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Ein Typ: ehrlich und geradlinig

Regelmäßig am Ball: Gerd Schuth im Frankfurter Stadion bei einem Fußballfest
Regelmäßig am Ball: Gerd Schuth im Frankfurter Stadion bei einem Fußballfest © Foto: foto-benk
Hans Eberhard / 02.05.2014, 19:21 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Am Sonnabend feiert Gerd Schuth seinen 65. Geburtstag. Damit ist der einstige Linksverteidiger des FC Vorwärts Frankfurt am Punktspiel-Wochenende mal nicht Zaungast beim 1. FCF (gegen Oranienburg) oder bei Blau-Weiss Markendorf (gegen Bernau).

Gegenspieler bezeichneten ihn als "beinhart", Mitspieler nannten ihn etwas liebevoller "Eisenfuß". Damit hat Gerd Schuth auch heute kein Problem. "Ja, schon im Training kämpfte ich immer scharf, aber immer fair", urteilt er selbst. Athletik, Einsatz- und Zweikampfstärke gehörten zu seinen Tugenden. Ein Filigrantechniker war er nie, eher etwas sperrig, mit unverwechselbarem Laufstil. Schwächen hatte er im Spiel nach vorn, in der schnellen Ballmitnahme. "Deshalb reichte es nicht zu höheren Weihen wie Länderspielen", schätzt er ein.

Über ein Jahrzehnt gehörte Schuth zur Stammformation der Rot-Gelben, erlebte so manche Höhen und Tiefen und viele Trainerwechsel mit. In acht Europapokalspielen schnupperte der Zuverlässige und Ehrgeizige internationales Flair: gegen Juventus Turin und Werder Bremen, VfB Stuttgart und Ballymena United. An den Vergleich mit Italiens Torhüter-Legende Dino Zoff anno 1974 denkt er besonders gern zurück. Kein Wunder, denn da gelang ihm neben Horst Krautzig ein Kopfballtor zum 2:1-Hinspielsieg.

Beide DDR-Pokal-Final-Niederlagen gegen Lok Leipzig in Berlin musste er miterleben, ebenso den Oberliga-Abstieg 1978. Am silbernen Meisterschaftsrang 1983 hatte er Anteil, aber auch am Medaillenversagen mit der abschließenden 3:4-Pille beim Absteiger Cottbus im Jahr davor. "Ein Bitterling", sagt er noch heute, obwohl er einen Treffer beigesteuert hatte.

Eigentlich sollte der Weg des jungen Bezirksauswahlspielers Gerd Schuth, der bei Traktor Kartlow begonnen hatte und zu Post Neubrandenburg führte, als 20-Jähriger bei Hansa Rostock gekrönt werden. "Weil ich aber im Fragebogen wahrheitsgemäß einen Verwandten ersten Grades im Westen angegeben hatte, wurde es nichts mit der Delegierung." Der Verwandte ersten Grades war sein Vater Gerhard.

Stattdessen landete der Wehrpflichtige bei der ASG Neubrandenburg. Vier Monate später war er eingeladen zum Sichtungstraining beim Frankfurter FCV, der 1971 per Dekret aus Berlin an die Oder verpflanzt worden war. Aber auch hier war er zunächst wegen der West-Verwandtschaft gesperrt. "Erst als der Chef der ASV Vorwärts, Generalmajor Walter Herkner, persönlich sein okay gegeben hatte, war ich ab 4. Mai 1972 Sportsoldat beim Armeeklub." Das war also einen Tag nach seinem 23. Geburtstag.

Nach der Wende blieb der Bauingenieur und diplomierte Sportlehrer dem runden Leder als Trainer treu: erst bei Motor Eberswalde mit einem respektablen 5. Platz in der Amateur-Oberliga. "Auf Dauer aber war das nicht auszuhalten: Um fünf Uhr los nach Eberswalde zur Arbeit, abends noch Training - da war man vor 22 Uhr nicht wieder zu Hause in Frankfurt." Dann war er fast zehn Jahre als Übungsleiter bei Viktoria - bis zu den hausgemachten Querelen in der Präsidiumsspitze, wo er 2006 einen Schlussstrich zog. Und half auch mit, dass Eintracht Frankfurt nicht abstieg aus der Landesklasse. Sein langjähriger Trainerkollege Axel Geisler (jetzt Coach in Markendorf) hält große Stücke auf Schuth: "Er ist kein Selbstdarsteller, sondern ehrlich, loyal, geradlinig. Ein Mann klarer Worte und Vorstellungen."

Ein grau gewordener, aber drahtiger Mann, der sich nach vier Knieoperationen noch fit und stabil hält. Und der seine guten Kontakte nutzt zu immer noch ansehnlichen Rasentreffs einer Ex-DDR-Oberliga-Auswahl (Mai/Juni) und der FCV-Oldies gegen Union Berlin (September in Markendorf). Zum Landesklassen-"Emporkömmling" hat er eine gute Beziehung: wegen Geisler und des ehemaligen Viktoria-Vizepräsidenten Alexander Wolf. "Über Jahre waren wir ein Team", lobt Schuth. "Die Markendorfer sind mit Trainer Holger Segger, ein Sohn unseres FCV-Strategen Reinhard "Jimmy' Segger, sehr engagiert."

Und zum Viktoria-Nachfolger 1. FCF: "Da ist Frieder Andrichs Handschrift erkennbar, die gute Nachwuchsarbeit und das kontinuierliche Heranführen junger Wilder in das Brandenburgliga-Team trägt immer mehr Früchte." Allerdings befürchtet er: "Wegen des finanziellen Rahmens mit der getgoods-Insolvenz und des Abstiegs der zweiten Mannschaft in die Kreisliga werden auch diesmal Talente nicht zu halten sein. Der 1. FCF wird weiter eine Ausbildungsstätte für andere Vereine sein. Jede neue Saison bedeutet hier immer einen Neuanfang. Es sei denn, man gewinnt einen Riesenpool an Sponsoren."

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