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Startup
Junge Firma aus Erkner klammert sich an Strohhalme

Kerstin Ewald / 30.07.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 30.07.2020, 13:38
Erkner (MOZ) Im Büro von Tom Sprenger und Felix Henze in der Erkneraner Rudolf-Breitscheid-Straße sieht es ein bisschen aus, wie man es sich bei jungen Unternehmensgründern vorstellt. Kleiner Raum mit Schreibtisch, dahinter – keinen Meter entfernt – ein Sessel, vielleicht von Ikea. Darüber hängt die Pinnwand mit Ideen. Vom Büro führt eine Tür zum Balkon mit trendigen Palettensofas. Im Februar meldeten Henze und Sprenger (24 und 26 Jahre alt) ihr Unternehmen beim Handelsregister an. Sie nannten es schlicht H&S, ihren Initialen entsprechend.

Rückenwind aus der EU für Strohhalme aus Naturmaterial

Strohhalme aus Naturmaterial sind im Moment einziges Produkt der neuen Firma, die ihren Sitz in Erkner hat. Rückenwind für derartige Ideen kommt ja derzeit aus Brüssel. Die EU verbietet ab kommendem Jahr Einwegbesteck, Wattestäbchen, Strohhalme und Rührstäbchen aus Plastik. Auch die Abgabe auf nicht recycelte Verpackungen soll in Deutschland und anderen EU-Staaten jetzt doch schon nächstes Jahr eingeführt werden.

"Wir haben es erst mit Roggenstroh probiert, die Halme sind ja von Natur aus hohl," berichtet Felix Henze, dessen Vater gegen eine kleine Gegenleistung das Büro in der Breitscheid-Straße zur Verfügung stellt. "Wir hatten zwei Biobauern gefunden, die uns Halme überließen", erzählt Henze weiter. Mit der Sense zogen die beiden Geschäftspartner aufs Feld. Sie hatten auch sogar schon mit der Entwicklung einer handbetriebenen Schneidevorrichtung begonnen. Parallel dazu führten sie Gespräche mit Werkstätten, die die Halme waschen, stutzen und verpacken sollten. Beide jungen Männer sind dabei, ihren Master zum Wirtschaftsingenieur zu absolvieren.

Rohstoff Roggenstroh für Trinkhalme ungeeignet

Doch ganz zufrieden waren sie nicht mit dem Rohstoff. "Die Knoten blockieren die Flüssigkeit, außerdem sind die Roggenhalme sehr dünn, was bei dickflüssigen Getränken nicht funktioniert", erklärt Tom Sprenger. Außerdem wäre das Produkt – selbst wenn es subventioniert in einer Behindertenwerkstatt gefertigt würde – viel zu teuer. Beide kennen die Diskussion um Nachhaltigkeit und die Vorteile regionaler Produktion. "Das ist schon gut", meint Sprenger, "aber keiner zahlt ja zehn Cent für einen Strohhalm."

Fündig auf ihrer Suche nach dem passenden Rohstoff für Natur-Trinkhalme wurden die Gründer schließlich in Südostasien. Über die Nichtregierungsorganisation Zero Waste Saigon stießen sie auf Halme der Schilfsorte Lepironia Articulata. Die Pflanze wächst in tropischen Regionen. Die Organisation Zero Waste mit Sitz in Vietnam, gegründet von einem französisch-US-amerikanischem Paar, hat sich Verringerung des Müllaufkommens auf die Fahnen geschrieben. Für die Schilf-Produktion arbeiten sie mit vietnamesischen Bauern zusammen. Sprenger und Henze vertreiben die Schilfhalme nun unter dem Namen "Kolistraw" in Deutschland.

Erste Kunden in Erkner für Kolistraw-Halme

Vor drei Wochen begannen die Gründer mit dem Vertrieb. Zwei Lokale in Erkner haben sie schon gewinnen können, die Badebar und die Dekaffee-Rösterei. Die Gastronomen wollen demnächst Getränke mit den Kolistraw-Halmen reichen. Wenn das Geschäft gut läuft, wollen Henze und Sprenger weitere Produkte aus nachwachsenden Rohmaterialien in ihr Sortiment aufnehmen. Erst einmal könnte man die Längen der Strohhalme variieren, finden sie. Mit dem großen Geld rechnen die beiden nicht sofort. "Wir müssen erst einmal Fuß fassen", sagt Felix Henze.

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