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Gedankliches Zwiegesprõch: Der Bildhauer Jannulis Tembridis mit seiner Terrakotta "Mykene"  Foto: MOZ/Gerd Markert
Gedankliches Zwiegesprõch: Der Bildhauer Jannulis Tembridis mit seiner Terrakotta "Mykene" Foto: MOZ/Gerd Markert © Foto:
Gerd Markert / 14.08.2009, 17:29 Uhr
Müncheberg Mykene, Odysseus, die Frau mit Blume, die Moiren, mythischen Terrakotten haben in illustrer Gesellschaft bis Ende September Quartier in der Müncheberger Stadtpfarrkirche genommen. Haben sie wirklich am darauffolgenden Morgen noch denselben Ausdruck wie gestern? Bei den Arbeiten von Jannulis Tembridis weiß man es nie so recht. Der seit 1986 in Wulkow bei Frankfurt (Oder) lebende Bildhauer mit griechischen Wurzeln, der 2008 mit dem MOZ-Kunstpreis geehrt wurde, hat das besondere Auge, Unsichtbares sichtbar zu machen, Steine zum Leben zu erwecken, Schau-Spiele in Stein zu inszenieren.

"Orama - Idee in Stein" heißt seine Ausstellung in Müncheberg, in der er sich trotz des Titels vor allem auch als Maler zeigt. Orama ist Altgriechisch und hat mehrerlei Bedeutung: Anblick, Gesicht, Vision, Schauspiel. All dies spiegelt sich in den Arbeiten von Jannulis Tembridis. Hat das Auge des behauenen Findlings nicht gerade geblinzelt? Das Sonnenlicht, das durchs Kirchenfenster auf den Stein fällt, flirrt und schafft alle Nase lang einen anderen Anblick. Steigen bei der Terrakotta "Mythos" die Gesichter aus einem angedeuteten Bücherstapel oder formen sich die Bücher aus den Köpfen? "Dem Morgenrot entgegen!", Zeilen eines Arbeiterkampfliedes von 1907, ruft keck ein Fähnchen schwenkender Jüngling von der teilverputzten feldsteinernen Kirchenwand herüber. Davon unbeeindruckt döst ein paar Bilder weiter eine Nackte in der Mittagshitze des Südens. Hier und da tauchen wie bei jenem kecken Bengel mit dem Fähnchen verschmitzte verbale Einwürfe auf, die der Bildhauer allzu gern ins Bild wirft. Mancher Besucher wird seinen Spaß daran haben, sie im Kontext interpretieren zu wollen.

Wie in seinen bildhauerischen Arbeiten konzentriert sich Tembridis auch in der Malerei auf das Wesentliche. Das Zeichnen und Malen sind für ihn nicht bloße Vorstudien für bildhauerisches Schaffen. Für ihn besteht zwischen Malerei und Bildhauerei eine spannende Wechselwirkung. Gerade deshalb laden seine Bilder zum Schauen ein, inspirieren zum Spaziergang durch die eigenen Gedanken.

Sehr schön formulierte es eine Freundin des Künstlers, die zur Ausstellungseröffnung die Laudatio hielt. Tembridis gebe Fundstücken ein neues Erscheinungsbild, suchte nach dem Verborgenen, was der Arbeit von Archäologen gleicht, findet die Kulturwissenschaftlerin Anna-Maria Gaul, allerdings tue er dies nicht wissenschaftlich, sondern künstlerisch.

Orama - Idee in Stein, bis 27.9., Stadtpfarrkirche Müncheberg, Mo/Fr 10-16 Uhr, Do 10-17 Uhr, So 13-17 Uhr

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