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Das Staatstheater Cottbus führt im Kleist Forum "Carmen" auf - eine der meistgespielten Opern der Welt

Verhängnisvolle Leidenschaft

Fasziniert die Männerwelt: Carmen (Marlene Lichtenberg) lebt leidenschaftlich den Augenblick. Daher verfällt nicht nur Sergeant José der wilden Ausstrahlung der Zigeunerin.
Fasziniert die Männerwelt: Carmen (Marlene Lichtenberg) lebt leidenschaftlich den Augenblick. Daher verfällt nicht nur Sergeant José der wilden Ausstrahlung der Zigeunerin. © Foto: Marlies Kross/Theaterfotografin
Annette Herold / 04.04.2014, 07:20 Uhr
Frankfurt (MOZ) Sie gilt als eine meistaufgeführten Opern der Welt - "Carmen" ist am Freitag und Sonntag auch in Frankfurt zu Gast. Das Staatstheater Cottbus spielt das Werk von Georges Bizet am Freitag um 19.30 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr im Kleist Forum.

Es ist ein faszinierenden und zugleich irritierendes Werk. "Carmen" gilt als die meist gespielte Oper des Repertoires überhaupt. Dass das Stück von seinem erotischen Charme und dem provozierenden Gestus bis heute kaum etwas eingebüßt hat, spricht nicht nur für Georges Bizets musikalische Meisterschaft, sondern auch für die Faszination des Stoffes: Der Sergeant José verfällt der wilden Ausstrahlung der Zigeunerin Carmen. Indem er ihr in einer ausweglosen Situation zur Flucht verhilft, setzt er seine soldatische Ehre ebenso aufs Spiel wie alle bisherigen Zukunftspläne.

Als die junge Frau mit einer Liebesnacht ihren Dank für die Rettung begleichen will, wird José zum Deserteur. Er folgt Carmen, um als Schmuggler an ihrer Seite zu leben und sie ganz besitzen zu können. Doch seine absolute Hingabe kollidiert mit ihrem grenzenlosen Freiheitswillen, der sich von Nichts und niemandem vereinnahmen lässt. Dass Carmen leidenschaftlich den Augenblick leben will im vollen Bewusstsein aller damit verbundenen Risiken - gerade interessiert sie sich für den Stierkämpfer Escamillo -, erträgt José nicht. Weil es ihm nicht gelingt, Carmen an sich zu binden, tötet er sie.

Die Begegnung von Carmen und José ist geprägt von einer exzessiven erotischen Spannung, die sich aus dem speist, was der Liebe zum tödlichen Verhängnis werden kann. Der Komponist Georges Bizet gestaltete "Carmen" 1875 nach der Novelle von Prosper Mérimée (1845) als Opéra comique, die musikalisch das gesamte Spektrum von Alltäglichkeit und Banalität, Verführung und Spiel, Härte und Grausamkeit einsetzt.

Regisseur Matthias Oldag übersetzte die andalusische "Zigeuner"-Romantik in die Realität am Südrand Europas. Die Begriffe "Schmuggler" und "Soldaten" haben ihn an den Schauplatz "Grenze" geführt. Flüchtlinge, Menschenhandel, (illegale) Arbeiterinnen in der Zigarettenfabrik, selbst der pejorative "Zigeuner"-Begriff, all das passt dazu, lobt das "Kulturradio".

So spielt der 1. Akt an einem von Soldaten bewachten Grenzzaun, der zweite in Lillas Pastias von den "Grünhelmen" besuchten Flamenco-Bar, der dritte beginnt an einem Containerlagerplatz, wo "Ware" eingetroffen ist, illegale Flüchtlinge. Insgesamt ein stückkonformes Ambiente, das Carmen vielleicht noch aktueller macht, als Bizets Hauptwerk seit 1875 jemals war.

Die Figuren sind dem Cottbuser Ensemble buchstäblich auf die Haut geschneidert. Oldag beherrscht eine psychologische Personenführung und nutzt sie, um die Opernfiguren von ihrem Postament der mythischen Überhöhung herunter zu holen.

Der feine Umgang mit den Personen macht den eigentlichen Reiz der Produktion aus, verlautet die Kritik und führt fort: Die Normalität der Figuren macht die überbekannte Handlung durch menschliche Nähe und Realität nachfühlbarer und damit doch wieder spannend. Sie wirkt etwa wie der hochinteressiert vom ganzen Haus verfolgte Ehe-Skandal in der Wohnung unten links. Und auch Marc Niemann macht mit dem Philharmonischen Orchester alles richtig. Ein Opernbesuch voller Leidenschaft und Tragik - aufgeführt von erstklassigen Musikern.

Aufführungen am Freitag um 19.30 und am Sonntag um 15 Uhr im Kleist Forum. Karten gibt es für 25/23 Euro (Kinder 10 Euro) an der Abendkasse. Karten-Telefon 0335 4010120

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