Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nahverkehr
Alle zehn Minuten von Schöneiche nach Berlin

Beliebt, im Moment aber pandemiebedingt weniger genutzt: Die Schöneicher Straßenbahn soll bald öfter fahren.
Beliebt, im Moment aber pandemiebedingt weniger genutzt: Die Schöneicher Straßenbahn soll bald öfter fahren. © Foto: Annette Herold
Annette Herold / 26.06.2020, 04:30 Uhr - Aktualisiert 26.06.2020, 11:00
Schöneiche (MOZ) Eigentlich war es längst beschlossene Sache, doch dann kam Corona dazwischen. Ab Mai sollte die Straßenbahn der Linie 88 zwischen Schöneiche-Jägerstraße und Berlin-Friedrichshagen nachmittags im Zehn-Minuten-Takt fahren. Nun soll die Tram ihren Fahrplan zum 1. Oktober entsprechend umstellen.

Das Datum ist ein in längerer Debatte entstandener Kompromiss der Schöneicher Gemeindevertreter. Auf Antrag von Linken, Bürgerbündnis, FDP, Schöneicher Liste, FDP und Unabhängigen Bürgern Schöneiches kam die Taktverdichtung auf die Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend, allerdings mit dem Ziel, die Bahn schon ab September öfter fahren zu lassen.

Fahrgast-Einbruch durch Corona

Das sei nicht im Sinne der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn GmbH, berichtete Stefan Brandes (Grüne) in der Debatte aus dem SRS-Beirat. Die SRS empfehle, erst im Herbst zu starten, damit es auch genügend Fahrgäste gibt. Deren Zahl war durch die Pandemie seit Mitte März, als Kindertagesstätten und Schulen schlossen und Pendler von zu Hause aus arbeiteten, deutlich eingebrochen. Bürgermeister Ralf Steinbrück (SPD) sprach sich für einen Zehn-Minuten-Takt zum Fahrplanwechsel im Dezember aus. Dann lasse sich das neue Angebot besser bewerben und der SRS bleibe mehr Vorlaufzeit. Sein entsprechender Änderungsantrag fand im Gremium allerdings keine Mehrheit.

Vertreter der Einbringer-Fraktion wie Fritz Viertel (Linke) und Martin Berlin (Schöneicher Liste) warben für den Septemberstart. Seine Fraktion sei auch für den kürzeren Takt, erwiderte Brandes für die Grünen. Man müsse auch die wirtschaftliche Situation der SRS bedenken. "Es gibt Leute, die zurzeit Angst haben, die Straßenbahn zu nutzen." Niemand wisse, wie lange die Pandemie andauert.

"Wir wollen doch alle den Zehn-Minuten-Takt", stellte Karin Müller (SPD) klar. Es sei ihr nur nicht verständlich, weshalb die Gemeindevertretung die SRS auf ein Datum festlegen solle, dass nicht einzuhalten sei. "Was machen wir denn dann?", fragte sie. "Lassen wir die SRS dann Vertragsstrafe zahlen?" Es sei doch sinnvoller, im Oktober anzufangen, wenn die SRS auch soweit sei. Damit konnten die Antragsteller mitgehen, sodass die Gemeindevertretung gegen die Stimmen der Grünen für den Beginn am 1. Oktober votierte.

Gemeindevertretung will mehr Nahverkehr

Die Gemeindevertretung beschloss auch, langfristig mehr Nahverkehrsangebote zu schaffen. Sie folgte mehrheitlich Vorschlägen der SPD, zu denen unter anderem eine weitere Taktverdichtung der SRS und eine Buslinie nach Neuenhagen zählen. Ziel solle sein, dass von allen Schöneicher Haushalten in maximal 300 Metern Entfernung eine Haltestelle erreichbar ist, die regelmäßig angefahren wird.

Die drei Einreicher-Fraktionen des Antrags zum Zehn-Minuten-Takt wollten eigentlich erreichen, dass ein Nahverkehrskonzept für Schöneiche erarbeitet wird, konnten sich damit aber nicht durchsetzen. Das Zustandekommen dieses Vorschlags war Gegenstand einer längeren Debatte über die Zusammenarbeit im Gemeindeparlament. Der Bürgermeister kommentierte das so: "Bemerkt hier eigentlich noch jemand, wie viel wir uns mit uns selbst beschäftigen?"

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG