina (40) blickt derweil auf 25 Jahre Zuchterfahrung zurück. Die Tradition, sich mit den Rassetieren zu befassen, reicht jedoch noch weitere zwei Generationen zurück.

Frieda Zwink, Carina Zwinks Oma, hatte einst nur Hauskaninchen, nahm später jedoch Deutsche Widder hinzu. Mutter Angela hatte sich zu DDR-Zeiten mit Großchinchillas befasst, schwenkte nach der Wende erst auf Lohkaninchen und 2005 auf die Rasse Separator um. Sie ist zudem seit 30 Jahren die Vorsitzende des Hartmannsdorfer Vereins. Tochter Carina wurde somit das Interesse an der Kaninchenzucht in die Wiege gelegt.

Die Eltern ausgetrickst

Als 14-Jährige durfte sie sich 1995 von einem Züchter in Wildau eine Zwergwidder-Häsin (wildfarben) holen. Das Mädchen trickste ihre Eltern jedoch aus, brachte noch eine zweite und einen Rammler mit. Das Pärchen versteckte sie erst einmal bei Oma Frieda. "Ich musste ja auch noch die Ställe für sie bauen." Am 1. April 1995 entdeckte sie den ersten Wurf – von da an ließ das Hobby sie nicht mehr los. Neben der Zucht – heute sind es Zwergwidder rhönfarbig und mit ihrer Mutter in Gemeinschaft die Separatoren – ist sie auch als Preisrichterin aktiv. Mit 19 begann sie bei Schauen die Tiere zu den Juroren zu tragen, war Schreiberin, schließlich Hilfspreisrichterin und seit 2003 Preisrichterin. In der Funktion ist sie landauf, landab viel gefragt.

Und da kommt Amelie ins Spiel. "Seit sie laufen kann, habe ich sie mitgenommen", erzählt Carina Zwink. Die Kleine hat daran großen Spaß gezeigt. Seit zwei, drei Jahren hilft sie schon beim Füttern und Ausmisten. So wurde sie von ihrer Mutter schrittweise an das Metier herangeführt. Seit Januar ist sie nun Jugendzüchterin und hat ihre ersten eigenen Tiere – Zwergwidder hotot-farbig. Amelie nennt die weißen Kaninchen mit den schwarz umrundeten Augen  Diebe-Kaninchen. "Die sehen wie Verbrecher in Büchern aus", lautet ihre Erklärung.

Je nach Neugierde lässt Mutter Carina ihre Tochter immer mehr helfen. Sie kann schon Krallen schneiden, Ohren messen, Zähne kontrollieren und lernt ganz nebenbei alles Wichtige über die Tiere und die Zucht. Selbst beim Schlachten hat sie schon zugeschaut. "Sie versteht, dass das dazu gehört", sagt die 40-Jährige. "Und ich weiß, wie die Kaninchen von innen aussehen", ergänzt die Sechsjährige. Lunge, Herz und Magen gehören dort hinein. Am liebsten streichele sie jedoch ihre Freunde, wie sie ihre Lieblingstiere nennt.

Kaninchen gehören bei den Zwinks ganz selbstverständlich auf den Speiseplan. "Wir essen das Fleisch gern", sind sich Mutter und Tochter einig. "Wir wissen auf dem Teller allerdings nicht, welches Tier es ist." Kaninchen seien halt Nutztiere, lautet ihre nüchterne Reaktion. Sie als bloße Kuschelhasen wahrzunehmen, sei nicht typisch. Im Vereinsleben spielt auch das eine Rolle. Einmal im Jahr lädt Carina Zwink zum Kochen ein. "Dabei geht es aber nicht nur um Rezepte für Kaninchenfleisch." Zudem leitet sie die Handarbeitsgruppe des Vereins, die sich um die Verwertung der Felle kümmert.

Streben nach gelungenem Kaninchenwurf

Für die Zwinks bietet das Hobby eine große Erfüllung. Die Hartmannsdorfer schätzen das Netzwerk der Züchter und die damit verbundenen sozialen Kontakte. "Zuchtfreunde sind wie eine große Familie", lobt die 40-Jährige die Gemeinschaft. Sie mag aber auch den Wettbewerb, die Logik der Zucht und das Streben nach immer gelungeneren Würfen. "Wir sorgen für die Genreserve auch der alten, nicht mehr so verbreiteten Rassen."

Mit einer Marderkaninchen (blau)-Sammlung hat Carina Zwink vor ein paar Jahren 97,5 von 100 Punkten erreicht. "Das war mein bestes Ergebnis." Gewertet hat sie als Preisrichterin sogar mal eine 98,5. "Mehr geht fast nicht", schätzt sie ein. Für jeden Züchter bleibt trotzdem der Reiz, dicht ans Ideal zu kommen.

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