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Handball
Nach 22 Jahren ist Schluss beim Grünheider SV

Roland Hanke / 06.06.2020, 05:30 Uhr
Potsdam/Grünheide (MOZ) Eigentlich wollte er noch drei bis fünf Jahre Handball spielen. Doch dieser Traum ist geplatzt, nachdem er sich die Achillessehne am linken Fuß verletzt hat. Die Rede ist von Matthias Henow vom Grünheider SV.

Seit 2013 hat er als Kreisläufer für die Randberliner in der Oberliga Ostsee-Spree gespielt. Trainer Frank Morawetz ist voll des Lobes über seinen Akteur, der immer "volle Pulle am Kreis und für die Mannschaft" gegeben habe. "Ich kenne Matthias schon lange, habe seine Qualitäten bereits zu schätzen gelernt, als ich Trainer beim VfL Potsdam war und ihn als Gegner in den Duellen mit dem LHC Cottbus hatte. Ich bin froh, dass sich mit dem richtig guten Kreisspieler noch mal zusammenarbeiten konnte. Es ist sehr schade, dass solch eine Karriere nun auf diese Art und Weise zu Ende geht. Es tut mir unsagbar leid für ihn."

Morawetz bedauert den Verlust eines "hochkarätigen Sportlers, der ein Teamplayer, Leader und auch charakterlich ein guter Typ ist. Er wird uns sehr fehlen, aber vielleicht sieht sich man sich ja im Handball mal wieder, wenn auch in anderer Funktion."

Leidensweg seit Dezember

Zumindest als Zuschauer will Matthias Henow sein Team ab und an – wenn es die Zeit erlaubt – in der Löcknitzhalle unterstützen. "Es waren sieben schöne Jahre beim Grünheider SV, bei dem ich noch gern weitergespielt hätte", sagt der Rechtshänder, der sich im Dezember im Training die Achillessehne am linken Fuß riss. Und damit begann sein bis heute andauernder Leidensweg.

"Ich wurde zunächst in die Notaufnahme ins Krankenhaus Rüdersdorf gebracht und einige Tage später in Berlin operiert. Es war alles gut gelaufen, ich musste neun Wochen lang einen Spezialschuh tragen. Aber zwei Tage, nachdem ich ihn abnehmen durfte, riss die Achillessehne noch mal", berichtet der Potsdamer, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin Josephine und der fast zweijährigen Tochter Hanna in einer Wohnung nahe Schloss Sanssouci lebt.

Im Februar wurde Henow erneut operiert, wobei sich Probleme mit der Narbe ergaben. "Die Wunde hatte sich entzündet und war voller Eiter. So musste ich am 4. Mai notoperiert werden, wobei auch fünf Zentimeter von der Sehne und ein Stück Haut entfernt werden mussten", erklärt der Verwaltungsbeamte im Bundespolizeipräsidium in der Landeshauptstadt.

"Ich hatte ein richtiges Tief, aus dem mir meine Freundin, die Familie und die Mannschaft heraus geholfen haben", sagt der 30-Jährige, der wegen der Corana-Pandemie seinen runden Geburtstag im April nicht richtig feiern konnte. "Aber das wird irgendwann nachgeholt." Jetzt blickt er nach vorn. "Ich lese viel, stelle meine Ernährung um, verzichte auf Fleisch, um die Entzündungswerte im Körper zu reduzieren." Es müsse alles richtig verheilen, denn im Herbst steht die nächste OP an, bei der dann das fehlende Stück Sehne aus einem anderen Körperteil wieder eingesetzt werden soll.

"Mein Ziel ist es, dass ich danach wieder normal laufen und joggen kann", hofft Matthias Henow. Derzeit geht das nur an Krücken und auch nicht in der Sonne, weil dies durch die einzunehmenden Antibiotika schädlich wäre. "Das Beste an der ganzen Situation ist noch, dass ich nun mehr Zeit mit der Familie verbringen kann."

Zum Handball kam er im Alter von acht Jahren durch seinen Vater Detlef, der selbst aktiver Spieler und auch Trainer war. Ab 1998 spielte der aus Kolkwitz stammende Henow beim USV Cottbus, der sich 2003 mit dem HC zum Lausitzer Handballclub zusammenschloss. Bei dem kam der Kreisläufer 2007/08 noch als A-Jugendlicher zu einem Kurzeinsatz in der 2. Bundesliga, aus der der LHC abstieg und danach in der Regionalliga spielte. Als der 1,84-Meter-Mann dann 2013 beruflich nach Potsdam umzog, führte ihn sein Weg unter anderem durch Mitspieler Tom Griebsch nach Grünheide. Einige Jahre lang bildeten sie zusammen mit anderen Spielern eine Fahrgemeinschaft an die Löcknitz.

In der Brandenburgliga-Saison 2013/14, "meiner ersten beim GSV, sind wir gleich in die Oberliga aufgestiegen und haben uns da bis jetzt gehalten", erklärt Henow. "Diesmal hat uns aber der Coronavirus vor dem Abstieg gerettet", fügt er verschmitzt hinzu. "Ich drücke den Jungs auf jeden Fall die Daumen, dass es in der nächsten Saison nicht so viele Verletzte gibt und alles besser wird. Die Mannschaft hat das Zeug dazu, weiter oben in der Liga zu stehen."

Sportbegeisterte Familie

Wie der 30-Jährige ist auch ein Großteil seiner Familien sportbegeistert. Neben dem Vater ist sein acht Jahre jüngerer Bruder Pascal Hüneburg Handballer beim Ligarivalen LHC, mit dem es auch schon einige Duelle auf der Platte gab. Der ältere Bruder ist Fußballer und seine Lebensgefährtin war Leichtathletin in Cottbus. "Dort haben wir uns vor zwölf Jahren im Stadion auch kennengelernt. Von da an war es um mich geschehen", verrät Henow.

Mit Josephine war er auch schon bei Leichtathletik-Wettbewerben wie dem ISTAF in Berlin. Seine Freundin ist leidenschaftliche Läuferin. "Ich fahre aber lieber Fahrrad, Laufen ist nicht so mein Ding", sagt Matthias Henow. Deshalb hat er schon ein neues Metier nach seiner Genesung im Blick: "Vielleicht können wir ja mal gemeinsam beim Run & Bike in Neuzelle starten." Auch andere Sportarten wie Basketball, Paddeln, Beachvolleyball, Darts, Tennis und Football gefallen ihm. Und natürlich Fußball als überzeugter Fan und sogar Mitglied von Borussia Dortmund, wo er schon öfter im Stadion war. Auch nach dem jüngsten 0:1 gegen die Bayern "glaube ich noch daran, dass der BVB Meister werden kann. Es wird aber schwer".

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