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Studenten säubern Gewehrkugeln

Auswertung: Grzegorz Podruczny zeigt einen Teil einer russischen Bombe vom Kunersdorfer Schlachtfeld.
Auswertung: Grzegorz Podruczny zeigt einen Teil einer russischen Bombe vom Kunersdorfer Schlachtfeld. © Foto: MOZ/Ralf Loock
Ralf Loock / 10.09.2013, 08:49 Uhr - Aktualisiert 10.09.2013, 12:02
Frankfurt (Oder)/Slubice (MOZ) Am Collegium Polonicum wurden am Montag 1080 Fundstücke vom Schlachtfeld von Kunersdorf gereinigt. Sie hatte man in der diesjährigen Grabungs-Saison gefunden. In Kunersdorf hatten die Preußen 1759 eine ihrer schlimmsten Niederlagen erlitten.

Ein Seminarraum im Collegium Polonicum in Slubice wurde am Montag kurzerhand in ein Labor umgewandelt. Mit Pinsel, Tupfer und Pinzette säuberten neun Studenten unter Leitung von Grzegorz Podruczny die rund 1080 Objekte. "Wir vermuten in dem Areal ein großes Massengrab", ergänzte der Historiker, der am Deutsch-Polnischen Forschungsinstitut am Collegium Polonicum arbeitet.

Drei Archäologen, zwölf Studenten, drei Experten mit Metalldetektoren und er hatten sechs Tage lang ein Gebiet des ehemaligen Schlachtfeldes abgesucht. Gefunden wurde ein buntes Sammelsurium - Pfeifen, Kugeln, Orden. Darunter befinden sich eine seltene Münze aus dem Mittelalter sowie Geldstücke aus der DDR. "Der Großteil unserer Funde stammt aus der Kunersdorfer Schlacht", versicherte der Forscher. Allein mehr als 500 Kleinkaliberkugeln - also für Gewehr und Pistole - hat man dem Erdreich entnommen, sie werden in das Jahr 1759 datiert. Zu den besonderen Funden zählt ein Stück einer Bombe. "Die russische Armee hatte schwere Geschütze, die sie Einhörner nannte. In Kunersdorf hatte sie zwölf Exemplare dabei", erläuterte Grzegorz Podruczny. Mit diesen Einhörnern konnte die russische Batterie Bomben mit einem Gewicht von etwa 30 Kilogramm verschießen.

Allerdings habe man das eigentliche Ziel der Grabungen 2012 und 2013, nämlich die Entdeckung eines Massengrabes, nicht erreichen können. Gleichwohl ist sich Grzegorz Podruczny sicher, auf der richtigen Fährte zu sein. Man habe in diesen beiden Jahren an der Erdoberfläche Teile menschlicher Knochen und rund 150 Uniformknöpfe gefunden. Doch worauf stützt er seine These?

Auch nach der Schlacht ging es mit großer Brutalität zu. So wurden die Toten nackt in Massengräber geworfen. Den Gefallenen zog man dabei nicht vorsichtig ihre Uniform aus, sondern man riss ihnen mit roher Gewalt die Textilien vom Leibe. Dabei fielen viele Knöpfe zu Boden, die man unbeachtet liegen ließ. Die gefundenen 150 Metallstücke und die menschlichen Knochen hält er für sichere Indizien, dass man dort Gefallene entkleidet und beerdigt hatte.

Die Schlacht bei Kunersdorf, der Ort liegt knapp zehn Kilometer östlich von Frankfurt, fand während des Siebenjährigen Krieges am 12. August 1759 zwischen einer russisch-österreichischen und der preußischen Armee statt. Die preußische Armee, geführt von König Friedrich II., verlor von 49 000 Mann knapp 19 000 durch Tod oder Verwundung. 2009 hatten Polen und Deutsche gemeinsam an den 250. Jahrestag der Schlacht erinnert. Der polnische Historiker hofft, die Forschungen im nächsten Jahr fortsetzen zu können. "Das wäre dann unsere sechste Saison." Die Ergebnisse seiner Forschungen will Grzegorz Podruczny im Frühsommer 2014 beim Frankfurter Archäologentag vorstellen.

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