Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Fußball
Langsamer Neustart am Dämeritzsee in Erkner

Kai Beißer / 18.05.2020, 19:44 Uhr - Aktualisiert 18.05.2020, 20:42
Erkner (MOZ) Sven Paprotny ist in diesen Tagen ein vielgefragter Mann. Der 30-Jährige arbeitet beim Berliner Fußball-Landesverband und war in dieser Funktion wesentlich an der Ausarbeitung eines Re-Start-Konzepts für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs nach den ersten Lockerungen der Corona-bedingten Einschränkungen für den Vereinssport beteiligt. "Pape" ist aber auch aktiver Spieler bei Landesligist FV Erkner, und so liegt es natürlich nahe, dass seinem Verein in dieser spannenden Zeit mit Rat und Tat zur Seite steht.

Nachwuchs-Leiter Mario Hein hatte zusammen mit den Verantwortlichen des Sportzentrums  binnen kurzer Zeit einen Trainings-Belegungsplan erarbeitet, und bereits am Freitagabend gab es vor Ort ein Treffen mit den zehn Jugendtrainern – aufgeteilt in zwei Gruppen –, bei dem Paprotny die wichtigsten Grundregeln des Berliner Konzeptes erläuterte, die sich auf Brandenburg und den FVE übertragen lassen.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Der zentrale Punkt: Training unter Einhaltung des 1,5-Meter-Abstandes. Dazu bedarf es spezieller Übungsformen – Zweikämpfe gehören definitiv nicht dazu. Überhaupt ist jeglicher (Körper-)Kontakt zu vermeiden, kein Abklatschen, kein Jubel. Erwachsene wie Jugendliche müssen umgezogen erscheinen, denn die Kabinen sind gesperrt. Jeder hat seine eigene Trinkflasche mitzubringen, die sich deutlich von den anderen unterscheidet, Taschen werden nicht auf einen Haufen geworfen. Nur Aktive und Trainer dürfen das Gelände betreten, Kinder werden vom Eingang abgeholt und auch wieder dorthin gebracht, wobei Massenansammlungen zu vermeiden sind.

"Ich habe deutlich gemacht, dass die Trainer zunächst weniger Übungsleiter denn ,Einhalter der Spielregeln’ sein werden und müssen", betont Paprotny. Zudem wird in Berlin die Empfehlung gegeben, erst ab den D-Junioren wieder mit dem Training zu beginnen, weil diese schon etwas mehr Verständnis für die getroffenen Maßnahmen aufbringen als die Jüngsten. In Erkner sind allerdings auch diese Teil des Neustarts.

8 plus 2 auf einem Halbfeld

Es gibt viele Dinge, die sich aus der Hauptstadt ins Umland übertragen lassen, aber eben auch etliche Unterschiede. So dürfen in Berlin maximal sieben Spieler und ein Übungsleiter auf einem Halbfeld trainieren. In Brandenburg, wo die Plätze oft größer und die Gelände weitläufiger sind wie etwa im Erich-Ring-Stadion am Dämeritzsee, lautet die Formel 8 plus 2. Komplizierter ist in Berlin auch die Abstimmung, teilen sich doch oft mehrere Vereine eine Sportanlage.

Der Erkneraner Trainingsplan berücksichtigt derweil auch die Belange des American Football Clubs sowie der Leichtathleten der SG Chemie, die ihr Training ebenfalls im Sportzentrum am Dämeritzsee absolvieren. Die Razorbacks haben auf ihrer Internetseite die Leitplanken der Konzepte des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Football-Verbandes zur schrittweisen Wiederaufnahme des Sportbetriebs, die zehn wichtigsten Hygiene-Regeln sowie ein Merkblatt zur Gesundheitssituation für Sportler zum Downloaden und Ausdrucken bereitgestellt. Der Liga-Spielbetrieb für dieses Jahr war Anfang des Monats vom Verband Berlin-Brandenburg abgesagt worden.

Noch einmal zurück zu den Fußballern: "Ich persönlich finde es gut, dass es zumindest in Ansätzen wieder losgeht", sagt Sven Paprotny. "Sich alleine fithalten – schön und gut. Aber ich glaube, für viele Spieler ist es wichtig, wieder feste Trainingstermine zu haben. Und man sollte den sozialen Aspekt tatsächlich nicht unterschätzen", sagt der Abwehr- und Mittelfeldspieler, der in seine mittlerweile siebte Saison beim Süd-Landesligisten geht. "Und ganz ehrlich: Es juckt in den Füßen, ich habe wieder richtig Lust aufs Fußballspielen. Und der Rasenplatz sieht nach der langen Pause super aus", fügt der 30-Jährige lachend hinzu.

Er selbst steigt heute wieder ein, gehört zur Trainingsgruppe 3. Ronald Mersetzky hat sich für die ersten, etwa einstündigen Einheiten einiges einfallen lassen. "Es gibt ein ,Dribbel-Turnier’ der Feldspieler und eine Übung mit Torabschluss", verrät der FVE-Coach.

Die Fußballer wissen, dass sie durchaus unter Beobachtung stehen. "Wir haben vom Berliner Verband zwei Muster-Trainingseinheiten im Sportforum Hohenschönhausen durchgeführt, um einige der Maßnahmen auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen", erzählt Paprotny. "Unglaublich, wie viele Zaungäste es da gab, wie oft das Handy gezückt und fotografiert wurde. Wir sollten uns also alle tunlichst an die Regeln halten."

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG