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Straßenbahn
Es wird wieder kontrolliert in Schöneiche und Woltersdorf

Deutlich weniger Fahrgäste als vor Covid-19: Die Linie 88 hält in der Schöneicher Dorfaue. Vorsichtige Hoffnungen setzt die Schöneiche-Rüdersdorfer Straßenbahn in die Corona-Lockerungen.
Deutlich weniger Fahrgäste als vor Covid-19: Die Linie 88 hält in der Schöneicher Dorfaue. Vorsichtige Hoffnungen setzt die Schöneiche-Rüdersdorfer Straßenbahn in die Corona-Lockerungen. © Foto: Annette Herold
Annette Herold / 13.05.2020, 03:30 Uhr - Aktualisiert 13.05.2020, 09:52
Schöneiche (MOZ) Bei 60 Prozent liegen die Einnahmeverluste aus dem Haustarif auf der Linie 88, die Alt-Rüdersdorf und Berlin-Friedrichshagen verbindet, berichtet Betriebsleiter Sebastian Stahl.

Damit stellt sich die Lage dort noch deutlich besser dar als für die Linie zwischen Woltersdorfer Schleuse und Berlin-Rahnsdorf. Für diese Strecke ist der Direktverkauf von Fahrscheinen im Haustarif der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) fast komplett eingebrochen. Stahl spricht von zwei Prozent Resteinnahmen.

In den historischen Woltersdorfer Wagen gibt es keine Automaten, und wegen fehlender Abtrennung sei auch der Fahrkartenverkauf beim Fahrer nicht möglich. Im Kundenbüro der Woltersdorfer Straßenbahn seien zuletzt binnen vier Wochen gerade noch drei Zehnerkarten und zwei Einzelfahrscheine verkauft worden. Seit Mitte März seien die Fahrgastzahlen auf beiden SRS-Linien etwa um die Hälfte gesunken. Der Einnahmeverlust fällt höher aus als der Fahrgastrückgang, weil etwa Zeittarife im Verhältnis günstiger sind als Einzelfahrten.

Betriebsleiter Stahl macht deutlich: "Die wirtschaftliche Lage ist schwierig." Die SRS steuere mit dem Einsatz von Rücklagen dagegen. Zudem seien eigentlich erst später fällige öffentliche Zuschüsse geflossen. "Aber diese Gelder wird es später für uns nicht mehr geben", sagt Stahl. Er begrüße deshalb die Forderung Brandenburger Nahverkehrsunternehmen nach einem Rettungsschirm für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). "Es muss für alle eine tragbare Lösung geben." Hilferufe kämen jetzt von allen Seiten, räumt Stahl ein.  "Aber wenn unser Angebot weiter so gewünscht ist, muss die Finanzierung gesichert sein." Vorsichtige Hoffnungen setzt die SRS in die Corona-Lockerungen, in den nach und nach wieder einsetzenden Schülerverkehr zum Beispiel. Auch darauf, dass zunehmend wieder Fahrgäste zu Freizeitunternehmungen mitfahren – in den Rüdersdorfer Museumspark etwa, an die Woltersdorfer Schleuse oder in Schöneiches Kleinen Spreewaldpark. Und dann geht es noch um die Rüdersdorfer, Woltersdorfer und Schöneicher, die zum Beispiel nach Berlin ins Theater möchten, zu einem Kneipenbummel oder zum Fußball. "Die fehlen uns", sagt Stahl. "Wir hoffen natürlich, dass wir unsere Fahrgäste halten und zurückgewinnen können."

Zugleich kündigt der Betriebsleiter an, dass die mit dem Corona-Lockdown ausgesetzten Fahrscheinkontrollen wieder aufgenommen werden. "Dienstleistungen müssen bezahlt werden, unsere auch." Natürlich rechne das Unternehmen mit der Ehrlichkeit der Fahrgäste, aber immer sei die eben nicht gegeben. Passagieren der Woltersdorfer Straßenbahn solle der Ticketkauf erleichtert werden: mit zwei Automaten, einem am Rahnsdorfer Bahnhof und einem an der Haltestelle Goethestraße. Der in Rahnsdorf steht schon, muss aber noch eingerichtet werden; der in der Goethestraße soll demnächst aufgestellt werden.

In Woltersdorf will die SRS nach Stahls Worten ab Juni im Berufsverkehr zwischen Berliner Platz und Rahnsdorf wieder im wegen Covid-19 ausgesetzten Zehn-Minuten-Takt starten. Wann auch das eigentlich ab Mai geplante Schöneicher Vorhaben – der Zehn-Minuten-Takt zwischen Jägerpark und Friedrichshagen – im Fahrplan steht, ist indes noch ungewiss.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

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